Wintersport

Hesselbacher Gletscher hofft auf Frau Holle und die Behörden

Skibetrieb am Hesselbacher Bohnstein, so wie auf diesem Archivbild – dies ist der größte Wunsch des SV Oberes Banfetal.

Skibetrieb am Hesselbacher Bohnstein, so wie auf diesem Archivbild – dies ist der größte Wunsch des SV Oberes Banfetal.

Foto: WP

Hesselbach.  Der SV Oberes Banfetal arbeitet an Konzept zur Öffnung seines Skigebiets am „Hesselbacher Gletscher“. Finanziell drückt weiter der Schuh.

Der Winter 2019/20 war schrecklich für den SV Oberes Banfetal und Tobias Reuter, den ersten Vorsitzenden des Vereins. Eigentlich war geplant, dass die Hesselbacher und Fischelbacher den Skiliftbetrieb zum ersten Januar aufnehmen und hatten bereits entsprechende Kunstschneemassen produziert. Doch dann kam es zu einem Kabelbrand bei der Pistenraupe, der eine 45.000 Euro teure Reparatur nötig machte. Als die Raupe endlich aus der Reparatur zurückkam war der Schnee längst geschmolzen – und dann nahm das Pandemiegeschehen rund um Covid-19 in Europa Fahrt auf.

„Da kam schon alles zusammen”, blickt Reuter zurück. Er führt weiter aus: „Wir hatten keinen einzigen Skitag, darunter hat der Verein schon sehr gelitten.” Zum Frust über den ausgebliebenen Skispaß kam ein Riesenloch in der Kasse: Neben den Kosten für die Schneeproduktion und die Raupenreparatur kamen die normalen laufenden Kosten, aber keine Einnahmen. Über eine Spendenaktion hat der Verein damals auf sich aufmerksam gemacht und versucht, einen Teil des Schadens zu begleichen. Gelungen ist dies aber nur teilweise.

Noch viele Fragezeichen

Seitdem ist fast ein Dreivierteljahr vergangen, eine Zeit in der die Verantwortlichen den Schlamassel Revue passieren lassen konnten, aber auch die Köpfe zusammenstecken und neue Konzepte erarbeiten mussten. Aufgrund der ungewohnten Situation war das ganze für Reuter und seiner Vorstandskollegen alles andere als einfach: „Wir wissen bis heute nicht welche Vorgaben wir genau bekommen werden, aber wir wissen, dass wir auf die kommende Wintersaison angewiesen sind.”

Einen kleinen Anhaltspunkt bieten da die Veröffentlichungen der Wintersportarena Sauerland, welcher sich der SVO vor einigen Jahren angeschlossen hat. Reuter: „In ihrer Jahreshauptversammlung hat die Wintersportarena bekannt gegeben, dass sie eine Art Grundlagenkonzept veröffentlichen werden, welches ähnlich wie beim Fußball, auf lokale Gegebenheiten angepasst werden kann.” Welche Einschränkungen es geben wird, weiß man am „Hesselbacher Gletscher“ noch nicht endgültig. Klar ist schon: Ein Mundschutz wird beim Ski- oder Snowboardfahren nicht nötig sein. Beim Liftfahren möglicherweise aber schon.

Nur abzuwarten, was andernorts erarbeitet wird, kam für Reuter nicht in Frage: „Damit wir nicht kurzfristig überrascht, erarbeite ich gerade ein Hygienekonzept für unseren Gletscher und werde dieses schon mal mit dem Gesundheitsamt besprechen.”

Was genau in dem Konzept steht, ob man den Schlepplift nur allein nutzen darf oder auf die hausgemachten Waffeln wird verzichten müssen, verrät Reuter noch nicht.

Was er aber ausschließt, ist eine Kopplung des Liftbetriebs an den Getränke- und Essensverkauf in der Skihütte: „Wir werden das nicht voneinander abhängig machen. Klar ist die Skihütte eine wichtige Einnahmequelle, doch es wäre schön, wenn wir wenigstens unsere Tageskarten verkaufen können.”

Die „normale“ Vorbereitung in Sachen Technik und Landschaftspflege ist längst abgeschlossen. Im September wurden beispielsweise die Liftmasten abgeschliffen und neu gestrichen, um Korrosion zu verhindern.

Neben dem regelmäßigen Mähen des Hangs sowie dem Zurückschneiden der Bäume ist eine regelmäßige Prüfung der Technik obligatorisch. Reuter: „Bei uns ist immer irgendwer am Wuseln und am Basteln.“

Saisonstart erst 2021 erwartet

Einen weiterer Grund, den Betrieb schnellstmöglich aufzunehmen, ist die vereinseigene Skischule. „Es wäre schon wichtig, wenn wir die Kids auf die Bretter bekommen, sonst fehlt uns am Ende noch eine Generation auf der Piste.” Und damit, ganz nebenbei, auch potenzielle Mitglieder. Dabei ist der SVO nicht nur auf heimische Skifahrer angewiesen. Touristen kommen aus der ganzen Region und darüber hinaus – weil die Piste nur bei guten Verhältnissen öffnet, weil der Hang durchaus anspruchsvoll ist und weil die Preise fair sind. Dass die Nachfrage wegen einer ausgefallenen Saison abreißt, ist nicht zu erwarten.

Der Verein hofft nun darauf, dass sich das Pandemiegeschehen so weit reduziert, dass die politischen Rahmenbedingungen die Öffnung eines Skilifts wieder möglich machen. So oder so rechnet der Verein mit einem Saisonstart nicht vor Januar. Tobias Reuter: „Wir brauchen diesen Winter, sonst müssen wir unsere Köpfe wohl noch enger zusammenstecken. Doch ich bin mir sicher, dass Frau Holle und das Gesundheitsamt unsere Gebete erhören werden.”

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