Nordische Kombination

Für Mika Wunderlich geht es weiter steil bergauf

Ganz schön steil: Mika Wunderlich (grünes Trikot) vom SC Rückershausen kämpft sich neben der großen Rothaus-Schanze den Berg hinauf. Links prüft WSV-Betreuer Alfred Grosche den Abstand nach hinten.

Ganz schön steil: Mika Wunderlich (grünes Trikot) vom SC Rückershausen kämpft sich neben der großen Rothaus-Schanze den Berg hinauf. Links prüft WSV-Betreuer Alfred Grosche den Abstand nach hinten.

Foto: Jan Simon Schäfer

Hinterzarten.   Mika Wunderlich vom SC Rückershausen führt weiter im Schülercup der Nordischen Kombination. Ryan Horn und Lukas Wied unter den ersten Zehn

Das Adler-Skistadion in Hinterzarten ist einer dieser Skisprung-Orte, an denen sich die Schanzen wie Orgelpfeifen nebeneinanderreihen und dabei eine gewisse Symbolkraft entfalten. Links ist die 15-Meter-Anfängerschanze zu sehen, daneben die 30-Meter-Schülerschanze, dann kommt die 70-Meter, die am Wochenende beim Deutschen Schülercup der 14- und 15-Jährigen genutzt wurde.

Mit dabei war ein Trio des SC Rückershausen, das mit Blick auf die Anlage schon einiges in seiner sportlichen Entwicklung geschafft hat – immerhin ist es ja schon auf der zweitgrößten aktiv. Bis sie aber auf die gewaltige, klar von den anderen Rampen abgegrenzte Rothaus-Schanze (K108) wechseln werden, haben die SCR-Talente noch ein paar Jahre und viel Training vor sich – wer hier an Wettkämpfen teilnimmt, darf oft auch von einer internationalen Karriere träumen.

Dies tut womöglich auch Mika Wunderlich, der jedenfalls den Fleiß und das Talent dafür zeigt. Er reiste mit dem Führungstrikot im Schülercup der 14-Jährigen an und baute seinen Vorsprung mit nun 682 Zählern auf 76 Punkte aus – den Gesamtsieg in der Serie könnte der Volkholzer somit schon bei der kommenden, vorletzten Station in Ruhpolding perfekt machen.

Große Rückstände aufgeholt

Dabei lief es im Schwarzwald nicht einmal optimal für ihn, zumindest auf der Schanze – in die Langlauf-Loipe startete Wunderlich jeweils als Achter mit fast vier bzw. eineinhalb Minuten Rückstand. Dennoch reichte es zum dritten Platz im Kombinations-Wettkampf am Samstag und zum Sieg beim „Sprint“ (halbe Distanz) am Sonntag, zehn Sekunden vor Benedikt Gräbert aus Bayern. Mika rannte wie der Teufel und war so schnell, dass er selbst im höheren Jahrgang, der gleiche Distanzen läuft, der Beste gewesen wäre. Für 3,75 km benötigte der SCR-Läufer am Sonntag 13:09 Minuten, obwohl hammerharte Anstiege enthalten waren und es stark regnete.

Vom Dezember-Wettkampf aus Rastbüchl ist die Anekdote überliefert, dass Wunderlich sich so verausgabte, dass er nach dem Zieleinlauf die Arme kaum noch heben konnte. „Das ist das, was es in diesem Sport ausmacht. Mika ist läuferisch schon wahnsinnig stark“, freute sich SCR-Trainer Thomas Wunderlich mit seinem Sohn, der in Sachen Kraft gegenüber dem Vorjahr enorm zugelegt hat. Diese Kraft auf der Schanze so zu bündeln, dass danach nicht jedes Rennen eine epische Aufholjagd sein muss, wird demnächst die Kunst sein.

Wunderlich landete beim Pocket-Sprung am Freitag, der wegen Wetter-Kapriolen schließlich als Basis für den Wettkampf am Sonntag herhalten musste, bei 63,0 Metern und am Samstag sogar nur bei 61,5 bzw. 59 Metern – jeweils über zehn Meter früher als der Winterberg Lukas Nellenschulte, dem derzeit besten Springer der Altersklasse. „Mika hatte gute Probesprünge und wollte dann wohl zu viel. Er war mit seinem Sprung zu früh und verkrampft“, sagte Thomas Wunderlich und zitierte aus der Skispringer-Bibel: „Es ist Lockerheit nötig.“

Wie es besser geht, zeigte Ryan Horn vom SC Rückershausen, der nach Sprüngen 65,0 und 64,5 Meter als Vierter bzw. Sechster auf die Langlaufstrecke ging, wenngleich er diese Positionen gegenüber seinen Konkurrenten nicht verteidigen konnte. Am Sonntag wurde der Rückershäuser Neunter und am Samstag Siebter, wobei er den sechsten Platz erst auf den letzten zehn Metern abgeben musste.

Aber: Vor einem Jahr hätte Horn vermutlich mehr Plätze in der Loipe verloren. „Ryan hat mir wirklich gut gefallen. Er ist auf einem guten Weg, muss läuferisch und körperlich aber noch weiter zulegen“, sagt Thomas Wunderlich.

Nicht so schnell wie gewohnt

Zu rätseln hatte er am Wochenende an der Form von Lukas Wunderlich (S15), der im Springen für seine Verhältnisse mit zweimal 64,0 Metern und einmal 64,5 Metern ordentlich begann, was Lauf-Starts von Platz 6 bzw. 7 bedeutete.

Normalerweise würde Wied diese Position mit seinen starken Ausdauer-Werten als Basis für einen Angriff aufs Podium nutzen, doch in Hinterzarten schaffte er „nur“ die viert- und fünftbeste Zeit, was in der Kombination die Plätze 6 und 7 bedeutete. Wunderlich: „Lukas’ Laufform im Trainingslager war zuletzt eigentlich gut, aber diesmal hat er sich ungewohnt schwer getan.“

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