Fußball-Oberliga-Derby

Käner zeigen Erndtebrücker Grenzen auf

Kein Durchkommen für den TuS Erndtebrück im Strafraum vom 1. FC Kaan-Marienborn. Hier räumt Kapitän Toni Gänge den Ball weg. Manfredas Ruzgies kann da nur staunend zuschauen.

Kein Durchkommen für den TuS Erndtebrück im Strafraum vom 1. FC Kaan-Marienborn. Hier räumt Kapitän Toni Gänge den Ball weg. Manfredas Ruzgies kann da nur staunend zuschauen.

Foto: Hans Peter Kehrle

Erndtebrück.  Kaan-Marienborn gewinnt gegen ganz schwache Erndtebrücker auch in der Höhe verdient.

Den Derby-Charakter am Pulverwald hatte an diesem heißen Sonntag nur eine Mannschaft verinnerlicht, nämlich der 1. FC Kaan-Marienborn. Der glatte 3:0 (1:0)-Erfolg beim TuS Erndtebrück geht auch in dieser Deutlichkeit in Ordnung. Während die Käner damit nach jetzt zwei Zu-Null-Siegen in Folge die Auftakt-Scharte ausgewetzt haben, rumort es bereits gewaltig bei den Wittgensteinern. „Schon das Abschlusstraining am Freitag war eine Katastrophe“, wetterte TuS-Trainer Alfonso Rubio Doblas. „Und daran hat die Mannschaft heute nahtlos angeknüpft.“

Worte des Übungsleiters, denen kaum etwas hinzuzufügen ist. Während die Siegener gallig die Zweikämpfe suchen, wirken die Gastgeber pomadig, während Kaan auf dem Weg nach vorn kombiniert, reiht sich bei den „Blauen“ Fehlpass an Fehlpass, während die Käner Abwehr nichts anbrennen lässt, wirkt das Defensiv-Verhalten der Wittgensteiner nervös und zerfahren.

Keine Erndtebrücker Antwort

Das beste Beispiel dafür schon in der 7. Minute: Nach einem Eckball setzt sich Daniel Waldrich an der Grundlinie leicht gegen zwei Erndtebrücker durch, den Pass nach innen wehrt TuS-Verteidiger Tatsuya Yamazaki vors Schienbein von Lukas Duda ab - Tor für Kaan. Solche Tore dürfen nicht fallen.

Die Erndtebrücker Antwort blieb aus. Zwar kamen mal ein paar Ballpassagen zustande, sobald es in Richtung Tor ging, sprang dort der Funke nicht über. Ein Freistoß von Haluk Arslan trudelte neben das Tor, wenig später setzte Manfredas Ruzgis seinen Kopfball zu hoch an. Es war nichts Zwingendes.

Das sieht auf der anderen Seite anders aus, als Duda das 2:0 machen muss, aber freiststehend aus vier Metern nur den Pfosten trifft (12.) und Mats Scheld mit sattem 18-Meter-Schuss die Querlatte traktiert (15.). Schon nach einer Viertelstunde hätten alles klar sein können. Doch schien das nur eine Frage der Zeit zu sein, zumal das Aufbäumen des TuS ausbleibt, Kaan das Heft in der Hand hält, einfach die bessere Mannschaft stellt.

Es dauerte in der zweiten Hälfte sechs Minuten, als Innenverteidiger Jannik Schneider mit seinem Versuch aus gut 25 Metern für die Vorentscheidung sorgt. Der junge Alex Taach im Erndtebrücker Tor hat keine Chance. Schon jetzt weit und breit hängende Köpfe im blauen Trikot, auf den Rängen wird die Forderung nach dringend benötigten Veränderungen laut. Und „innerbetrieblich“ hält sich so mancher im Team des TuS nicht mit Kritik am Trainer zurück. Die laute Ansprache von Ruzgis in Richtung Bank spricht Bände, deutet wenig auf gute Stimmung an der Eder hin. 3:11 Tore und 0 Punkte - beim Tabellenletzten liegen bereits die Nerven blank.

Und bei den Känern? Nun, da ist Trainer Tobias Wurm natürlich vollauf zufrieden. „Wir haben nahtlos an das Meinerzhagen-Spiel angeknüpft. Wir waren einfach näher an den Gegenspielern, haben aggressiv verteidigt.“ Ein besonderes Lob hatte er für seinen Co-Trainer Mounir Saida parat: „Er hat den Gegner perfekt analysiert.“

Kader passt auch in der Breite

Und dass der Kader auch in der Breite Oberliga-Anforderungen erfüllt, wurde deutlich, als Johannes Burk nach früher gelber Karte in der Pause vorsichtshalber in der Kabine blieb, als im Tor für den im Abschlusstraining am Daumen verletzten Christian Bölker Jonas Brammen nahtlos in die Bresche sprang. Mit Sebastian Schneider kam später der wuchtige Mittelstürmer.

Der war bei seinem Antritt im Strafraum eine Viertelstunde vor Schluss nur durch ein Foul von Keeper Taach zu stoppen, womit er den klaren Elfmeter herausholte. Und da Mats Scheld solche Dinge gewohnt locker erledigt, war mit dem 3:0 der Punkt unter die Partie gesetzt.

Mit den Känern, das wird nach diesen 90 Derby-Minuten deutlich, ist zu rechnen, während sich am Pulverwald nach drei Spieltagen das andeutet, was Pessimisten bereits im Vorfeld befürchtet hatten: Der TuS wird in dieser Saison Probleme bekommen. Anzeichen für dunkle Wolken sind bereits vorhanden.

TuS Erndtebrück: Taach - Schneider (46. Jäger), Engelke, Brato, Yamazaki - Reichert - Tomita (69. Yazar), Arslan (71. Wüst), Fukuchi, Attia (81. Bilgicli) - Ruzgis.

1. FC Kaan-Marienborn: Brammen - Yigit, Jannik Schneider, Gänge - Fragapane (66. Sebastian Schneider), Burk (46. Saka), Scheld, Wieschhaus (80. Flender), Tomas - Duda (61. Tsuda), Waldrich.

Schiedsrichter: Leonidas Exuzidis (Castrop-Rauxel).

Tore: 0:1 Lukas Duda (7.), 0:2 Jannik Schneider (52.), 0:3 Mats Lukas Scheld (74., Foulelfmeter).

Zuschauer: 283.

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