Christian Bölker

Erfolgreicher Start bei Gehörlosen-EM

Christian Bölkervor der Kulisse des Ägäischen Meeres

Christian Bölkervor der Kulisse des Ägäischen Meeres

Foto: Privat

Heraklion/Kaan-Marienborn.   Der gehörgeschädigte Torwart des 1. FC Kaan-Marienborn will mit Deutschland eine EM-Medaille. Der Auftakt ist geglückt.

Für Nationaltorwart Christian Bölker vom Fußball-Oberligisten 1. FC Kaan-Marienborn läuft die ganz heiße Phase bei der Europameisterschaft der Gehörlosen-Fußballer in Heraklion – und das im doppelten Wortsinn. Zum einen stand am Dienstag das erste Vorrundenspiel gegen Russland an. Deutschland gewann gegen den Vize-Europameister mit Bölker zwischen den Pfosten mit 3:2 (3:0). Heiß aber auch deshalb, weil Temperaturen und Luftfeuchtigkeit auf Kreta hoch sind.

Wechsel in andere Fußballwelt

Durch diesen Auftaktsieg hat sich die Stimmung innerhalb der Mannschaft noch mal verbessert. Christian Bölker, der auch für den Gehörlosen-Turn- und Sportverein (GTSV) Essen spielt, schließt sich trotzdem der Meinung von Bundestrainer Frank Zürn an, wonach für Deutschland ein Platz zwischen eins und fünf machbar sei bei der Europameisterschaft. „Das sehe ich genau so., Wir gehören zu den Top Fünf in Europa,“ legt sich der Heggener fest. Nach dem Spiel gegen Russland folgen in der Vierergruppe als nächste Gegner heute Polen und am Samstag Kroatien. Bei der Europameisterschaft vor vier Jahren wurde die Mannschaft Fünfte, beim Turnier 2011 landete sie auf Platz drei.

Selbstbewusst wie das Turnier insgesamt geht Christian Bölker auch den Wettbewerb um den Platz im Tor an. „Fast alle haben Konkurrenz, und das ist auch gut für uns, damit wir besser werden“, sagt der 31-Jährige, „ich habe die Nase vorn, weil ich die Nummer eins bin.“ Und sehr erfahren, was ja bei einem Torwart sicherlich kein Nachteil ist. Einschließlich der EM-Auftaktpartie hat Bölker, der sich beim 1. FC Kaan-Marienborn in der vergangenen Saison in der Regionalliga West den Stammplatz von Florian Hammel erkämpfte und bei den Känern zur klaren Nummer eins avancierte, 37 Länderspiele bestritten.

Sehr schnell musste Christian Bölker gedanklich umschalten. Bis vor ein paar Tagen stand er noch im Regionalliga-Stress mit Kaan-Marienborn, dann tauchte er ein in eine völlig andere Fußballwelt. Wie ist die Umstellung gelungen? „Natürlich ist in der Regionalliga ein viel höheres Niveau als bei den Gehörlosen“, antwortete Christian Bölker. Dennoch muss er sich in einem Punkt sehr umstellen: „Hier geht nur Augenkontakt und Gebärdensprache, rufen ist ja nicht, weil auch die anderen nicht hören können.“

Dass ihn das Fachmagazin „kicker“ in die „Regionalliga-Mannschaft der Saison“ berufen hat, ist zusätzlicher Ansporn. Und der Bemerkung „alles richtig gemacht“ widerspricht er nicht.

Aber – ganz Christian Bölker – denkt er nicht an seine persönlichen Belange und den eigenen Erfolg, sondern an seine Mannschaft: „Mir wäre der Klassenerhalt lieber gewesen als in der Regionalliga-Mannschaft des Jahres zu stehen...“

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