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Golfclub Siegerland: Ein kleiner mittelständischer Betrieb

Tägliche Rasenpflege: Beim Golfclub Siegerland sind die Greenkeeper regelmäßig im Einsatz.

Tägliche Rasenpflege: Beim Golfclub Siegerland sind die Greenkeeper regelmäßig im Einsatz.

Foto: Carsten Loos

Junkernhees.  Er bewirtschaftet im Heestal eine Fläche wie 150 Fußballplätze: Der Golfclub Siegerland beschäftigt allein sechs Mitarbeiter für die Platzpflege.

Montags ist Greenkeeping-Tag. Zu Wochenbeginn, nach der üblichen Betriebsamkeit am Wochenende, haben die Platzpfleger Vorfahrt auf der Anlage des Golfclubs Siegerland. Das Sekretariat ist nicht besetzt, Golflehrer Andrew Clark gibt keine Kurse. Dann ist weniger los als an anderen Tagen an den 18 Löchern im Heestal. Es sei denn, der Sommer zeigt sich wie jetzt, kurz seinem Abschied in den Herbst, noch einmal von der sonnigen Seite.

„Bis Mittwoch soll das schöne Wetter noch andauern“, sagt Steffen Schmidt. Er ist der Leiter der Abteilung Platzpflege im Golfclub Siegerland. Der Head-Greenkeeper, 39 Jahre alt, ist in seinem Golf-Cart unterwegs zu den einzelnen Bahnen, koordiniert vor Ort und mit dem Handy die anstehenden Arbeiten. Mit drei Greenkeepern und zwei Aushilfskräften kümmert er sich rund ums Jahr darum, dass der Platz stets in tadellosem Zustand ist.

Allein für die Platzpflege sind sechs Mitarbeiter beschäftigt. Um das Sekretariat kümmern sich Yvonne Noell und Nadine Schneider. Dazu kommen weitere Kräfte in der Organisation des Club-Alltags. „Acht Angestellte und einige Aushilfskräfte“, rechnet Rolf Schneider hoch.

Wenn die Greens Luft schnappen

Seit 2014 ist Schneider Präsident des Golfclubs. Und er sieht sich nicht nur zuständig für die Repräsentation auf dem Platz und im Clubhaus, verweist auf die Verantwortung in seinem Amt: „Ich bin ja auch der Chef von unseren Mitarbeitern.“ Andere Golfclubs hätten Manager eingestellt, sagt Schneider: „Wir schaffen das noch so.“ Der Golfclub Siegerland sei ein „kleiner mittelständischer Betrieb“, erklärt Schneider und betont, „davon hängt unfassbar viel ab.“

Die Mitarbeiter kommen alle aus der Region, sagt Schneider: „Zwei von ihnen sind sogar von Anfang an dabei.“ Wie Wilhelm Müller, Landwirt aus Mittelhees. Ihm gehört eine Fläche des Landes, auf dem sich jetzt Golfer um ihr Handicap bemühen. Müller kümmert sich um den Untergrund; er ist einer von den vier angestellten Greenkeepern.

Mit den Clubmeisterschaften am ersten Wochenende im September endet gemeinhin die Hauptsaison auf den 18 Bahnen. Dann wird es dringend Zeit für Greenkeeper Schmidt und seine Kollegen, sich wieder intensiv um die Belüftung von Abschlägen und Greens zu kümmern. „Aerifizieren“, heißt das in Fachkreisen: Belüften. Zwei Mal im Jahr dürfen die Greens „Luft schnappen“, vier Mal sogar die Abschläge.

Mit einer Spezialmaschine hinter einem Trecker treibt ein Greenkeeper Löcher in die Rasenflächen. Im hohen Bogen fliegen Brocken durch die Luft. Das ist so gewollt.

Recycling auf Golfplatz

Die so genannten „Cores“, Kerne aus Erde, werden später wieder als Sand in die Abschlag-Areale eingearbeitet. Übrig bleibt nur die Schicht aus Wurzel, der „Filz“, der weggeblasen wird. Ein Art Recycling, die sich auszahlt, wie Head-Greenkeeper Schmidt betont: „Das ist ein Kostenfaktor.“ Anders auf den Greens; da geht das nicht. Dort, so erklärt er, müsse jedes Jahr eine Lastwagen-Ladung von Sand wieder eingearbeitet werden.

Gerade in den nächsten Woche geht es wieder um Zahlen. Für die kommenden Vorstandssitzung müsse er die Zahlen zusammenstellen, sagt Präsident Schneider. Jene der Greenfee-Einnahmen und andere. Da kommt einiges im Laufe eines Jahres zusammen, was der Golfclub Siegerland einnimmt, aber auch wieder ausgeben muss, um den Betrieb am Laufen zu halten. Schneider übt sein Amt ehrenamtlich aus, ist damit aber jede Woche mehrere Stunden beschäftigt, wie er sagt, wie etwa bei Verhandlungen mit Umweltamt oder Wasserbehörde.

Flächen des Clubs sind gepachtet

1991 ist der Golfclub gegründet worden von einer Gruppe um den späteren Ehrenpräsidenten Heiner Feldmann. „Auf dem Papier“, schiebt Schneider nach. Landwirte aus dem Heestal hatten zuvor ihre Felder als Gelände für einen Golfplatz angeboten.

Erst 1996 wurde die Anlage eröffnet. Das Areal sei weiterhin im Besitz von „sieben, acht Familien“, erklärt der Präsident. Der Club hat die Flächen gepachtet. Das Grundstück und das 2003 eröffnete Clubhaus gehört dagegen dem Golfclub. Er hat die Gastronomie verpachtet, seit diesem Frühjahr an den gebürtigen Kurden Patrick Candir aus Paris, der im Heestal nun französische Küche anbietet.

Bahnen und ganz viel Drumherum

Etwa 90 Hektar, so viel rund 150 Fußballplätze vom Maß 100x60 Meter, würde der Golfclub bewirtschaften, inklusive aller Ausgleichsflächen, sagt Schmidt. Wer hier zu Fuß unterwegs ist, wird schnell zum Marathon-Mann.

Erstaunlich: Nur 25 Hektar davon nehmen die 18 Bahnen in Anspruch. Der Greenkeeper, der in unmittelbarer Nähe, in Osthelden, aufgewachsen ist, erinnert sich noch gut, wie es einst auf dem Areal aussah: „Es war hier alles baumfrei; hier gab es nur Felder.“

Die Landschaft hat sich verändert: Rasen, Bäume, Sträucher, ein Teich mit Wasser zum Beregnen der Fläche. Das Ergebnis der Arbeit des kleinen mittelständischen Unternehmens, das im kommenden Jahr einen schönen Anlass hat zu feiern: das 30-jährige Betriebsbestehen..

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