Dreischanzentournee

Emily Schneider: Drei Schanzen und viele neue Erfahrungen

Emily Schneider (r.) vor ihrem Sprung auf der Ochsenkopfschanze.

Emily Schneider (r.) vor ihrem Sprung auf der Ochsenkopfschanze.

Foto: Jan Simon Schäfer

Bischofsgrün.   Die Nordische Kombiniererin Emily Schneider bringt gute Resultate aus dem Erzgebirge mit. Kopfzerbrechen bereitet ihr nur die Ochsenkopfschanze.

Drei Orte binnen acht Tagen, drei verschiedene Hotels – im Grunde nichts Ungewöhnliches in den Sommerferien. Für die Nordische Kombiniererin Emily Schneider vom SC Rückershausen kamen jedoch noch sechs Wettkampftage bei der Dreischanzentournee hinzu, die im Rahmen des Alpencups der Juniorinnen an den Standorten Klingenthal, Pöhla und Bischofsgrün ausgerichtet wurden.

„Danach war ich fertig. Als ich zuhause war, wollte ich nur noch ins Bett“, gibt die 15-Jährige zu. Kein Wunder – zur reinen sportlichen Leistung kommt ja noch das Drumherum. Transfer zwischen den Orten, Aus- und Einchecken, Materialpflege, Teambesprechungen, Schanzen- und Sprunganalyse, Siegerehrungen. Und so weiter und so fort.

Platz 9 in der Alpencup-Wertung

„Heute geht es wieder, gleich habe ich Training“, erzählt Emily Schneider gestern nach einem Ruhetag. Auf Platz 24 von 57 hat sie es in der Tournee-Wertung im Spezialsprung gebracht – im Vorjahr war es noch Rang 34. In der Nordischen Kombination gab es bei den zwei ausgetragenen Wettkämpfen zwar keine Tournee-Wertung, aber Punkte für den Alpencup – im Wettbewerb von sieben Nationen geht die Rückershausenerin somit auf Platz 9 in die Herbstpause.

Als 2003er Jahrgang zählt die Wittgensteinerin innerhalb der fünf Juniorinnen-Jahrgänge zum zweitjüngsten. „Das war eine gute Woche, damit war ich zufrieden“, reflektiert Schneider, für die der Auftakt in Klingenthal am besten lief: „Platz 14 im Sprung und Platz 4 in der Kombination waren super für mich.“

Vergleichsweise durchwachsen waren die Resultate zum Abschluss, für den der Tross von Pöhla im Erzgebirge nach Bischofsgrün ins Fichtelgebirge gewechselt war. Auf der Ochsenkopfschanze ging im Sprungwettkampf ausgerechnet der Durchgang in die Hose, der als Sprunglauf für die Nordische Kombination gewertet wurde.

Auf der K64-Schanze landete Schneider bei 47,5 Metern schon weit vor der dem Konstruktionspunkt auf der Matte, was ihr 2:36 Minuten Rückstand vor dem Kombinationslauf auf Skirollern einbrachten – bei einer Distanz von 3,0 Kilometern war ein Top-Ergebnis somit schon außer Reichweite, bevor der Startschuss fiel.

Die Ausdauer stimmt bei Emily Schneider

Dennoch hielt Bischofsgrün zwei wichtige Erkenntnisse bereit. Erstens: Die Ausdauer-Form stimmt. Auf Skirollern machte Emily Schneider immerhin noch drei Plätze gut. Die wichtigere Zahl: Sie lief die fünftbeste Zeit im Feld. Vielleicht auch, weil es nichts mehr zu taktieren, sondern nur Vollgas gab: „Ich habe nur gedacht, ich versuche alles, was noch geht.“

Erkenntnis Nummer zwei: Fehler lassen sich auch kurzfristig korrigieren. Die Videoanalyse mit Trainer Jens Gneckow deckte ein Technikproblem auf, das viel darüber verrät, was Kleinigkeiten im Skispringen ausmachen können.

Daraus, dass der Kopf bei der Anfahrt etwas zu tief im Nacken hing, resultierte beinahe zwangsläufig eine ganze Fehlerkette: Auch das Gesäß und damit der Schwerpunkt gerieten zu weit nach hinten. Aus der ungünstigen Absprunghaltung resultierte, dass die Ski zu schnell unter Druck gerieten. Schneider: „Dadurch fallen sie runter und der Auftrieb ist futsch.“ Konsequenz: Geringere Weite und empfindliche Abzüge bei den Haltungsnoten.

Glücklich war Schneider, dass sie den Fehler vor dem letzten Sprung in Bischofsgrün abgestellt bekam. Dass dennoch nicht mehr als Platz 39 heraussprang, war auch Pech: Einerseits stand für die Wittgensteinerin der Wind ungünstig, andererseits hatten die Veranstalter in ihrem Startblock vergessen, die Bewässerung der Edelstahl-Spur zu aktivieren – was sich in einer verringerten Anfahrtgeschwindigkeit zum Schanzentisch niederschlug.

Enorm hohe Leistungsdichte

Verschmerzbar war dies zwar, aber auch ärgerlich, denn die Leistungsdichte war hoch. Vor allem der zweite Tournee-Ort mit der kleinen K60-Schanze in Pöhla habe dies gezeigt. „Mit nur drei Metern mehr wäre ich da vielleicht schon unter den ersten Zehn gewesen statt nur auf Platz 20.“

Überhaupt hat es Schneider die Pöhlbachschanze angetan: „Da lief es gut und die Atmosphäre mit den vielen begeisterten Zuschauern ist einfach cool.“

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