Inline-Alpin

Maximilian Löw will in drei Jahren zur Weltspitze zählen

Jede Hundertstelsekunde zählt: Maximilian Löw wuchtet sich per „Tigersprung“ über die Ziellinie.

Jede Hundertstelsekunde zählt: Maximilian Löw wuchtet sich per „Tigersprung“ über die Ziellinie.

Foto: Privat

Villablino/Hesselbach.  Maximilian Löw startet bei den Europameisterschaften im Inline-Alpin. Seine Zweifel nach einem mäßigen Saisonstart hat er beiseite gewischt.

Gutes Sitzfleisch ist wichtig. 1949 Kilometer – eine Strecke wohlgemerkt – beträgt die Distanz, die Maximilian Löw auf dem Weg zum Wettkampf im Auto zurücklegt. Im spanischen Nordwesten, in Villablino, geht es für ihn ab heute um Medaillen bei den Inline-Alpin-Europameisterschaften. „Unterwegs frage ich mich schon manchmal, wofür ich das mache“, gibt „Maxi“ zu. „Aber wenn man da ist und fährt, weiß man es wieder.“

Geld spielt jedenfalls keine Rolle, dafür ist die Sportart zu unbekannt. Das Magazin „NoSports“ führte den WM-Sieger von 2018 in ihrer Rubrik „Weltmeister, die keiner kennt“ auf. Die Prämie für einen Tagessieg im Weltcup beträgt 100 Euro, der Gesamtweltcupsieg bringt 400 Euro.

Entscheidender ist für den 18-Jährigen der sportliche Ehrgeiz. „Es ist der Wille, sich immer zu verbessern und der Beste zu sein“, sagt der Hesselbacher. Hinzu kommt der Adrenalinkick, den für ihn jede Fahrt mit sich brint – kein Wunder bei 60 Stundenkilometern und mehr, bei denen es nur scheinbar rhythmisch zwischen den Hindernissen hergeht. Hinzu kommt die Anspannung. „Es ist immer ein schmaler Grat zwischen zu wenig Risiko und dem Ausscheiden durch einen Fehler.“ Oder einem Sturz.

Zweifel nach mäßigem Saisonstart

Vergleichbar ist dies mit alpinen Skirennen, bei denen die Bewegungsabläufe, der Modus und teils sogar die Ausrüstung sehr ähnlich sind. Die Idee, Slalomrennen auf Inlinern durchzuführen, basierte zunächst auch auf der Idee, im Sommer für den Winter zu trainieren. So fing es auch für Maximilian Löw beim SV Oberes Banfetal an: „In Hesselbach fährt grundsätzlich jedes Kind Ski. Ich habe 2004 damit angefangen.“ Also mit drei Jahren.

Ein Jahr später folgten die ersten Gehversuche auf Inlinern. Bis 2013 standen jedoch die Skirennen im Vordergrund, erst danach der Sport auf Rollen, bei dem Löw 2014 erstmals bei Weltcups und bei den Weltmeisterschaften im nahen Oberhundem (Kreis Olpe) mitfuhr.

Seitdem hat sich viel geändert für Löw, aber auch für den Sport, in dem inzwischen der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband die meisten Rennfahrer unter sich vereinigt. Der DRIV stellt auch die Nationalmannschaft, der seit dieser Saison auch Maximilian Löw angehört. Er hat viel an seiner Lauftechnik gefeilt.

Um schnell zu sein, kombiniert er zwei Grundtechniken: Erstens den sogenannten Push, bei dem aus den Knien und aus der Hüfte gearbeitet wird – ähnlich wie beim Skifahren. Zweitens gibt es das Laufen, bei dem zwischen den Toren ein Beschleunigungsschritt erfolgt. „Da drücken wir uns auf Höhe des Tores mit dem Außenskate ab, aber das Laufen ist je nach Abstand der Tore und Geschwindigkeit nicht möglich“, erklärt Löw. Er ergänzt: „Man muss wissen, wann man was macht.“

Das Gespür für die richtige Mischung hat in diesem Sommer allerdings öfters gefehlt. Nach dem achten Weltcup-Gesamtplatz in 2018 stehen bislang „nur“ elfte Plätze beim Weltcup in Mezibori und bei der Weltmeisterschaft im Parallelslalom als Achtungserfolge auf der Habenseite. Am Donnerstagabend, beim dritten Weltcup dieser Saison, wurde es in Villablino Platz 14. Viele Rennen endeten mit einem Torfehler.

Ein Grund ist das Abitur, das Löw in diesem Jahr in Bad Laasphe machte. „Deshalb habe ich weniger trainiert, dadurch fehlte mir Routine. Und wenn du zweimal rausgeflogen bist, kommst du ins Zweifeln“, sagt Maximilian. Dass er zu große Risiken in seinen Rennen eingegangen ist, bereut er aber nicht. „Ich fahre auf einem Level, wo es einfach nichts bringt, zurückzuziehen und einen Sicherheitslauf anzubieten.“

Erst Siegen, dann Stuttgart

Vor den Europameisterschaften, die heute im Slalom und morgen im Parallelslalom ausgetragen werden, ist Löw aber zuversichtlich, die Kurve zu bekommen. Einerseits, weil zuletzt wieder mehr Zeit fürs Training vorhanden war. „Der Bundestrainer [Peter Schödlbauer] hat mich jetzt mental wieder aufgebaut. Ich werde mir diesmal weniger Druck machen als bei der WM.“

Dass es für ihn weit nach vorne gehen kann, weiß Löw. Bei der WM in Barcelona schied er zwar im zweiten Slalom-Lauf aus, im ersten schaffte er es aber auf Platz 7. Dieses Resultat wäre bei der EM ein Erfolg, denn die besten Fahrer der Welt kommen alle aus Europa. Zu denen will er auch mittelfristig gehören.

„Mein Plan ist, in zwei bis drei Jahren in der absoluten Weltspitze zu sein. Ab übernächster Saison ist alles möglich.“ Dann rechnet Löw, der aktuell meist allein trainiert, mit besseren Trainingsbedingungen und will in einer starken Trainingsgruppe einen Schritt nach vorn machen. Nach einem Übergangsjahr an der Universität Siegen wird er nämlich nach Stuttgart ziehen, in eine Inline-Alpin-Hochburg. Als Vorgriff auf diese Zeit hat er sich bereits jetzt dem SV Winnenden angeschlossen.

„Wirtschaftsingenieurwesen kann ich zwar überall studieren, aber wir haben durch den Sport schon viele Wochenenden dort verbracht. In der Gegend fühle ich mich einfach wohl. Und zu den meisten deutschen Rennen ist es dann nicht mehr so weit.“ Nach Villablino sind es dann zwar immer noch 1819 Kilometer, doch die sind auch dann die Sache wert.

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