Basketball

Heikel Ben Meftah, der Schattenmann

Auch beim Super-Cup, dem letzten Vorbereitungsturnier für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft vor dem Abflug zur Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Hamburg, ist Heikel Ben Meftah (hinten) im Einsatz.

Auch beim Super-Cup, dem letzten Vorbereitungsturnier für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft vor dem Abflug zur Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Hamburg, ist Heikel Ben Meftah (hinten) im Einsatz.

Foto: Tilo Wiedensohler

Der Freudenberger Heikel Ben Meftah ist seit 2013 Teammanager der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Jetzt steht die WM in China an.

Freudenberg. Am Dienstag ließ es sich Heikel Ben Meftah nicht nehmen, kurz vor seiner Asien-Reise mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft noch einmal das Training beim TV Freudenberg zu leiten und seine Söhne René und Miguel zu instruieren, die in den nächsten Wochen nämlich das Training beim Landesligisten leiten müssen. Ihr Vater hat derweil Wichtigeres zu tun. Er steht vor einer spannenden, aber auch stressigen Zeit, der Basketball-Weltmeisterschaft, die für Deutschland am 1. September mit dem Gruppenspiel gegen Frankreich beginnt.

Der 45-Jährige ist auf Honorarbasis Team-Manager der besten deutschen Korbjäger. Die Aufgaben sind so vielfältig geworden, dass der Begriff „Betreuer“ nicht mehr passend ist. Ben Meftah nimmt sich Zeit für unser Gespräch, obwohl er auf heißen Kohlen sitzt. Die letzten Sachen zusammen packen und ab zum Training nach Büschergrund. Nach einer kurzen Nacht hob der Flieger am Mittwoch vom Flughafen München mit dem Ziel Tokio ab. Dort nimmt Deutschland noch an einem Turnier teil, ehe es am 26. August weiter geht in den Spielort Shenzhen, der Zwölf-Millionen-Metropole in der Nachbarschaft des zurzeit unruhigen Hongkong. Dem finalen Test gegen Australien, möglicher Gegner in der Zwischenrunde, folgt am 1. September der WM-Auftakt gegen Frankreich.

Seit 2013 umgarnt der Siegerländer die Nationalspieler bei Freundschaftsspielen, Turnieren, Trainingslagern oder Meisterschaften, reicht ihnen Getränke und Handtuch, organisiert den Bustransfer vom Hotel zum Trainings- oder Spielort, bestellt Taxis, liest den Spielern jeden Wunsch von den Lippen ab. Ein Fulltime-Job. „Ich sehe mich als zentrale Schnittstelle zwischen Medizinern, Coaches und Mannschaft. Der Stressfaktor ist hoch, gerade vor so einem großen Turnier, denn es ist entscheidend, dass die zeitlichen Abläufe stimmen. Deshalb bin ich immer auf Empfang“, sagt Heikel Ben Meftah, der in den vergangenen sieben Jahren mit der deutschen Mannschaft bei drei Europameisterschaften der wichtige Mann im Hintergrund war. Größter Erfolg: 2017 wurde der Sprung ins Viertelfinale geschafft.

Jetzt aber steht die WM an, die erste für einige Spieler. Weil die WM in China stattfindet, ist im Vorfeld vieles anders, vieles komplizierter, zum Beispiel beim Ausstellen der Visa. „Da mussten wir die Hosen runter lassen, alles offen legen.“ Und auch vor Ort müssen Einschränkungen einkalkuliert werden, insbesondere bei der Kommunikation. Was nämlich in Deutschland selbstverständlich ist, sich über Messenger-Dienste wie Whatsapp, Instagram oder Facebook schnell und (einigermaßen) zuverlässig auszutauschen, ist im immer noch autoritär geprägten China allen westlichen Strömungen zum Trotz eingeschränkt, müssen andere Kanäle angezapft werden. „Ich erwarte eine digitale Mauer“, befürchtet Ben Meftah, der, weil er in ständigem Kontakt mit der Mannschaft stehen muss, vor einer besonderen kommunikativ-logistischen Herausforderung steht. „Mir dürfen keine Fehler unterlaufen, sonst ist die Katastrophe perfekt“, sagt Heikel Ben Meftah, dem die Erfahrungen von den vergangenen Turnieren helfen sollten.

Die Erwartungen ans Team sind groß – besser gesagt – größer als bei den vergangenen Turnieren. „Die Mannschaft hat sich entwickelt, Leistungsträger wie die in den USA spielenden Theis, Schröder und Kleber sind nicht mehr blutjung, sondern sind gereift, im besten Basketballer-Alter“, hat auch Heikel Ben Meftah, obwohl für den sportlichen Part nicht verantwortlich, Vertrauen ins deutsche Team, das am vergangenen Wochenende mit dem Gewinn des Super-Cups eine gelungene Generalprobe feierte.

K.o.-Phase ist das Minimalziel

Frankreich, Jordanien und Dominikanische Republik sind die Gruppengegner, sollte das Erreichen der Zwischenrunde kein Problem sein. Dann geht es ans Eingemachte, wird um den Einzug in die K.o.-Phase gespielt, werden auch die ersten Tickets für die Olympischen Spiele 2020 verteilt. Die zwei besten europäischen Teams bei dieser WM lösen direkt die Fahrkarte nach Tokio. Geht es nach Heikel Ben Meftah, macht er sich mit der Nationalmannschaft erst am 16. September wieder auf den Rückweg. Das ist der Tag nach dem Finale und den Platzierungsspielen...

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