Rot-Weiß Oberhausen

Jannik Löhden: „RWE-Pleite war ein Schlüsselspiel“

Gleich gibt es Rot für Jannik Löhden nach einer Rangelei im Haltern-Spiel.

Gleich gibt es Rot für Jannik Löhden nach einer Rangelei im Haltern-Spiel.

Foto: Micha Korb / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der RWO-Kapitän war zuletzt wegen einer Roten Karte gesperrt. Im Gespräch mit der Redaktion benennt er seine und die Ziele für das Team.

Auch wenn das Spiel gegen die U21 des 1. FC Köln auf den 23. November verschoben wurde, stand für Rot-Weiß Oberhausen keinesfalls ein freies Wochenende an. Schließlich wartet auf den Regionalligisten am Mittwoch im Niederrheinpokal Oberligist Turu Düsseldorf, bevor dann mit dem SV Rödinghausen der derzeitige Ligaprimus ins Stadion Niederrhein kommt.

„Wir sind bereit“, gibt Jannik Löhden mit Blick auf den kommenden Sonntag zu Protokoll, der mit seinem Team auf Platz vier steht. Mit der Sportredaktion sprach der RWO-Kapitän über den bisherigen Saisonverlauf, welche Bedeutung das 0:3 gegen RWE für die Mannschaftsbildung hatte und das Sechs-Punkte-Spiel gegen Rödinghausen.

Punkteausbeute ist in Ordnung

Herr Löhden, aktuell steht RWO bei 21 Punkten. Vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt, bei einem Spiel mehr auf dem Konto, 18. Ist RWO also punktetechnisch im Soll?

Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Ich muss zwar sagen, ich hätte gerne zwei Punkte mehr, wenn ich besonders an das Spiel gegen Fortuna Köln denke. Aber so müssen wir eben noch den einen oder anderen Zähler mehr reinholen, um auf unseren angestrebten Zwei-Punkte-Schnitt zu kommen.

Neben der reinen Punkteausbeute: Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft?

Wir hatten eine solide Vorbereitung absolviert, wo viele Spieler, wie zum Beispiel Francis Ubabuike, ihr großes Potenzial gezeigt haben. Punktuell sind wir zum Saisonstart allerdings in ein kleines Loch gefallen und haben die spielerische Klasse nicht mehr so aufblitzen lassen. Das 1:1 gegen den SC Verl war schon ein Kraftakt, in Gladbach gewinnst du zwar 5:1 durch gutes Umschaltspiel, aber es hat nicht von spielerischer Souveränität gezeugt. Doch in den letzten Wochen haben wir uns stetig verbessert, gerade das 5:1 zu Hause gegen Wuppertal hat gezeigt, was in dieser Mannschaft steckt. Auf solche Leistungen müssen wir aufbauen.

Gerade das 0:3 gegen RWE zu Hause am sechsten Spieltag hätte für einen Knacks sorgen können. Wie sind sie als Team mit der Pleite umgegangen?

Auch eine Niederlage kann helfen

Es war in der ersten Halbzeit sicherlich ein Duell auf Augenhöhe, aber nach dem Seitenwechsel fressen wir zu schnell zwei Gegentore, weshalb der Sieg für Essen in Ordnung ging. Wir haben im Anschluss daraus die richtigen Schlüsse gezogen und direkt am Montag danach eine große Mannschaftsbesprechung gemacht, wo vieles thematisiert wurde, was nicht gut gelaufen ist. Genau das war für mich der gravierendste Punkt in dieser noch jungen Saison, wo eine Mannschaft richtig zusammen gewachsen ist. Wo man gesehen hat, hier muss einer für den anderen da sein, um den Fehler des anderen auszubügeln. Und ich denke, dass haben wir dann in Lotte beim 2:0 eindrucksvoll gezeigt.

Lernt man aus Niederlagen also mehr als aus Siegen?

Du hast in jeder Saison ein, zwei Schlüsselspiele, wo Mannschaften entstehen. Das haben wir jetzt leider mit einer Niederlage gegen RWE erfahren. Letzte Saison war es der 3:2-Sieg gegen Alemannia Aachen in der 90. Minute. Solche Erlebnisse, positiv wie negativ, können zusammenschweißen und eine Zusammengehörigkeit mit den Fans schaffen, die dir das Gefühl gibt: Hier kann etwas entstehen.

Es ist für Sie persönlich die erste Spielzeit, in die Sie von Beginn an als Kapitän gegangen sind. Für Sie etwas Besonderes?

Es macht auf der einen Seite unfassbar stolz, vom Trainerteam das Vertrauen bekommen zu haben. Andererseits, ich bin 30 Jahre alt und seit über zehn Jahren in dem Geschäft. Das soll heißen, ich übernehme gerne Verantwortung, ob ich jetzt die Binde trage oder nicht.

Ärgerliche Platzverweise

Gegen Dortmund II und VfB Homberg fehlten Sie aufgrund der Roten Karte gegen TuS Haltern. Wie haben Sie ihr Team in diesen zwei Spielen gesehen?

Das Spiel in Dortmund ist bitter für uns gelaufen, wo wir eine gute erste Hälfte gespielt haben, ohne jedoch unsere Chancen zu nutzen. Gerade auf so einem schwer zu bespielenden Untergrund musst du den Lucky-Punch setzen, der uns aber leider nicht gelungen ist. Das ist etwas, woran wir arbeiten müssen, frühzeitig in Führung zu gehen, dass der Gegner sich auf uns einstellen muss und nicht umgekehrt.

Und Homberg?

Der Trainer hatte uns vor dem Spiel gesagt, dass einzige, was heute schief gehen kann, sei mit einem Mann weniger zu spielen. Und nach 20 Minuten passiert genau das. Aber es macht mich richtig stolz, welche Reaktion wir dann gezeigt haben. Für jemanden wie Cihan Özkara, der in dieser Spielzeit richtig Verantwortung übernimmt, freut es mich ungemein, dass er sich mit Toren belohnt.

Sie sprechen den Platzverweis von Jerome Propheter an, der nun gegen den SV Rödinghausen fehlen wird, weshalb die Stamm-Innenverteidigung erneut gesprengt ist. Nicht gerade ideal, um sich weiter einzuspielen…

Wir kennen uns natürlich schon aus Aachener Zeiten gut, weshalb wir uns nicht groß finden mussten. Leider ist mir gegen Haltern dieser dumme Platzverweis passiert und Jerome jetzt diese Notbremse, die eben passieren kann, wenn man als letzter Mann einen Schritt zu spät kommt. Aber man muss auch sagen, die Jungs, die dahinter sind, sind auch gut. Nico Klaß hat den nächsten Schritt gemacht, er spielt viel ruhiger als noch letzte Saison, wo die Regionalliga für ihn Neuland war. Er ist also keinesfalls ein Notnagel, sondern hat es verdient, wenn er spielt und sorgt beim Team für keinen Abbruch.

Ob nun auf den Außenpositionen, auf der Sechs oder im Offensivbereich. Eine feste Startelf scheint es nicht zu geben…

Zunächst muss man sagen, wir haben mit 27 Spielern, abzüglich des verletzten Tim Hermes, einen sehr breiten Kader. Wenn wir also im Training elf gegen elf spielen, heißt das für vier Spieler, schon Sondereinheiten mit dem Athletikcoach machen zu müssen. Aber die Jungs, die hintenan stehen oder besser gesagt, nicht zur ersten Elf gehören, brennen genauso. Die Qualität im Training ist sehr gut, was dazu führt, dass der Trainer zwei, drei Spieler aus dem Kader streichen muss, die es eigentlich verdient gehabt hätten, dabei zu sein. Für den Verein ist das eine gute Situation, eine Alternative für die lange Saison zu haben.

Rödinghausen ist ein wichtiges Spiel

In der Liga geht es am Sonntag gegen den Spitzenreiter SV Rödinghausen weiter, der neben der besten Offensive auch die beste Defensive stellt. Ein echter Gradmesser…

Definitiv. Rödinghausen hat im Vergleich zur letzten Saison den großen Kern zusammen gehalten und mit Simon Engelmann einen der drei Topstürmer der Liga. Wir wissen, dass es ein körperbetontes Spiel werden wird, weil Rödinghausen eine sehr robuste Mannschaft hat. Und dazu über verschiedene Variationen bei Standards verfügt. Spielerisch war vielleicht nicht alles perfekt, aber sie siegen konstant. Und mir ist ein dreckiges 1:0 auch lieber, als mit Zauberfußball 1:1 zu spielen.

Wie wichtig ist das Duell auch, um vorne dranzubleiben?

Wir haben zuletzt dreimal zu Hause gewonnen, weshalb Rödinghausen mit Respekt nach Oberhausen kommen wird. Ich will uns selbst nicht unter Druck setzen, aber wir wissen ganz genau, dass es ein enorm wichtiges Spiel ist, um nicht den Anschluss zu verlieren. Denn wenn du nicht gewinnst, bist du erstmal weg. Dann musst du dich erstmal wieder heran arbeiten. Am Ende ist Rödinghausen ein Sechs-Punkte-Spiel.

Mit Blick auf die derzeitigen Top fünf war in den bisherigen Duellen alles dabei. 1:1 gegen Verl, 5:1 gegen Gladbach II und 0:3 gegen RWE…

Es zeigt sich einfach, dass diese Top fünf oder sechs auf Augenhöhe spielen und jeder jeden nach Tagesform schlagen kann. Das wichtigste wird am Ende die Konstanz sein. Du musst die Gegner, die unter den Top sechs stehen, zwingend schlagen. Wenn du da Punkte lässt, kann das auf Dauer schon weh tun.

Vor Rödinghausen wartet aber im Niederrheinpokal noch Turu Düsseldorf…

Wir unterschätzen den Gegner auf gar keinen Fall, wollen natürlich eine Runde weiterkommen. Das muss unser Anspruch sein, so weit wie möglich im Wettbewerb zu kommen, wo mit dem KFC Uerdingen oder zuletzt dem MSV Duisburg auch schon Große gestrauchelt sind.

Wie sieht die Zielausrichtung bis Weihnachten aus? Soviel wie möglich zu punkten, oder?

Absolut, wobei ich jetzt keine konkrete Zahl nennen möchte. Wie gesagt, am Ende entscheidet die Konstanz. Wichtig wird sein, dass wir nicht auf andere, sondern nur auf uns schauen. Wir können stolz sein, was wir letzte Saison erreicht haben und wollen darauf aufbauen. Der Kader ist meiner Meinung nach noch stärker und aus dem wollen wir das Maximum herausholen.

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