Pass in die Gasse #263

Den Unterschied zwischen Mitgliedern und Kunden vergessen

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Foto: Sascha Kertzscher / WP

Der FLVW bittet seine Vereine wie alljährlich zur Kasse. Kein Wort zur Pandemie, von Entgegenkommen keine Spur. Besonders der Tonfall ist daneben.

Von Lemgo bis Herne, von Münsterland bis Wittgenstein: Die aktuelle Kritik der Vereine an der zu zahlenden Verbandsabgabe ist flächendeckend. Jüngst bat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) seine Mitglieder wie alljährlich zur Kasse. Das ist rechtens. Die Höhe des Beitrages richtet sich nach der Spielklasse der ersten Mannschaft. Zum Beispiel muss ein B-Kreisligist 360 Euro zahlen, ein Landesligist 1330 Euro.

Das Problem dabei ist selbsterklärend, dass seit Monaten der Ball ruht. Viele Amateurclubs leben von Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Essen und Trinken an Spieltagen. Trotzdem lag die Rechnung des FLVW kommentarlos im Briefkasten. Ohne Vergütung, ohne Hinweis oder Erläuterung bezüglich Pandemie-Lage, zahlbar binnen 14 Tagen.

Gundolf Walaschewski verweist auf laufende Kosten

Die Info von FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski, dass die Beiträge auch in Raten gezahlt werden können, stand nicht im Schreiben und kam erst nach breiter Kritik. Schon in diesem Tonfall steckt für viele Vereinsverantwortliche das Problem – er sorgt für reichlich Kopfschütteln. Vielen geht es im Kern nicht nur um den Betrag, sondern vor allem um die Art der Einforderung. „Wie unsere Vereine haben auch wir laufende Kosten, die wir decken müssen“, watscht Walaschewski die Kritik im Stile eines Mobilfunkanbieters ab.

Verständnis klingt anders, von Hilfe oder Nachsicht keine Spur. Wer das Kommunikation nennt, hat den Unterschied zwischen Mitgliedschaft und Kundschaft verlernt. Die erste Mahnung sollte sich der FLVW daher in den eigenen Briefkasten legen – und dies hat er in Form eines offenen Briefes inzwischen auch getan. An den Beiträgen ohne „Corona-Rabatt“ ändert sich aber nichts.

In der Kolumne „Pass in die Gasse“ befasst sich der freie Journalist Heiko Rothenpieler mit aktuellen Entwicklungen in der Welt des „großen“ und „kleinen“ Fußballs.

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