Fußball

RWO: Mentalitätsmonster lassen nicht locker

Die Entscheidung in der vorletzten Spielminute. Tarik Kurt staubt zum 4:3-Siegtreffer für RWO ab.

Die Entscheidung in der vorletzten Spielminute. Tarik Kurt staubt zum 4:3-Siegtreffer für RWO ab.

Foto: Micha Korb

Oberhausen.   Groß war der Jubel nach dem 4:3-Erfolg von RWO beim 1. FC Kaan-Marienborn. Doch es gab auch weniger Erfreuliches im Leimbachstadion in Siegen.

Auf- und abwärts, Schneeregen und Sonnenschein: So abwechslungsreich die Anfahrt nach Siegen war, so war auch der Spielverlauf für RWO. Der 4:3 (2:2)-Erfolg beim Tabellenvorletzten 1. FC Kaan-Marienborn war das dritte Spiel in Folge mit erhöhter Infarkt-Gefahr für Herzen, die für das Kleeblatt schlagen.

„Unterm Strich zählen gerade in dieser Phase nur die Ergebnisse“, erinnerte Mike Terranova mit einem Tag Abstand zum nervenaufreibenden Auftritt im Siegener Leimbachstadion. Genug vom Fußball für das

Wochenende hatte der RWO-Trainer aber noch lange nicht. Während er der Mannschaft zwei Tage frei gab, machte sich der „Fußballgott“ mit seinem Sohn auf zu einer kleinen Fahrradtour, um seinen Cousin beim Kreisliga-A-Liga-Spiel SV/FCA Rotthausen gegen ETuS Bismarck zu beobachten. „Ich habe da einfach Bock drauf und die Jungs haben sich die zwei freien Tage verdient“, so Terranova. „Unser Spiel und die Bedingungen dort waren nicht nur für den Körper, sondern auch die Köpfe anstrengend. Zudem war es eine lange Fahrt.“

Torverhältnis als Faktor

Spitzenreiter Viktoria Köln unterstrich mit dem 7:0 beim abgeschlagenen Schlusslicht in Herkenrath seine Ambitionen. Mit einem um elf Treffer besseren Torverhältnis beträgt der Vorsprung der Domstädter nun quasi vier Punkte. „Unser Spiel hat gezeigt, wie schwer es noch wird und dass wir gar nicht gucken müssen, was Viktoria macht. Wir müssen zuerst immer wieder unsere Hausaufgaben machen“, so Terranova.

Er hatte drei Veränderungen in der Startelf gegenüber dem Last-Minute-Erfolg gegen Wuppertal vorgenommen. Cihan Özkara im Angriff sowie Tim Hermes und Maik Odenthal auf der linken Seite bekamen den Vorzug vor Mike Jordan, Dario Schumacher und Francis Ubabuike, der gar nicht im Kader war. „Ich musste mich wegen der U23-Regel zwischen ihm und Rinor Rexha entscheiden. Ich habe mich für den Rino entschieden, weil er gut trainiert hat und ich ihn auch bringen wollte. Bei diesem Spielverlauf hatte ich mich dann anders entschieden“, so Terranova.

Zwei Grad und leichter Schneefall im Leimbachstadion

Bei zwei Grad und leichtem Schneefall im Leimbachstadion begann die Partie mit einer Schrecksekunde für die Gäste. Kai Nakowitsch musste nach Fehlpass von Dominik Reinert im eigenen Sechzehner zur Ecke klären (1.). Auf der anderen Seite verfehlte Christian März bei seinem

Versuch aus 17 Metern das Tor nur um Zentimeter (12.). Noch besser zielte Raphael Steinmetz, aus rund 25 Metern nagelte der Angreifer die Kugel zum 1:0 sehenswert unter der Querlatte (18.). Phillip Gödde hätte erhöhen können, verpasste jedoch die Chance zum Heber und scheiterte an Keeper Jonas Brammen (25.). Doch die anschließende Ecke nutzte Özkara aus dem Getümmel heraus zum 2:0.

Dieser Zwischenstand hatte sich nicht unbedingt angedeutet, spielerisch waren die Platzherren in der Anfangsphase mindestens gleichwertig. Eingeladen wurden sie dann von der RWO-Defensive zum Anschlusstreffer, Burak Gencal vollstreckte nach finalem Löhden-Patzer zum 1:2 (32.). Ähnlich schlecht verteidigt war die Ecke, die erneut Gencal zum 2:2-Ausgleich nutzte (37.).

Steinmetz hatte die perfekte Antwort für die Kleeblätter auf dem Fuß, doch sein Heber landete auf dem Kasten (38.). Den Kopfball von Gödde klärten die Hausherren kurz vor der Linie (40.).

Beide Abwehrreihen trugen ihrem Namen kaum Rechnung, ließen den jeweiligen Gegenspielern im Strafraum viel zu viel Platz. Hinzu kamen zahlreiche Fehlpässe, die zusammen mit den völlig unnötigen Gegentoren den Top-Start der Gäste bereits zur Pause vergessen ließen.

Nakowitsch droht Saison-Aus

Verletzungsbedingt blieb Kai Nakowitsch in der Kabine, für seinen Platz in der Innenverteidigung kam Mike Jordan. Nakowitsch droht mit einer Muskelverletzung das Saison-Aus. Youngster Jordan machte seine Sache insgesamt ordentlich.

Trotzdem gab es weiterhin haarsträubende Fehler der Kleeblatt-Defensive, die knapp über dem Gefrierpunkt anscheinend schon auf Sommerreifen unterwegs war. „Die hatten schon die richtigen Stollen, aber der Platz war halt richtig seifig“, so Terranova. Nach einem März-Patzer im Aufbau rettete Daniel Davari noch in höchster Not (51.), doch beim Schuss von Lo Iacono war der RWO-Schlussmann einmal mehr ohne Chance – 3:2 (52.).

Umständlich waren die Angriffsbemühungen der Oberhausener. Quer oder sogar wieder zurück lautete das Motto auch aus aussichtsreichen Positionen im Sechzehner. Dabei demonstrierten die Gastgeber unter Druck häufiger, warum sie trotz all dem Lob für ihren Mut im Spiel nach vorne auf einem Abstiegsplatz rangieren.

Ändern sollte den zögerlichen Abschluss Tarik Kurt, der für Dominik Reinert kam (69.). Und er tat es: Nach drei Flanken und Querpässen vor dem gegnerischen Kasten hielt der Angreifer schließlich den Fuß rein – 3:3 (75.).

Die Oberhausener drängten im Schneeregen mit beeindruckender Moral auf die erneute Wende in der Partie. Der Flugkopfball von Gödde verfehlte nur knapp sein Ziel (79.). Die Zeit lief den Gästen davon, doch sie behielten die Nerven. Den Schuss von Löhden ließ Brammen nach vorne abprallen, erneut Kurt staubte zum 4:3-Siegtreffer ab (88.).

„Wer so ein Spiel noch gewinnt, der steigt auch auf“, hieß es anschließend nicht selten unter den RWO-Anhängern. Von den knapp 700 frierenden Besuchern in Siegen hielt es deutlich über der Hälfte mit den Gästen. In einer Sache waren sich aber auch alle einig: Zur schnellen Genesung von Präsident Hajo Sommers nach dessen leichtem Schlaganfall tragen solche Spielverläufe nicht bei.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben