Turnen

Philipp Herder bangt um die persönliche Olympia-Qualifikation

Foto: imago/Schreyer

Rio de Janeiro/Siegen.   Philipp Herder (23) von der Siegerländer Kunstturn-Vereinigung hat mit der deutschen Turnerriege das Ticket für Rio 2016 gelöst. Um seine persönliche Olympia-Quali muss Herder noch bangen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Andreas Hirsch redete gar nicht um den heißen Brei herum. „Es war eine ätzende Zeit zwischen der WM und diesem Event hier. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Da war es schwer, nicht gleich am Rad zu drehen, sondern Vernunft walten zu lassen und Abstand zu gewinnen“, sagte der 58 Jahre alte Hirsch, seines Zeichens Cheftrainer der deutschen Turnerriege.

Diese reparierte den Betriebsunfall Rang neun bei der zurückliegenden WM und sicherte sich im Nachsitzen durch einen Sieg beim Olympic Test Event in Rio de Janeiro den Sprung in den olympischen Mannschafts-Wettbewerb.

Während sich auch in Rio de Janeiro vieles um Stars wie Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider drehte, zeigte auch ein in der Region wohl bekannter Turner eine äußerst starke Leistung: der 23-jährige Philipp Herder vom Erstligisten Siegerländer Kunstturn-Vereinigung.


Hallo und herzlichen Glückwunsch, Philipp. Wie groß war und ist die Erleichterung bei Ihnen und der Mannschaft nach der doch noch geschafften Olympia-Qualifikation?
Philipp Herder: Wir sind alle sehr erleichtert und froh, die Olympiatickets endlich in der Tasche zu haben. Das wurde natürlich auch entsprechend gefeiert. Da wir in der ersten Subdivision gestartet sind, hatten wir dafür noch den ganzen Tag Zeit. (lacht) Außerdem waren wir uns auch relativ sicher, dass wir nach unserem Durchgang kaum noch zu schlagen waren.


Wie haben Sie den Triumph gefeiert? So, wie man es sich in Rio vorstellt: Nett mit dem einen oder anderen Cocktail an der Copacabana?
An der Copacabana war es zwar nicht, aber es gibt auch weitaus schönere Strände hier als die Copacabana... also für uns.


Man liest von einem Verkehrschaos in Rio, von Sicherheitskräften mit Schnellfeuergewehren – wie ist Ihr Eindruck von Rio, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele?
Das Verkehrschaos ist schon groß. Aber das, was mir zu denken gibt, sind die vielen Baustellen auf dem Olympiagelände. Es sieht alles noch ein wenig unfertig aus. Aber ich denke, die Brasilianer werden das bis August noch hinbekommen.


Viele Experten trauten dem Team diesen Erfolg ohne den verletzten Fabian Hambüchen nicht zu – hat sich die Mannschaft jetzt etwas „freigeschwommen“?
Also für uns war von Anfang an klar, dass wir die Tickets auch ohne Fabi sichern können. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wer behauptet hätte, dass wir es nicht schaffen könnten. Natürlich ist es schade, dass er verletzungsbedingt ausgefallen ist, aber ich hoffe, dass seine langwierige Schulterverletzung bald ausgeheilt ist und er zurückkehrt.


Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistung? Entgegen der Planungen setzte der Bundestrainer Sie sogar an fünf statt nur vier Geräten ein.
Meine Aufgabe im Team war es, solide und berechenbar Punkte für die Mannschaft zu erturnen. Deswegen war ich auch an jedem Gerät Startturner. Diesen „Job“ habe ich soweit erst einmal gut gemacht. Unzufrieden bin ich nur mit meiner Vorstellung am Barren, bei der ich ein paar Punkte liegen gelassen habe. Ich konnte die Übung zwar durchbringen, wäre aber in der Lage gewesen, einen Punkt mehr zu turnen.


Mit welchen Zielen reisen Sie nun im Sommer nach Rio? „Ich denke, das Teamfinale wäre schon cool. Wenn wir uns noch steigern und wenige Fehler machen, können wir da als Team auch um die Bronzemedaille kämpfen“, sagte Ihr Teamkollege Marcel Nguyen bereits.
(schmunzelt) Das hört sich gut an. Aber jetzt muss ich mich erst einmal persönlich für die Olympischen Spiele qualifizieren, was für mich die größte Hürde darstellen wird. Um das zu schaffen, muss ich noch einige Asse aus dem Ärmel ziehen. Die Chance ist realistisch betrachtet gering – das hält mich aber nicht davon ab, alles zu versuchen, um noch einmal nach Rio zu kommen.


Um anschließend als Olympiateilnehmer für die SKV in der Bundesliga zu turnen.
Die Liga-Saison beginnt im Oktober wieder – und ich freue mich jetzt schon darauf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben