Kinderfußball

Neue Spielformen sollen Druck vermindern und Spaß erhöhen

Mit Spaß dabei: Zwei Kinder vom SV Concordia und Sterkrade 06/07 bei einem F-Jugend-Turnier.

Mit Spaß dabei: Zwei Kinder vom SV Concordia und Sterkrade 06/07 bei einem F-Jugend-Turnier.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der DFB will Kinder in kleinen Gruppen auf mehr Tore spielen lassen. Ziele: Mehr Ballkontakte und mehr Erfolge. Jugendleiter sehen Probleme.

Persönliche Erfolgserlebnisse, der Spaß am Fußball, dazu die Verbesserung der individuellen, spielerischen Fähigkeiten: All das steht im Fokus der Altersklasse U 6 bis U 11 im Kinderfußball. Mit neuen Spielformen will das Konzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) diese Ziele weiter entwickeln. Nach ersten Testläufen geht das Modell für die G-, F- und E-Jugend in der laufenden Saison 2019/20 in die nächste Stufe der Pilotphase. Oberhausener Jugendleiter sehen die Änderungen mit gemischten Gefühlen.

Konkret sehen die Änderungen mit den neuen Spielformen kleinere Mannschaftsgrößen auf kleineren Spielfeldern vor. So wird in der G-Jugend im Zwei gegen Zwei oder Drei gegen Drei auf vier Mini-Tore gespielt. In der F-Jugend wird ebenfalls das Drei gegen Drei empfohlen, ehe in der E-Jugend fest zum Fünf gegen Fünf und Sieben gegen Sieben mit Kleinfeldtoren und Torhütern übergegangen wird.

Um den Leistungsdruck zu minimieren und die sportliche Entwicklung der Kinder stärker in den Vordergrund zu rücken, wird beim neuen Modell in den betreffenden Altersklassen keine Meisterschaftsrunde ausgetragen. Stattdessen sind Turniere mit mehreren Mannschaften und Spielfeldern vorgesehen.

Viele Aktionen am Ball

„Jedes Kind macht mit und hat viele Aktionen am Ball. Die Kinder spielen ein Spiel, dass ihren Fähigkeiten und Interessen gerecht wird. Und: Die Kinder erlernen noch besser grundsätzliche Werte des Fußballs - nämlich Fairplay, Freude am Spiel sowie Umgang mit Siegen und Niederlagen“, fasst Hans-Dieter Drewitz, DFB Vizepräsident Jugend, die Vorteile zusammen.

Norbert Otto, Jugendleiter bei Schwarz-Weiß Alstaden, berichtet, dass in der Kuhle bereits von einigen der Trainern der Vorläufer „Funino“ praktiziert wird. Das Konzept: Vier Mini-Tore, drei gegen drei ohne Torwart, kein Abseits und keine Ecken. Kurzum: Schnelleres Spiel, mehr Ballkontakte und mehr Tore durch die Knirpse. „Die angesprochenen Ziele werden unserer Meinung nach dabei gefördert“, erläutert Otto, schränkt aber ein: „Die neuen Spielformen stellen die Vereine jedoch vor die Problematik, in neue Mini-Tore investieren zu müssen.“ Bei den Trainingszeiten der Jüngsten würden meistens vier Mannschaften üben und dann die benötigten Tore fehlen.

Lieber Fünf gegen Fünf

Udo Hauner, Jugendleiter bei Adler Osterfeld, findet es eher schlecht, dass etwas geändert wird: „Die Kinder wollen meiner Meinung nach nur dem Ball hinterher laufen. Ich finde, es sollte eher beim fünf gegen fünf bei den Bambinis bleiben.“

Die Kinder setzen, wie aus der Fairplay-Liga in den unteren Altersklassen seit Jahren gewohnt, die Spielregeln möglichst selbstständig um, Schiedsrichter sind nicht im Einsatz. Trainer und Betreuer fungieren als Turnierleiter und sollen nur bei Bedarf eingreifen. Zum Konzept gehört auch, dass innerhalb der Mannschaften während der Spiele regelmäßig nach festgelegten Rotationsprinzipien gewechselt wird, sodass jeder Spieler zu ausreichend Einsatzzeiten kommt.

Problemen entgegenwirken

Markus Hirte, Leiter Talentförderung beim DFB, erläutert die neue Ausgestaltung: „So ist der Fußball kindgerechter. Denn: Je größer die Gruppen, desto weniger Ballkontakte haben die einzelnen Spieler. Gerade leistungsschwächere oder auch körperlich unterlegene Kinder gehen dabei zum Teil völlig unter und verlieren dadurch den Spaß und die Chance auf Weiterentwicklung. Die neuen Spielformen sollen diesen Problemen entgegenwirken.“

Udo Hauner will derweil nicht zu pessimistisch bleiben: „Ob die Änderungen etwas bringen, wird man erst in Zukunft sehen. Es kann auch durchaus sein, dass es positiv ist.“ Fest steht für ihn: „Wenn wir es umsetzen müssen, dann tun wir das auch.“

Der Fußballverband Niederrhein (FVN) wird zunächst weitere Demo-Turniere in allen Kreisen veranstalten. Erste Turniere, unter anderem auch in Oberhausen, „verliefen schon sehr vielsprechend“, sagt Michael Kurtz, Vorsitzender des Jugendausschusses des FVN.

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