Konflikt DHB/Kreis Lenne-Sieg

Basis setzt sich zur Wehr

Die deutsche Frauenhandball-Nationalmannschaft scheidet bei der Weltmeisterschaft im Dezember 2017 im eigenen Land im Achtelfinale gegen Dänemark aus. Hier eine Szene zwischen Anna Lörper (rechts) und Sarah Iversen.

Die deutsche Frauenhandball-Nationalmannschaft scheidet bei der Weltmeisterschaft im Dezember 2017 im eigenen Land im Achtelfinale gegen Dänemark aus. Hier eine Szene zwischen Anna Lörper (rechts) und Sarah Iversen.

Foto: Sascha Fromm

Siegen-Wittgenstein.   Handballkreis Lenne-Sieg und Verband Westfalen sollen wegen „unerlaubter Spiele auf lokaler Ebene“ während der Frauen-WM 5000 Euro bezahlen.

Helle Aufregung im Handballverband Westfalen (HVW) und dem Kreis Lenne-Sieg: Weil im Dezember 2017 während der Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland in einigen Kreisen in den untersten lokalen Frauen-Ligen vereinzelt Spiele parallel zu den WM-Spielen der deutschen Mannschaft ausgetragen wurden, darunter zwei im Kreis Lenne-Sieg, will der Deutsche Handballbund (DHB) den HVW mit einer Geldstrafe von 5000 Euro belegen. Doch der HVW wehrt sich. „Wir haben gegen den Strafbefehl des DHB-Präsidiums Einspruch beim Bundessportgericht eingelegt“, so Präsident Wilhelm Barnhusen.

Sportgericht muss entscheiden

Kein Wunder, denn die Empörung ist nicht nur beim HVW, sondern auch an der Basis, also in den Kreisen, groß: Während die Bundesligen während der deutschen WM-Partien spielen durften, hatte der DHB Spielverbote für die Landesverbände beschlossen, um Zuschauer zu den WM-Spielorten zu locken. Dass dies bei den ehrenamtlich organisierten Spielen aufgrund der vorgegebenen Hallensituation und der Spieltagsdichte nicht immer möglich war und nun auf diese Art bestraft werden soll, löst bei ehrenamtlich tätigen Funktionären, Spielern und Trainern auf allen Ebenen nur Kopfschütteln aus. „Der Bescheid des DHB klingt so, als ob Sie ein Strafmandat für ein falsch geparktes Auto eines Nachbarn bekommen, der in ihrem Haus wohnt“, echauffiert sich Wilhelm Barnhusen, der für seinen Verband versichert: „Wir haben das Spielverbot strikt beachtet. In den von uns verantworteten Ligen von der Landes- bis zur Oberliga hat kein Spiel stattgefunden.“ Die vom DHB monierten Partien fanden auf Ebene der Handballkreise statt, die einen eigenständigen Spielbetrieb organisieren.

Vor der jetzigen sportrechtlichen Auseinandersetzung habe durchaus der Versuch der Westfalen bestanden, die Sache „in Guten“ zu erledigen. „Wir haben mit allen Handballkreisen gesprochen. Von dort wurde uns glaubhaft versichert, dass trotz der bekannten Ansetzungsproblemen auf den untersten Spielebenen, also überwiegend im Jugendbereich, künftige Spielverbote beachtet würden. Und genau dies haben wir dem DHB auch mitgeteilt“, so der HVW-Präsident. Beim DHB wollte man von dieser sportlichen Zusage offenbar nichts wissen und holte gleich die Geldstrafenkeule raus mit der Folge, dass der Zwist jetzt vor dem Sportgericht entschieden wird.

Klaus Krass (Würdinghausen), erster Vorsitzender des Kreises Lenne-Sieg, und sein Stellvertreter Cornelius Vowinckel (Netphen): „Dass wir auf Kreisebene während der WM die Durchführung von zwei terminlich verlegten Spielen zugelassen haben, war keine Böswilligkeit, sondern den Umständen geschuldet, mit denen wir im Breitensport leben müssen. Ursprünglich war selbstverständlich das Spielverbot beachtet worden. Die Spiele fanden aus Terminnot statt, um Wertungen zu vermeiden.“

Klaus Krass droht mit Rücktritt

Die spielleitenden Stellen im Kreis Lenne-Sieg hätten die Partien zum einen genehmigt, weil die betroffenen Heimvereine nachgewiesen hatten, dass aufgrund von Hallensperrungen Ausweichtermine nicht gefunden werden konnten, zum anderen, weil die deutschen WM-Spiele weit entfernt vom Gebiet des Kreises Lenne-Sieg in Leipzig (Vorrunde) und Magdeburg (Achtelfinale) stattfanden.

„Unser gemeinsames Ziel muss es doch sein, dass Handball gespielt wird. Das ist dem DHB auch so erklärt worden. Wie sollen wir den Breitensportlern vermitteln, dass die Profis während der WM spielen dürfen, sie aber nicht? Aus unserer Sicht hat der DHB hier den Kontakt zu seiner Basis und sein Verständnis für Bedeutung und Schwierigkeiten des Breitensports verloren“, üben Klaus Krass und Cornelius Vowinckel scharfe Kritik. Für Krass ist klar: „Wird die Sache nicht in unserem Sinne entschieden, ist für mich Schluss. Dann trete ich sofort zurück.“

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