Handball

„Ich bin ein Kämpfer und Optimist“

Moritz Barwitzki ist auch in dieser Spielzeit wieder ein Leistungsträger beim TuS.

Moritz Barwitzki ist auch in dieser Spielzeit wieder ein Leistungsträger beim TuS.

Foto: Reinhold Becher

Ferndorf.   Ferndorfs Linksaußen Moritz Barwitzki ist nach seinem Kreuzbandriss wieder ein Leistungsträger beim Handball-Zweitligisten.

Es war der 2. September 2017. An jenem Samstag spielt der TuS Ferndorf in der 3. Liga West gegen die SG Menden Sauerland Wölfe, fegt den Gegner mit 39:23 vom Feld. Einem im roten Trikot ist gar nicht nach Feiern zumute: Moritz Barwitzki. Der Ferndorfer Linksaußen, bis dahin vierfacher Torschütze, muss kurz vor der Halbzeitpause das Feld gestützt von seinen Mitspielern Thomas Rink und Branimir Koloper verlassen, das linke Knie schmerzt.

Noch in der Halle gibt es eine erste Entwarnung – ein Trugschluss. „Ich habe damals nach dem Spiel bei Julian Schneider übernachtet. Als ich morgens von der Couch aufstehen wollte, bin ich einfach umgefallen. Da war klar, dass es was Schlimmes ist“, erinnert sich Moritz Barwitzki. Zwei Tage später folgt die niederschmetternde Diagnose: Vorderes und hinteres Kreuzband, Innen- und Außenmeniskus sind gerissen – ein Totalschaden. Es ist die erste schwere Verletzung des damals 22-Jährigen, der auf dem besten Weg war, in seinem zweiten Jahr beim TuS die Position auf dem linken Flügel für sich zu abonnieren, die Nummer eins zu sein. Und dann dieses Malheur.

Lerscht bremste

Doch Trübsal zu blasen oder gar ein frühes Karriere-Ende ins Auge zu fassen, das kam für Moritz Barwitzki, die rheinische Frohnatur, nicht in Betracht. „Ich bin ein Kämpfer und Optimist. Das hat mir in dieser Situation geholfen.“ Und seine Zuversicht wuchs, je schneller die Genesung voranschritt. Der OP folgte die langwierige, anstrengende Reha in Köln, wo Moritz Barwitzki BWL studiert. Fast sieben Monate war an Handball nur zu denken, aber im Frühjahr fieberte er seinem Comeback entgegen, wollte unbedingt seinen Teil zur phantastischen Saison, die mit 59:1 Punkten und dem Aufstieg in die 2. Liga gekrönt wurde, beitragen.

Tja, da hatte Barwitzki die Rechnung aber ohne seinen Chef gemacht. „Michael Lerscht hat mich bewusst nicht eingesetzt. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar“, weiß Moritz Barwitzki, warum ihn der Trainer damals noch bei den Spielen schonte, „obwohl ich unbedingt spielen wollte. Ich hatte ja lange genug auf der Bank gesessen.“ „Moritz ist unglaublich ehrgeizig. Eine zu frühe Rückkehr hätte nach solch einer Verletzung negativ sein können“, so Michael Lerscht, dessen Vertrauen in die Comeback-Qualitäten des „Linken“ trotzdem ungebrochen war.

Deshalb gab es bei der sportlichen Leitung auch nie das Thema, auf den monatelangen Ausfall mit der Verpflichtung eines anderen Spielers zu reagieren – eine Geduld, die sich jetzt auszahlt, denn nach vollständiger Genesung strotzt Moritz Barwitzki vor Kraft und Tatendrang, spielt er in der 2. Liga bislang wie die gesamte Mannschaft eine tolle Saison. 37 Tore hat er beigesteuert, entweder von Linksaußen oder vom Siebenmeterpunkt, wo er sich mit Lukas Zerbe, Pendant auf der rechten Seite, abwechselt. „Das haben wir im Training mal ausprobiert und machen es jetzt auch in den Spielen. Der Torwart kann sich nicht auf den Wurfarm des Schützen einstellen.“ Diese Variante ist nur eines von vielen Details des Ferndorfer Erfolgswegs, den der 24-Jährige treffend zusammen fasst: „Wir funktionieren!“

Jeder kennt seine Aufgabe und erfüllt sie – so wie Moritz Barwitzki, der auf der linken Seite jetzt die unumstrittene Nummer eins ist und dies bleiben will. „Ich versuche möglichst wenig zu verkrampfen. Machst du dir Druck, wirfst du auf jeden Fall daneben“, schmunzelt der stets gut gelaunte Flügelflitzer, „da habe ich versucht Jonas Faulenbach, der immer so unfassbar locker drauf ist, zu adaptieren.“ Bislang hat es bestens geklappt.

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