Pass in die Gasse #269

Für den Sport gilt: Geduldig warten wie Samuel Beckett

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Foto: Sascha Kertzscher / WP

Am 18. April startet die nächste Etappe Coronaschutzverordnung. Bis dahin heißt es Warten. Auf wen oder was, erklärt unser Kolumnist.

Es gibt eine herrliche Geschichte über den berühmten Schriftsteller Samuel Beckett. Auf die Frage, wie er auf den Titel seines bekanntesten Werkes „Warten auf Godot“ gekommen sei, soll der irische Literatur-Nobelpreisträger von einer Situation bei einer Tour-de-France-Etappe erzählt haben, bei er selbst dabei war. Nachdem das Fahrerfeld vorbeigefahren sei, habe sich Beckett gewundert, warum so viele Zuschauer weiterhin auf ihren Plätzen verharren. Da fragte er jemanden, worauf sie denn noch alle warteten und die Antwort lautete in Erwartung des schwächsten Fahrers im Feld: „Auf Godeau!“

Das Ganze fällt wohl ins Reiche der Legenden, weil es dazu vier weitere Versionen gibt. Eine besagt zum Beispiel, Beckett habe hin und wieder mit einer Gruppe Rennfahrer trainierte, von denen einer jeden Morgen zu spät kam und alle warteten auf (Roger) Godeau. Tatsache ist jedoch, dass das „Warten auf Godot“ zum Synonym für stumpfes Warten wurde. Unbeirrtes Warten ohne etwas zu tun. Keine Initiative, kein Aktionismus, das Warten um seiner selbst willen.

Das alles durfte mir in den Kopf schießen, als ich am Wochenende einen Bekannten aus dem Amateurfußball die Frage stellte, wie die Lage im Verein denn sei. Die Antwort: „Warten auf Armin.“ Die ganze Lage der Sportverbände und Vereine in einem Satz. Warten auf irgendetwas, warten auf Laschet. Der Termin für die neuen Coronaverordnungen ist der 18. April. Bis dahin stehen die Massen am Rand irgendeiner Etappe und warten geduldig auf den schwächsten Fahrer im Feld – oder die größte Schlafmütze am Morgen.

In der Kolumne „Pass in die Gasse“ befasst sich der freie Journalist Heiko Rothenpieler mit aktuellen Entwicklungen in der Welt des „großen“ und „kleinen“ Fußballs.

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