Motorsport

Mika Moszicke: Elektrokart-Rookie mit hohen Ambitionen

Karts in dichter Folge: Eng wie hier beim Auftakt in Wackersdorf wird es für Mika Moszicke (Nr. 17) fast immer in der DEKM zugehen.

Karts in dichter Folge: Eng wie hier beim Auftakt in Wackersdorf wird es für Mika Moszicke (Nr. 17) fast immer in der DEKM zugehen.

Foto: Loredana Ivancov / www.dkem.de

Aue.   Mika Moszicke steigt in die DEKM ein, eine neue und absolut hochkarätige Rennserie. Dort beginnt für ihn der Kartsport quasi von vorn.

Aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer geht es in 3,5 Sekunden. Eine solche Beschleunigung schaffen nur wenige, sehr schnelle Autos – oder einige Achterbahnen. „Damit kann man es vergleichen. Die Leistung ist sofort an der Achse, der Motor braucht ja keine bestimmte Drehzahl“, verrät Mika Moszicke, wie sich die Fahrt im Elektrokart anfühlt.

Den 16-Jährigen aus Aue könnte man als Pionier bezeichnen oder sogar als Exot, denn er ist einer von 13 Fahrern, die in diesem Jahr um die Krone in der Deutschen Elektrokart-Meisterschaft (DEKM) kämpfen. Für elektrisch betriebene Karts ist es die einzige Serie weltweit, die nach der Premiere in 2018 in ihre zweite Saison geht.

Was im Automobilsport gilt, ist auf das Geschehen bei den Karts übertragbar: Das „E“-Thema spaltet Fans und Fahrer. Nicht wenige sträuben sich dagegen und bevorzugen den traditionellen Zweitakt-Kartsport – vor allem des Motorsounds wegen. „Viele Jugendlichen hören es lieber brummen“, sagt Detlev Moszicke, Vater und Hauptsponsor. Der Kfz-Meister und Autohaus-Leiter gehört zu denen, die von der neuen Sparte begeistert sind: „Durch die ganzen Emissionsgesetze muss sich auch der Motorsport Gedanken machen. Elektrokart soll mal ein eigener Sport werden.“ Vorbild ist die Formel E. „Da fahren jetzt etliche Formel-1-Piloten, aber es hat fünf Jahre gebraucht, bis mal jemand hingeguckt hat.“

Nationalhymne und Umbrella-Girls

Schon länger zu den Fans der Formel E zählt Mika Moszicke: „Ich gucke es gerne. Das Schöne ist, dass dort technisch alle gleich unterwegs sind. Auf der Strecke kommt es wirklich auf das Können an.“ So ist es auch in der DEKM: Hersteller Rotax stellt baugleiche, 130 km/h schnelle und 160 kg schwere Prototypen zur Verfügung, die irgendwann in Serie gehen könnten.

Nicht nur an der Technik zeigt sich, dass es sich um eine absolut hochkarätige Serie handelt: Gemeldet sind Piloten aus sieben Nationen, die Rennen verteilen sich auf Deutschland (Wackersdorf, Kerpen, Ampfing), Belgien (Genk) und Italien (Sarno bei Neapel). Zum Rahmen gehören Live-Streams im Internet, Umbrella-Girls bei der Startaufstellung und die Nationalhymne bei der Siegerehrung. Gekämpft wird um ein Preisgeld von 38.500 Euro, so dass zumindest die Besten das Nenngeld von 12.900 Euro wieder einspielen – der Champion kommt zudem ins Ausbildungsprogramm von Porsche.

Nur logisch ist da, dass der Start mit hohen Ambitionen verbunden ist. „Mein Ziel in diesem Jahr sind die Top Fünf, 2020 will ich ganz oben attackieren“, sagt Mika: „Für mich soll das der Einstieg in den Motorsport sein.“

Um seine Ziele zu erreichen, muss er der Gymnasiast schnell lernen. Einerseits, weil beim Auftakt in Wackersdorf (Oberpfalz) am vergangenen Wochenende „nur“ zwei siebte und zwei zehnte Plätze heraussprangen. Aber auch, weil die meisten Konkurrenten ihm viele Jahre Erfahrung auf der Rundstrecke voraus haben. „Wir sind absolute Rookies, deshalb war das erste Ergebnis genial“, sagt Detlev Moszicke. Kart-Erfahrung hat Mika bislang durch Slalomrennen und -training beim EMC Erndtebrück, was aber mit den nun anstehenden Veranstaltungen wenig gemeinsam hat.

Knackpunkt Boost-Funktion

Beim Slalom geht es darum, allein eine schnelle Runde zu fahren, nun stehen die Karts gemeinsam am Start. Mit mindestens zehn Minuten sind die Rennen nun deutlich länger. Neben dem fahrerischen Können, dem richtigen Erwischen von Brems- und Einlenkpunkten, spielt Taktik eine ganz große Rolle.

Erst recht, weil die Karts mit einer Boost-Funktion ausgestattet sind. Diese stellt für fünf Sekunden acht PS zusätzlich zur Verfügung, muss aber wieder aufgeladen werden und ist frühestens nach 30 Sekunden wieder verfügbar. „Da geht es darum, wie man sich die Energie richtig einteilt, wie man sie über das Rennen richtig streckt“, erklärt Mika Moszicke. Entsprechend gilt es auch, den Windschatten clever zu nutzen: „Und man muss das Kart auch mal richtig ausrollen lassen.“

Dass Kleinigkeiten entscheidend sind, zeigt das erste Rennen: In der Qualifikation lagen die ersten zehn Fahrer innerhalb von 0,3 Sekunden, auch im Rennen ist das Feld sehr eng beisammen. „Da darf man sich keinen Fehler erlauben, sonst ist man raus“, hat Moszicke gelernt.

Mit dem Wechsel in die DEKM sind auch die athletischen Anforderungen gewachsen: „Die E-Karts haben sehr viel Drehmoment und sind durch ihre Akkus 80 kg schwerer als andere Karts. Wir brauchen mehr Muskeln als gewöhnlich, um uns auf der Strecke zu halten. Also ist Training angesagt.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben