Pass in die Gasse #233

Dädalus und Ikarus und der Himmel über Schameder

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Foto: Sascha Kertzscher

Das Frauenteam des SV Schameder verzichtet auf den Aufstieg in die Landesliga. Warum das die richtige Entscheidung ist, erklärt unser Kolumnist.

Wer nicht hören will, muss fühlen. Das ist in etwa die Kurzform der berühmten Geschichte von Dädalus und Ikarus. Kaum eine Erzählung der griechischen Mythologie ist als Metapher bis heute so universell anwendbar.

Hochmut kommt vor dem Fall

Dädalus baut sich und seinem Sohn Ikarus Flügel aus Wachs und Federn, um aus dem Labyrinth einer Insel zu fliehen. Er warnt seinen Filius davor, nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief zu fliegen. Andernfalls würde die Sonnenwärme das Wachs schmelzen oder die Feuchtigkeit des Ozeans die Federn schwer werden lassen. Doch Ikarus hört nicht auf seinen Vater und fliegt der Sonne, dem Himmel und damit den Göttern entgegen und stürzt in die Tiefe. Dass Hochmut vor dem Fall kommt, ist also nicht nur ein biblisches Zitat.

Gerade im Sport ist man dieser Gratwanderung tagtäglich ausgesetzt. Schätze ich mein Können richtig ein? Wieviel Respekt habe ich vor Konsequenzen? Was bedeutet mir der sportliche Aufstieg?

Das Frauenteam des SV Schameder hat diese Fragen sachlich geklärt. Aufgrund diverser Aufstiegsregelungen stand den Spielerinnen das Himmelstor zur Landesliga weit offen. Doch weil drei Leistungsträgerinnen, darunter Torjägerin Emilie Schwarz, die Mannschaft verlassen werden und der Nachschub aus der Jugend bei Spielen in Dortmund oder Gelsenkirchen vor hohen Niederlagen geschützt werden soll, entschied man sich im Kollektiv und nach demokratischer Abstimmung gegen einen Flug nach oben. Eine richtige Entscheidung, die Flügel nicht stutzt, sondern Flugtauglichkeit sichert.

In der Kolumne „Pass in die Gasse“ befasst sich der freie Journalist Heiko Rothenpieler mit aktuellen Entwicklungen in der Welt des „großen“ und „kleinen“ Fußballs.

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