Erinnerungen schweben durch den Raum

Dreis-Tiefenbach.   Das Rad der Zeit wurde um 50 Jahre zurückgedreht. Die Erinnerungen flossen nur so aus den Turnern heraus und manche Story sorgte für Heiterkeit und Stimmung. 2018 steigt die 50. Bundesliga-Saison im Kunstturnen – und das Siegerland war und ist immer mittendrin, statt nur dabei. 1969 bei der Bundesliga-Premiere mit der Riege des TV Eichen - 2018 mit dem Team der Siegerländer KV. „Darauf sind wir stolz“, betont Reimund Spies bei der Präsentation der Zeitgeschichte im Landesleistungszentrum in Dreis-Tiefenbach.

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Das Rad der Zeit wurde um 50 Jahre zurückgedreht. Die Erinnerungen flossen nur so aus den Turnern heraus und manche Story sorgte für Heiterkeit und Stimmung. 2018 steigt die 50. Bundesliga-Saison im Kunstturnen – und das Siegerland war und ist immer mittendrin, statt nur dabei. 1969 bei der Bundesliga-Premiere mit der Riege des TV Eichen - 2018 mit dem Team der Siegerländer KV. „Darauf sind wir stolz“, betont Reimund Spies bei der Präsentation der Zeitgeschichte im Landesleistungszentrum in Dreis-Tiefenbach.

Dorthin hatte der SKV-Vorstand die Ehemaligen eingeladen. Es wurde ein kurzweiliger Nachmittag. Bilder - an der Leinwand, noch mehr aber im Kopf - lebten auf, Bilder aus der Zeit der größten Triumphe. 1968 wurde die Kunstturn-Bundesliga im Deutschen Turner-Bund (DTB) aus der Taufe gehoben und sofort wurde im „Turner-Dorf“ Eichen über eine Teilnahme diskutiert – mit positivem Resultat. Man wollte sich für die erste Saison, ab Februar 1969, qualifizieren.

Zunächst wurde der Sieg bei den westfälischen Mannschafts-Meisterschaften errungen. Mit einem Sieg von fünf jungen Turnern, die sich aus den vier Vereinen TV Eichen, TVE Dreis-Tiefenbach, TG Friesen Klafeld-Geisweid und TV Neunkirchen zu einer starken Riege gefunden hatten: Der Kreuztaler Jürgen Althaus, der Littfelder Ernst Nothacker, der gebürtige Saarländer Horst Diehl, der Deutsche Juniorenmeister und Nationalturner aus Klafeld, Lothar Simon, sowie der Salchendorfer Mehrkämpfer Jürgen Uhr. Als Ersatzturner standen der Fellinghausener Hans-Martin Münker, Friedrich und Alfred Ritz sowie Willi Nothacker (alle TV Eichen) bereit.

Mit dieser Riege wurde die entscheidende Hürde genommen: Am 1. Dezember 1968 in Göppingen im Feld der 20 Vereinsmannschaften gehörten die Siegerländer als Zehnter zu den zwölf Besten, die zur Premieren-Saison zugelassen wurden.

Jetzt konnte das große Abenteuer beginnen. Der erste Liga-Wettkampf war am 22. Februar 1969 in der Turnhalle in Eichen vor 700 (!) Zuschauern. Zu Gast das damals beste deutsche Team, das der Uni Köln unter dem Olympiasieger von Melbourne 1956, Helmut Bantz.

1973 SKV-Geburtsstunde

Auch nach dem Abstieg aus der Elite-Liga loderte das „Turnerfeuer“ im Siegerland weiter. In den folgenden Jahren wurde erfolgreich in der Regionalliga geturnt, ehe 1973, nach einer Idee und der Initiative des Dreis-Tiefenbacher Schulrektors Helmut Schweisfurth, die Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV) gegründet wurde, um mit einer verstärkten Riege ins Oberhaus zurückzukehren. 1975 war das Ziel erreicht, die SKV war wieder in der 1. Bundesliga. Heimische Talente wie der Eichener Nationalturner Reinhard Dietze, Wolfgang Roth, Manfred Lehmann, Uwe Hackler, Heinz Rohleder und Helmut Nothacker sowie die aus Itzehoe 1976 zu den Siegerländern gewechselten „Nordlichter“, die Zwillinge Peter und Manfred Diehl, Paul Forselius und Peter Brüggemann trugen fortan das SKV-Trikot.

Auch wenn das Liga-Leben in den Folgejahren ein Wechselbad der Gefühle war - Abstiege in die 2. Liga und bis in die Regionalliga blieben nicht aus -, so steht die heutige SKV wieder fest in der Beletage des Turnsports. „Wir hoffen, dass wir am Ende der Saison jubeln können“, blickt der heutige SKV-Präsident Reimund Spies zuversichtlich in die gerade gestartete Saison 2018.

Aber zurück schaut der 66-jährige Dreisber genau so gerne, zurück beispielsweise in die Jahre 1978 und 1979, als die SKV zwei Mal hintereinander Deutscher Meister wurde und 1979 zudem die vom DTB ausgerichtete Deutsche Vereinsmannschafts-Meisterschaft im Zwölfkampf mit je sechs Pflicht- und Kürübungen in Ludwigshafen für sich entschied. In der SKV-Riege damals auch eines der Turn-Asse aus Fernost, der Japaner Jasuhisu (‘Jaso’) Kaneko, der an der Sporthochschule Köln studierte. Viele, bis heute klangvolle Namen prägten die Liga: der Ludwigshafener Philipp Fürst (TB Oppau), der Bundestrainer Günter Lyhs (TC Gelsenkirchen/TV Jahn Kierspe) oder der Künzelsauer Eberhard Gienger.

„Bundesliga-Dino“

Einen weiteren Aufschwung erlebte die Deutsche Turnliga nach der Wiedervereinigung 1989, als starke Riegen aus den ostdeutschen Turnzentren in die Liga rückten, wovon heute nur noch der SC Cottbus übrig geblieben ist. Auch in den alten Bundesländern stellten im Laufe der Jahrzehnte Vereine - ob aus sportlichen oder wirtschaftlichen Gründen - ihren Liga-Betrieb ein, wie zuletzt 2014 der FC Bayern München, von dessen Rückzug seinerzeit die SKV nach verlorenem Qualifikationsduell profitierte.

So darf sich die SKV mit Fug und Recht als „Bundesliga-Dino“ bezeichnen. Altmeister Jürgen Uhr ist überzeugt, dass es „ohne die SKV kein Kunstturnen mehr im Siegerland auf diesem Niveau“ gäbe. „Die mannschaftliche Geschlossenheit hat uns zum Erfolg geführt - damals wie heute“, ergänzt Reimund Spies.

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