Fußball-Regionalliga

Christian Bölker rettet Kaan-Marienborn einen Punkt

Mats-Lukas Scheld im Laufduell mit dem Wiedenbrücker David Hüsing.

Mats-Lukas Scheld im Laufduell mit dem Wiedenbrücker David Hüsing.

Wiedenbrück.   Siegerländer führen in Wiedenbrück mit 2:0. Am Ende einer heißen Schlussphase steht es aber 2:2

Am Ende dieser 94 Minuten im Wiedenbrücker Jahnstadion lagen alle 22 Spieler auf dem Rasen, völlig entkräftet, aber auch enttäuscht über ein Ergebnis, das nämlich beiden Mannschaften auf dem Weg zum Klassenerhalt kaum hilft. Eher konnte mit diesem 2:2 noch Gastgeber SC Wiedenbrück zufrieden sein, während sich dieses Remis für den 1. FC Kaan-Marienborn wie eine Niederlage angefühlt haben musste, denn die Siegerländer gaben – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – eine 2:0-Führung aus der Hand.

Andererseits: Hätte Schiedsrichter Niklas Dardenne mehr als drei Minuten nachgespielt, die Käner hätten sogar wohl noch verloren, so massiv standen sie in der dramatischen Endphase unter Druck. So sah es auch Trainer Thorsten Nehrbauer: „Am Ende haben wir Glück gehabt, denn meine Jungs waren nach dem 1:2-Anschlusstor total verunsichert, waren mit diesem kleinen Kader auch die letzten Körner weg.“

Es entwickelte sich von Beginn die erwartete Partie mit Haken und Ösen, gespickt mit vielen hart geführten Zweikämpfen, Fouls und versteckten Unsauberkeiten. Es stand halt für beide Teams mächtig was auf dem Spiel. Hätte Arthur Tomas nach Wallenborn-Flanke beinahe ein frühes Eigentor fabriziert (6.), schlug sich Fortuna auf die Käner Seite: Den von Leon Binder weit nach vorne geschlagenen Ball wollte der aus seinem Tor geeilte Marcel Hölscher am Strafraumeck klären, doch schoss er den störenden Elsamed Ramaj an, von dessen Bein das Spielgerät ins Tor flog – was für ein kurioses Ding zum 1:0 für den 1. FC Kaan-Marienborn (19.).

Hatte Kaan-Marienborn bis dahin vieles unter Kontrolle, ging jenseits der 30. Minute die Post ab, erhöhte Wiedenbrück, im Hinspiel noch mit 1:5 unter die Räder gekommen, den Druck. Allerdings konnten die Ostwestfalen ihrerseits von Glück sprechen, dass Niklas Dardenne Gnade vor Recht ergehen ließ, als er für das brutale Einsteigen von Mike Andreas in die Beine von Burak Gencal in Höhe der Mittellinie nur „Gelb“ zückte (27.). „Das war für mich klar Rot“, erregte sich Thorsten Nehrbauer später.

Wie dem auch sei: Immer mehr rückte Torwart Christian Bölker in den Mittelpunkt. Der Heggener sollte im Verlauf zum Turm in der sich anbahnenden Abwehrschlacht avancieren. Die Versuche des Ex-Erndtebrückers Daniel Schaal (34., in Bölkers Arme) und von Patrick Schikowski (35., drüber) mussten als erste Warnschüsse gelten, aber es wurde noch brenzliger für Kaan-Marienborn.

Mit perfektem Stellungsspiel lenkte Bölker einen von Arthur Tomas für Oliver Zech aufgelegten Schuss aus zentraler Position in überragender Manier zur Ecke (40.), um drei Minuten später den Kopfball von Robin Twydry aus vier (!) Metern mit einer Blitzreaktion zu klären (43.). Die Käner Führung wackelte in dieser Phase gewaltig und war zur Pause schmeichelhaft, auch wenn Thorsten Nehrbauer dies anders beurteilte: „Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt und verdient geführt.“

Die gute Laune des Windeckers und der spärlich vertretenen Kaan-Fans sollte sich sogar noch steigern. Mit einem Angriff wie auf dem Reißbrett erhöhten die Siegerländer in der 55. Minute: Elsamed Ramaj leitete den Ball per Hacke auf Daniel Waldrich weiter, der schickte den davongeeilten Ramaj über die rechte Seite auf die Reise, der Stürmer suchte nicht den direkten Abschluss ins kurze Eck, sondern passte in den Rücken der SCW-Abwehr maßgenau auf Tiziano Lo Iacono, der diesen perfekten Spielzug „nur“ noch veredeln musste.

Kaan-Marienborn oben auf, Wiedenbrück am Boden – ja, aber nur für wenige Minuten. Mit dem 22 m-Verzweiflungsschuss des ehemaligen Sportfreunde-Spielers Yannick Geisler zum schnellen 1:2 (62.) und der verschenkten Käner Konterchance zum 3:1, weil Lo Iaconos Zuspiel auf den freien Ramaj zu hoch angesetzt war (74.), schaukelte sich das Spiel zu einem Samstagnachmittag-Krimi auf. Hauptdarsteller: Christian Bölker! Er fing den Kopfball von Patrick Schikowski ab (82.), lenkte einen Geisler-Fernschuss mit den Fingerspitzen an den Pfosten (83.) und parierte in der Nachspielzeit erneut gegen Schikowski, diesmal per Fuß.

Machtlos war Bölker aber beim zwischenzeitlichen 2:2 durch den eingewechselten Abwehrspieler Marcel Leememan, der aus dem Gewühl erfolgreich war (86.). Das Zuspiel von Robin Twydry war nicht verhindert worden. Das ärgerte Thorsten Nehrbauer massiv: „Es ist für mich unerklärlich, warum wir da trotz fester Zuteilung so weit weg stehen.“ Indes: Dieser Ausgleich, wenn auch spät erzielt, war für Wiedenbrück der verdiente Lohn eines aufopferungsvollen Offensivkampfes, in dem sie gegen am Ende auf dem Zahnfleisch gehende Kaan-Marienborner alles nach vorne geschmissen hatten.

Wiedenbrück: Hölscher - Wallenborn, Duschke, Twydry, Latkowski - Andreas (55. Leeneman), Zech, Geisler - Hüsing (67. Demming), Schikowski, Schaal.

Kaan-Marienborn: Bölker - Yigit, Gänge, Tomas, Scheld - Waldrich, Binder, Kurt (74. Brato), Gencal (63. Muhovic) - Lo Iacono (87. Schilamow), Ramaj.

Tore: 0:1 Ramaj (19.), 0:2 Lo Iacono (55.), 1:2 Geisler (62.), 2:2 Leeneman (86.).

Schiedsrichter: Niklas Dardenne (Mechernich).

Zuschauer: 622.

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