Erndtebrück trifft auf japanische Delegation

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Simmersbach. Raus aus dem Bezirksligaalltag, rauf auf die internationale Bühne – zumindest an einem Nachmittag für insgesamt neunzig Minuten. Am Sonntag spielten die A-Jugend des TuS Erndtebrück als eine von drei regionalen Nachwuchsmannschaften auf dem Kunstrasenplatz in Simmersbach im Lahn-Dill-Kreis gegen drei Schulmannschaften aus der japanischen Millionenstadt Kyoto.

Jeweils dreißig Minuten spielten die Wittgensteiner im Laufe des Spieltags gegen jede der Gastmannschaften aus Fernost. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen: während die Erndtebrücker den Japanern im ersten Duell ein torloses Remis abringen konnten, verloren sie im zweiten nur knapp mit 0:1 und erreichten abschließend ein leistungsgerechtes 2:2-Unetschieden. Insgesamt verloren die asiatischen Kicker nur zwei von neun Partien; eine gegen die gastgebende JSG Eschenburg, eine zweite gegen den FC Niederau. Die Schüler aus Kyoto weilen auf Einladung von Fußballtrainer Gert Engels in in der hessischen Sportschule Grünberg.

Profi bei Gladbach

Engels, der zwischen 1975 und 1978 als Spieler bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stand, begann 1990 eine Karriere als Trainer und Fußballlehrer in Japan. Neben fünf Siegen im Kaiserpokal und einer Meisterschaft, steht der Gewinn der asiatischen Champions-League 2007 mit den Urawa Red Diamonds, die er damals mit Holger Osieck trainierte, ganz oben auf der Liste seiner Erfolge. Heute betreibt der 58-jährige Rheinländer die Fußballschule „Soccer Life“ in Japan und seiner Heimatstadt Düren. Mit seinem Team lädt Gert Engels immer wieder Talente oder ganze Nachwuchsmannschaften aus dem fernen Kaiserreich nach Deutschland ein – so auch die Fußballer der Schule „Kyoto Ryoyo“. Für Erndtebrücks Trainerduo Steffen Mack und Jürgen Klappert hat sich der Ausflug in den Lahn-Dill-Kreis sehr gelohnt. „Dabei wussten wir gar nicht genau, was auf uns zukommt“, erzählt Steffen Mack. Seit längerem unterhalten Mack und Klappert freundschaftliche Kontakte zur Jugendspielgemeinschaft Eschenburg, deren Betreuer die Wittgensteiner kurzfristig zu der Veranstaltung, die ursprünglich in Marburg stattfinden sollte, eingeladen hatten.

Vielversprechendes Angebot

Und da das Angebot, einen Leistungsvergleich mit japanischen Sportschülern eingehen zu können, vielversprechend klang, sagten die Erndtebrücker sofort zu. Die hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht: „Wir sind gegen gut ausgebildete Mannschaften angetreten, die sortiert und technisch anspruchsvoll gespielt haben“, betont Steffen Mack. Insbesondere das immer faire, aber aggressive Pressing, mit dem die Japaner schon früh den Spielaufbau störten und kaum freie Räume ließen, forderte die Kicker aus der Edergemeinde. „Das war wirklich sehenswert“, sagt Mack beeindruckt. Generell imponierte dem Erndtebrücker die enorme Disziplin der Japaner – auf und neben dem Spielfeld.

Keine vergleichbare Ligastruktur

Schwierig war die ungefähre Einordnung des Spielniveaus der Sportschüler in hierzulande bekannte und geltende Größen. Es gebe in Japan nämlich keine mit Deutschland vergleichbare Ligastruktur im Nachwuchsbereich; überhaupt finde die Ausbildung der Talente im wesentlichen im schulischen und universitären Rahmen statt. Innerhalb des Kyoto-Kaders bewege sich das Leistungsspektrum der A-Junioren aber etwa zwischen zweiter Liga – also Regionalliga – und Bezirksliga, erklärt Gert Engels. Umso spannender wäre für Mack und Klappert im Nachhinein ein Test ihres Teams über die volle Spielzeit gegen die Ryoyo-Kickers gewesen. Das lies sich in der Kürze der Zeit aber nicht mehr organisieren.

Steffen Mack scherzt: „Deswegen hoffe ich nun auf eine Einladung nach Japan!“

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