Kunstturn-Hammer

KTV Obere Lahn zieht Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurück

So kommen sie am 17. November zum letzten Mal in Biedenkopf zusammen: Die aktuelle Erstliga-Mannschaft der KTV Obere Lahn.

So kommen sie am 17. November zum letzten Mal in Biedenkopf zusammen: Die aktuelle Erstliga-Mannschaft der KTV Obere Lahn.

Foto: Florian Runte

Biedenkopf.   Aufwand für zwei Teams auf Bundesliga-Ebene ist zu groß, die Zahl der Eigengewächse zu gering. Die Weichen für eine neue Ära sind aber gestellt.

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Die Mannschaft der KTV Obere Lahn wird in diesem Herbst die letzten Erstligawettkämpfe bestreiten. Nach sechs erfolgreichen Jahren in der 1. Kunstturn-Bundesliga hat der Verein sich nun zu diesem Schritt entschieden. Mit diesem Beschluss hat der Verein sich schon einige Zeit auseinandergesetzt und schon im Frühjahr zeichnete sich die Tendenz ab.

„Einerseits sehen wir im Moment keine „Eigengewächse“ mehr in der Mannschaft und andererseits ist das Maß der Arbeit und Organisation auf Dauer im Bereich des Ehrenamts nicht mehr zu leisten“, heißt es in einer Presseerklärung der KTV vom Mittwochnachmittag. Vom Rückzug der Wittgensteiner und Hinterländer profitieren übrigens die Meister der beiden Zweitliga-Staffeln, die nun beide direkt aufsteigen und keine Relegation mehr turnen müssen.

Zwei Mannschaften in der Bundesliga sind eine zuviel

So ganz verabschiedet sich der Zusammenschluss der Turnvereine aus Niederlaasphe, Biedenkopf, Wallau und Weifenbach aber nicht aus der Deutschen Turnliga. Eine weitere Mannschaft der KTV Obere Lahn startet aktuell in der 3. Bundesliga. Dort turnen die jungen Sportler aus der Region, die seit einigen Jahren vom weißrussischen Weltklasse-Turner Andrey Likhovitskiy betreut werden. „Leider ist es auf Dauer nicht möglich, beide Mannschaften bei Heim - und Auswärtswettkämpfen zu betreuen, zumal zeitgleich Wettkämpfe an verschiedenen Orten stattfinden und Auflagen der Deutschen Turnliga erfüllt werden müssen“, erklärt der Verein, der in den vergangenen Jahren eine Silber- und zwei Bronzemedaillen in der Bundesliga gewann.

Belastung ist rein ehrenamtlich nicht zu stemmen

Aus den angeführten Gründen hat der KTV-Vorstand mit seiner ersten Mannschaft den Rückzug aus dem Ligabetrieb beschlossen. Dieser hat eine Vielzahl von Gründen. Der Vorsitzende Philipp Wiemers: „Wir sehen die aktuellen Entwicklungen innerhalb der Deutschen Turnliga kritisch. Um in der Bundesliga bestehen zu können, ist es notwendig eine gewisse Anzahl von Bundeskadersportlern in seinen Reihen zu haben. Nach sechs Jahren in der ersten Liga steigen wir bewusst aus diesem System aus, um uns auf unseren eigenen Nachwuchs zu konzentrieren. Darüber hinaus muss man sagen, dass die organisatorischen Aufgaben für zwei Bundesligateams auf lange Sicht nicht ehrenamtlich bewältigt werden können. Andere Vereine können auf hauptamtlich besetzte Geschäftsstellen zurückgreife, die KTV Obere Lahn mit ihren 90 Mitgliedern kann dies leider nicht.“

Das kommende Wochenende liefert ein gutes Beispiel: Während in Biedenkopf alle Hände zum Aufbau und zur Durchführung des Erstliga-Wettkampfs gegen den SC Cottbus benötigt werden, müssen parallel einige Nachwuchssportler bei einem Wettkampf in Koblenz betreut werden. Und gleich am Sonntagmorgen geht es mit einem Landesliga-Wettkampf der Frauen weiter.

Sportwart Albert Wiemers ergänzt an dieser Stelle, dass diese Entscheidung keine wirtschaftlichen Gründen habe. Vielmehr gehe es darum die Sportler aus der Region zu fördern und die bereits bestehende Mannschaft in der dritten Liga, die sich überwiegend aus heimischen Turnern zusammensetzt, in Zukunft zu priorisieren. Darüber hinaus soll vor allem auch die Jugend- und Nachwuchsarbeit im weiblichen und männlichen Bereich weiter professionalisiert und ausgebaut werden.

„Auch wenn wir es gerne würden, können wir so einen Stress nicht langfristig aufrecht erhalten und müssen abspecken. Und da wäre es natürlich fatal zu sagen, dass wir die Nachwuchsarbeit weglassen.“ Stattdessen wird die „Profi-Sparte“ gestrichen. Albert Wiemers: „Das ist Schmerzen und Tränen in den Augen verbunden.“

Biedenkopf nun offiziell Nachwuchs-Leistungszentrum

Maik Wehn, der zweite Vorsitzende der KTV Obere Lahn, ergänzt in dem Zusammenhang, dass sich der Verein sehr über die Zusage seitens des Hessischen Turnverbandes freue, nun den Titel des Leistungszentrum für Nachwuchs tragen zu dürfen. An dieser Stelle müsse man ein klares Bekenntnis zu unseren eigenen Sportlern aus der Region Biedenkopf und Bad Laasphe aussprechen. Die Trainingsräumlichkeiten an der Lahntalschule werden erweitert – dazu liegen inzwischen die Genehmigungen vor. Träger des Ganzen ist der Kreis Marburg-Biedenkopf.

Mit dem Niederlaaspher Sunny Joe Fiecker, dem Biedenkopfer Justus Sporleder und den Herboner Stolyarov-Brüdern hat der Verein derzeit einige Talente in seinen Reihen, die bei guter Entwicklung künftig auch erstligareif turnen könnten. Die Weichen für eine gute Entwicklung der „Zweiten“ sind also gestellt. Ob 2019 auch Turner aus dem aktuellen Erstliga-Kader ins jetzige Drittliga-Team wechseln, steht noch nicht fest. Denkbar wäre beispielsweise, dass der Biedenkopfer Andrey Likhovitskiy (Weißrussland) und der Bickener Fabian Lotz, der seit über zehn Jahren im Verein turnt, ihre Karrieren bei der KTV auf niedrigerem Level ausklingen lassen. Beide sind stark im Verein verwurzelt, hätten aber sicher auch lukrative Optionen in der ersten oder zweiten Liga – eine Entscheidung ist bei ihnen noch nicht gefallen.

Die Showveranstaltung „Inmotion“ wird es nicht wie gewohnt im Jahr 2019 geben, allerdings ist für 2020 schon eine neue Show in Planung. Auf Grund der hohen zeitlichen Belastung der einzelnen Vorstandsmitglieder im Zuge der Bundesligamannschaften konnte in den vergangen Monaten nicht genügend Vorbereitung für die Sportshow stattfinden. Um der Show die gewohnte Qualität zu geben, ist eine längere Vorbereitung notwendig.

Letzter Heim-Wettkampf gegen Heilbronn

Der Vorstand des KTV Obere Lahn bedankt sich für enorme Unterstützung in den letzten Jahren, durch seine Sportler, Helfer, Fans, Sponsoren und Förderer. Wir hoffen noch auf eine erfolgreiche Saison 2018 und schöne Wettkämpfe.

Die vorerst letzten Erstliga-Heimwettkämpfe mit den beiden Nationalmannschafts-Turnern Lukas Dauser und Nick Klessing finden am kommenden Samstag, 8. September, gegen den SC Cottbus und am 17. November gegen das KTT Heilbronn statt. Die zweite Mannschaft in der 3. Bundesliga startet am 22. September in Fulda und sieht sich sportlich dafür gut aufgestellt. Die junge Mannschaft aus Biedenkopf und Umgebung wird drei Heimwettkämpfe in der Sporthalle der Lahntalschule austragen: Am 6. Oktober gegen die TG Saar II, am 27. Oktober gegen das TZ Witten-Bochum und am 17. November gegen den TV Hösbach. Wiemers: „Wir erhoffen uns für beide Teams die gewohnte Unterstützung. Darüber hinaus findet am 9. September ein Landesligawettkampf unserer Frauen in Biedenkopf statt.

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