Pass in die Gasse #218

Als noch Tore fielen – oder angesägt wurden

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Foto: Sascha Kertzscher

Am 1. April 1998 fällt in Madrid ein Tor, das auch der Videobeweis nicht hätte verhindern können. Im Amateurbereich sind ähnliche Fälle bekannt.

Es ist der 1. April 1998, als um 20.43 Uhr in Madrid ein Tor fällt. Doch es ist kein erzieltes, sondern ein erlegtes. Fans der „Königlichen“ hatten einen Schutzzaun bestiegen, an dem eines der beiden Tornetze befestigt war. Zwei Minuten vor Anpfiff der Partie Real gegen BVB knickt der Zaun mitsamt Torpfosten ein.

Was in den folgenden 70 Minuten passiert, ging in die Geschichte des deutschen Sportfernsehens ein. Auf RTL kommentieren Marcel Reif und Günther Jauch die haarsträubenden Bemühungen des Wiederaufbaus wie ein klassisches Drama. Helden in Warnwesten verzweifeln mit Hämmern, Keilen und Holzbalken, während Selbstdarsteller an den eigenen Funkgeräten zerbrechen. Über zwölf Millionen Zuschauer sind Zeugen, als Marcel Reif die berühmten Worte sagt: „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gutgetan.“

Plötzlich kaputte Tore sorgen auch bei Amateurclubs für legendäre Lacher. Als ich einmal bei meinem Ex-Club Borussia Brand (Aachen) zu einem enorm wichtigen Meisterschaftsspiel erschien, saßen wegen einer Grippewelle nur sieben Mitspieler in der Kabine. „Keine Bange, Männer, es ist alles geregelt“, beruhigte unser Trainer. Das Spiel gegen den Spitzenreiter fand nicht statt – über Nacht waren zwei Torpfosten angesägt worden. Die Schuldigen wurden nie gefasst!

Es fällt schwer, in dieser so traurigen Zeit über solche herrlichen Possen zu lachen. Trotzdem darf sich daran hochgezogen werden, dass es irgendwann wieder gefallene (oder angesägte) Tore braucht, um Spiele ausfallen zu lassen.

In der Kolumne „Pass in die Gasse“ befasst sich der freie Journalist Heiko Rothenpieler mit aktuellen Entwicklungen in der Welt des „großen“ und „kleinen“ Fußballs.

wenn ein 4-7 vor rückrundenstart nichts zu bedeuten hat

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