Der höhere Anspruch setzt sich diesmal durch

Erndtebrück/Bad Berleburg.   Beim 4:1 über den VfL Bad Berleburg am Ostermontag lief gewiss nicht alles rund bei Fußball-Landesligist TuS Erndtebrück II. Doch das Ergebnis stimmte ja – und dies, obwohl sich die personelle Situation erneut nicht optimal gestaltete und Neues gewagt werden musste.

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Beim 4:1 über den VfL Bad Berleburg am Ostermontag lief gewiss nicht alles rund bei Fußball-Landesligist TuS Erndtebrück II. Doch das Ergebnis stimmte ja – und dies, obwohl sich die personelle Situation erneut nicht optimal gestaltete und Neues gewagt werden musste.

Einige Zuschauer rieben sich in den Anfangsminuten verwundert die Augen, denn im zentralen Mittelfeld bot TuS-Trainer Ivan Markow mit Murat Yazar einen Neuling aus der A-Jugend auf. Abwehr-Turm Till Hilchenbach fand sich plötzlich in der Rolle des Läufers auf der Außenbahn wieder, wo er für mehr Durchschlagskraft sorgen sollte – was teilweise klappte. Im Sturm lauerte erstmals Hedon Selishta aus dem Regionalliga-Team, der blass blieb und sich nicht wirklich mit Nachdruck für höhere Einsätze empfahl.

Dass Markow später „teils wenig Präzision und Spielwitz“ beklagte, überrascht deshalb nicht. Allerdings sah der 32-Jährige auch viele positive Aspekte, allen voran die Debüts der zwei A-Jugendlichen. Neben Yazar kam später ja auch Omar Lugavic, der sich im Mittelfeld gut einfügte und in einer hektischen Phase, in der Bad Berleburg auf das 2:2 drängte, mit sicheren Aktionen für Stabilität sorgte.

Yazar, der in der A-Jugend als „Sechser“ sogar bester Torschütze seines Teams ist, belegte gar über 90 Minuten, dass er in der Landesliga bereits mitspielen kann, ohne abzufallen. Der Erndtebrücker blieb zwar nicht fehlerfrei, zeigte aber Übersicht, Tempo und eine saubere Technik – er könnte bereits in der kommenden Saison eine feste Größe im Team werden und hat ebenso wie Lugovic bereits einen Vertrag für die „Zweite“.

„Beide haben es gut gemacht“, sagte Markow, der beide erneut einsetzen will – soweit möglich. „Die A-Jugend hat Priorität“, sagt der Netphener mit Verweis darauf, dass es dort aktuell um den Aufstieg in die Landesliga geht.

Ähnliche Joker können sie beim VfL Bad Berleburg nicht im Traum aus dem Ärmel ziehen – nach vielen Jahren auf Bezirksebene sind die Junioren aktuell Vorletzter der A-Liga. Die größten Wittgensteiner Talente kicken beim TuS, der – auch dank seiner finanziellen Basis – inzwischen ganz andere Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Private Verpflichtungen

Beim VfL gab es nach der Derby-Pleite lange Gesichter. Dass dem Gegner der Ball mehrfach unbedrängt in den Fuß gespielt wurde, dass nur selten Automatismen erkennbar wurden, warf Fragen auf. Das Trainergespann führte an, dass teils schlichtweg die Übung fehle. „Du brauchst einfach dreimal wöchentlich das Training, um auf diesem Level die nötige Routine und Sicherheit zu gewinnen“, sagte Co-Trainer Marcus Goßler: „Das klappt aber wegen anderer privater Verpflichtungen oft nicht.“

Als negative Wertung will Goßler, der selbst nur unregelmäßig kommen kann, dies nicht verstanden wissen. Einige Spieler wohnen weit entfernt, andere haben Schichtdienst oder führen selbstständig Betriebe. „Vor allem der Dienstag ist deshalb für uns problematisch.“

Fehlzeiten unerwünscht

Andererseits: Mit einem guten Dutzend Spieler bei den Übungseinheiten ist am Stöppel auch nicht massiv weniger los als bei durchschnittlichen Landesligisten – und von Zuständen wie vor zwei Jahren, als es oft nicht einmal „zweistellig“ war, ist man aktuell auch entfernt.

Dennoch: Beim TuS sind die drei Trainingseinheiten wöchentlich zwar keine Pflicht, doch Fehlzeiten sind unerwünscht – weshalb für Spieler, bei denen regelmäßige Ausfälle absehbar sind, erst gar nicht für einen Kaderplatz in Frage kommen.

„Das ist der Anspruch an das Projekt, weil eine Weiterentwicklung ja nur so funktionieren kann. Fußball hat bei uns Spielern nicht höchste Priorität, aber es wird erwartet, dass man es möglich macht und organisiert, regelmäßig zu kommen“, sagt Kapitän Till Hilchenbach.

Andere Toleranzschwelle

Beim VfL ist die „Toleranzschwelle“, wie Goßler es formuliert, anders gesetzt. Dies trägt der Sportliche Leiter Holger Lerch mit: „Wir können keinem verwehren, mal in den Urlaub zu fahren, wir sind ein Amateurverein.“ Sich von Spielern zu trennen sei schwieriger, da die „Marktsituation“ in vielerlei Hinsicht schwieriger und die Auswahl durch die größere Distanz zum Siegerland kleiner sei. „Mit den Erndtebrückern können wir uns nicht messen“, sagt Lerch.

Er sieht das Training weniger kritisch als Goßler, zumal die zuletzt unsicher agierenden Spieler regelmäßig am Stöppel seien. „Wir hatten zuletzt kaum Chancen, müssen wieder mutiger nach vorne spielen. Aber aktuell können wir unsere Qualität nicht abrufen.“

Die Hoffnung, dass mit einem regelmäßigeren Spielrhythmus als zuletzt sowie leichteren Gegnern in der zweiten Rückrundenhälfte Besserung eintritt, ist vorhanden. Goßler ist sich sicher: „Wir können es eigentlich besser, sonst würden wir nicht da stehen, wo wir sind.“

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