Schwimmen

Kevin Geiselhart in Berlin auf Rekordjagd

Hat ein Mammutprogramm vor sich: Kevin Geiselhart.

Hat ein Mammutprogramm vor sich: Kevin Geiselhart.

Foto: sone

Schwimmer der SG Siegen zurzeit in Topform. In Berlin wartet ein hartes Programm auf den 26-Jährigen.

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Siegen. Der Kraul-Armzug klappt schon ganz gut. Der Beinschlag bringt aber noch nicht den richtigen Vortrieb. Und an der idealen Koordination von Arm- und Beinbewegung muss noch gefeilt werden. Kevin Geiselhart weiß, worauf es ankommt, um im Wasser schnell zu sein. Detailarbeit eben. Am Donnerstagabend jedoch kann Geiselhart dem „Schwimmkurs“, wie er seine Übungsstunde mit den Ausdauersportlern vom Verein :anlauf im Hallenbad am Löhrtor nennt, keine Tipps geben. Der Schwimmer der SG Siegen ist in Berlin, startet bis Sonntag bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften.

Ordentlich abgespeckt

Dabei hat der 26-Jährige ein dickes Programm vor sich: Fünf Wettbewerbe an vier Tagen. Und in allen Disziplinen geht er als Inhaber der Siegerland-Rekorde an den Start in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark. Mit seinen regionalen Bestmarken muss sich Geiselhart bei den nationalen Titelkämpfen weiter hinten einreihen. Aber immerhin: Vor Jahresfrist wurde er im C-Finale um die Plätze 17 bis 24 über 200 m Schmetterling Dritter und über 400 m Lagen Sechster. Und im Sommer, bei der „richtigen“ DM auf der 50-m-Bahn, stand er im B-Finale über 400 m Lagen, landete insgesamt auf dem zwölften Platz. Vor allem aber zählt für Geiselhart in Berlin eines: „Ich möchte besser werden.“

Das sei seine Motivation, erklärt Bernd Tominac. Sein Schützling habe es später als andere heimische Athleten erstmals zu Deutschen Meisterschaften geschafft, sagt der SG-Trainer: „Mit 20 oder 21 Jahren. Seitdem ist er hungrig.“ Kevin Geiselharts Lust auf Bestzeiten floss vor zwölf Monaten in einen Ein-Jahres-Plan, den er mit seinem Athletiktrainer aufgestellt hat. „Ziel sollte die Kurzbahn-DM jetzt sein“, erklärt Mario Bürger. Vor zwei Jahren hatten Geiselhart und Bürger, der im N-Flow-Fitnessstudio in Netphen auch den Triathleten Jonas Hoffmann betreut, zusammen gefunden. Geiselhart schmunzelt: „Damals habe ich 100 kg gewogen.“ Er hatte auf den Saison-Höhepunkt eine ausgedehnte Trainingspause folgen lassen… Da hat sich offensichtlich einiges geändert. Geiselhart bringt zur Kurzbahn-DM 22 kg weniger auf die Waage.

Mehr als 70 Trainingskilometer

Und dann kam dieser Abend im August in Berlin. Lediglich acht Wochen lang hatte sich Geiselhart auch im Wasser intensiv auf die DM vorbereitet – und schwamm wie aus dem Nichts Siegerland-Rekorde über 200 m Lagen und 400 m Lagen. „Wir haben an dem Abend eine Planung gemacht, was möglich ist“, sagt Tominac. Er hätte aber auch „eine ganze DIN A4-Seite geschrieben mit Kevins schwimmerischen Defiziten“. An den Wenden, an der Fußhaltung und mehr, Geiselhart könne noch an vielen Dingen schrauben. Aber: „Stilistisch ist er ganz gut“, betont der A-Lizenz-Trainer, „er schwimmt gut auf der Welle.“

Aus dem Berliner Abendgespräch entwickelte Geiselhart eine klare Ansage noch am Beckenrand bei der DM: „Keine Pause, direkt am Montag mache ich mit dem Training weiter.“ Er steigerte seither sein Schwimmtraining auf über 70 Kilometer in der Woche, ist fast jeden Tag morgens und abends zwei Stunden im Wasser, entweder in der Trainingsgruppe der SG Siegen oder allein etwa in Dillenburg, dazu dreimal über Mittag im Athletik-Studio. Und das alles bringt er mit seinem Beruf als Sozialpädagoge in der Arbeit mit Menschen mit Assistenzbedarf in einer Einrichtung des St. Georg-Sozialwerks in Dreis-Tiefenbach unter einen Hut.

Zwölf Siegerland-Rekorde stehen für den Erndtebrücker, der inzwischen in Siegen lebt und sich der SV Neptun Siegerland angeschlossen hat, zu Buche. Vor zwei Wochen präsentierte er sich mit drei heimischen Bestmarken und der Bronzemedaille über 200 m Schmetterling bei den NRW-Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal in prächtiger Form. Geiselhart verfolge sein Ziel „eigenwillig und fokussiert“, betont Tominac. Er glaubt, dass sein Schwimmer „die Konzentration weiter halten kann“ bis Berlin. Bei Geiselhart hört sich das so an: „Ich merke, dass es sich lohnt.“ Und damit meint er nicht nur seinen „Schwimmkurs“ mit den angehenden :anlauf-Triathleten.

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