Vereinsleben

Matthias von Fugler versteht sein Handwerk

In der Vorweihnachtszeit sind Stutenkerle besonders beliebt. Ausbilder und Bäckermeister Matthias von Fugler mit Lara Krause (links) und Lea Knipp, Torhüterin bei Sportfreunde Siegen.

In der Vorweihnachtszeit sind Stutenkerle besonders beliebt. Ausbilder und Bäckermeister Matthias von Fugler mit Lara Krause (links) und Lea Knipp, Torhüterin bei Sportfreunde Siegen.

Foto: Rene Traut

Netphen-Salchendorf.  Matthias von Fugler ist Chef von Germania Salchendorf, im wahren Leben aber Bäckermeister und Ausbilder. So bekommt er beides gebacken.

Corona hin oder her – für den SV Germania Salchendorf war 2020 ein erfolgreiches Jahr. Ein paar Fakten dazu? Am 9. September gewann das Team von Trainer Thomas Scherzer auf dem Sportplatz in Hainchen den Kreispokal. Oberligist TuS Erndtbrück, drei Spielklassen höher angesiedelt, zog mit 2:3 den Kürzeren. Die Frauen um Trainer Sven Baldus stiegen nach der Abbruchsaison 2019/2020 in die Landesliga auf. Und vor dem erneuten Lockdown und der damit verbundenen Spielpause der Amateure grüßt die erste Männer-Mannschaft von der Tabellenspitze der Bezirksliga und nimmt Kurs Richtung Landesliga-Rückkehr. Und so ganz nebenbei bekam der Sportplatz am Wüstefeld nach viermonatiger Bauzeit einen neuen Kunstrasenbelag verpasst. Der erste im Siegerland mit einem umweltfreundlichen Kork-Granulat.

Gesellschaftlich liegt alles brach

Kein Zweifel: Für den 1. Vorsitzenden Matthias von Fugler lohnt es sich, trotz aller corona-bedingten Einflüsse dieses Jahr mit einem gewissen Wohlwollen zu betrachten. „Klar“, sagt er, „der sportliche Kurs stimmt.“ Das Vereinsleben, das für die sozialen Kontakte stehende Miteinander im Ort, die Verbundenheit der Salchendorfer Vereine insgesamt – all‘ das ist indes in Mitleidenschaft gezogen durch diesen zweiten, härteren Lockdown. „Gesellschaftlich“, so drückt es Matthias von Fugler aus, „liegt in unserer dörflichen Gemeinschaft alles brach."

Bäckermeister mit Leib und Seele

Für ihn persönlich indes nimmt das Leben den gewohnten Gang. Beruflich zumindest. Matthias von Fugler ist Bäckermeister, Handwerker mit Leib und Seele. Und das im wahrsten Sinne des Wortes „systemrelevant“. Denn die gebackenen Erzeugnisse und Leckereien gehören zum täglichen Bedarf der unter der Pandemie leidenden Gesellschaft. Und von Fugler kommt aus dem Erzählen nicht heraus, als wir ihn an seinem Arbeitsplatz besuchen. Seit 1986 ist er bei der Bäckerei Schneider beschäftigt, die sich in diesen mehr als 30 Jahren zu einem Betrieb mit mehr als 100 Angestellten nur am Stammsitz Dreis-Tiefenbach entwickelt hat.

Backwaren reisen bis nach Rösrath

„Hier war damals die Backstube, als ich anfing“, zeigt er auf den Raum, der inzwischen von größeren Hallen umgeben ist. Maschinen und Fließbänder stehen hier, Kühlaggregate, ganze Batterien von Hochleistungsöfen. In einem anderen Stockwerk lagern Tonnen von Mehl. Die gehen hier praktisch täglich „durch“. Zwischen 35.000 und 55.000 Brötchen-Rohlinge verlassen pro Tag Dreis-Tiefenbach auf ihrer Reise hin zu 50 Filialen. Die weiteste Fahrt geht für einen der elf Transporter der Großbäckerei nach Rösrath, vor den Toren Kölns.

Diverse wichtige Aufgaben

Eine wahre „Backfabrik“, in der der Salchendorfer Vereinsvorsitzende eine verantwortungsvolle Positionen einnimmt. „Ich bin hier Ausbildungsleiter, Schichtführer und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit“, gibt von Fugler einen Einblick in seine Tätigkeit, die auch in einem solchen Betrieb natürlich vom handwerklichen Fachwissen geprägt ist. „Auch wenn hier vieles maschinell und automatisch abläuft, die Grundlage ist das Handwerk“, verweist er auf die Tätigkeit in der Konditorei oder in der Teig-Fertigung. Jetzt, in den Tagen vor Weihnachten, warten in den Regalen Hunderte von Stutenkerlen auf ihren Weg in den Ofen.

Kollegin ist Torfrau bei den Sportfreunden

Begonnen hatte Matthias von Fugler als Lehrling unter dem Chef der zweiten Bäckerei-Generation, Reinhard Schneider. Da nahm sich das jetzige Gebilde, das inzwischen von dessen Sohn Philipp geleitet wird, so allmählich die derzeitige Form und Größenordnung an. Auch wenn die Lehrlings-Kollegen kleinerer Betriebe ihn seinerzeit in der Berufsschule etwas spöttisch als „Knöpfchendrücker“ tituliert haben, sein Handwerk versteht der Salchendorfer, wie auch die Kollegen, die hier Nacht für Nacht, Tag für Tag die Produkte erstellen.

„Sonst könntest du hier nicht bestehen“, zeigt von Fugler in die Runde und bleibt mit dem Blick an einer jungen Dame mit Mund-Nasenschutz und Kopfhaube hängen. „Das ist Lea, sie hat bei mir gelernt und ist jetzt Meisterin“, sagt er nicht ohne Stolz. Dass sie auch Fußball spielt, fügt er gleich an. „Sie ist Torfrau bei den Sportfreunden Siegen.“ „Wie denn, nicht bei der Germania?“, fragen wir. „Noch nicht...“, schmunzelt der Vereins-Vorsitzende. Und Lea Knipp lächelt, weiß sie doch, dass sie beim Regionalliga-Tabellenführer in Siegen noch ein paar Klassen über den Salchendorferinnen angesiedelt ist.

Eine starke Gemeinschaft

Weg aus der Weihnachts-Bäckerei, hin zur 830 Mitglieder starken Germania, dem zweiten verantwortungsvollen Standbein Matthias von Fuglers. Seit 2014 ist er der erste Vorsitzende. „Wir arbeiten irgendwie alle zusammen“, schwärmt von Fugler, der Germania-Chef, vom Zusammenhalt der Dorf-Gemeinschaft. „Salchendorf ist sowas wie eine Wohlfühl-Gesellschaft“, schwärmt er. Die Junggesellen-Vereinigung, auch „Wurstekommission“ genannt, an deren Gründung 1920 das Denkmal im Dorfzentrum erinnert, Heimatverein, Musikkappelle, Schützenbruderschaft St. Hubertus, „Treue“, der gemischte Chor – irgendwo findet sich jeder der rund 1250 Dorfbewohner in einem Verein wieder, manch einer gewiss auch doppelt oder dreifach. Besonders stolz ist man auf die „First Lady“ der Republik. Juristin Elke Büdenbender ist die Ehefrau des Bundespräsidenten, gebürtige Salchendorferin.

Große Ziele für das neue Jahr

Mit all‘ dem verbindet sich kurz vor dem Weihnachtsfest die Hoffnung, dass 2021 dieses vielfältige Leben wieder Einkehr hält im Johannland – und natürlich darüber hinaus. „Wir wollen endlich wieder angreifen“, drückt es Matthias von Fugler stellvertretend für alle Nachbarn in Salchendorf aus. Und das meint er durchaus sportlich. Der in diesem Jahr ausgefallene Germanen-Cup soll wieder aufleben, vielleicht sogar in alter Blüte, erinnern an große Duelle vor stattlicher Zuschauerzahl. Die eigenen Fußballer wollen wieder zurück in die Landesliga. Und das Leben an sich soll sich wieder in normalen Bahnen bewegen – mit Feiern und Festen, Begegnungen und natürlich sportlichen Höhepunkten.

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