Pass in die Gasse #179

Der DFB und die Farce mit der „Bolzplatzmentalität“

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Oliver Bierhoff fordert wieder mehr Straßenfußball. Damit macht sich der DFB vom Saulus zum Paulus, weil er selbst lange das Gegenteil predigte.

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Marco Richter sorgt dieser Tage für ordentlich Furore bei der U21-EM in Italien. Vor allem die Art seines Fußballs entfacht über den Spielfeldrand hinaus Gesprächsstoff. Indes geht es um die Kardinalfrage, wie der DFB seine Talente in Zukunft fördern will. Da beklagte Jogi Löw doch ernsthaft, dass junge Spieler jahrelang dazu „verdonnert wurden“ Pässe spielen zu müssen: „Wenn wir versuchen, alle gleichzustellen, bekommen wir auf Dauer ein Problem.“

Oliver Bierhoff pflichtete diesem jüngst bei, forderte mehr „Bolzplatzmentalität“ und träumt plötzlich von einer Revolution im Ausbildungsbereich. Marco Richter wird indes immer wieder zum rhetorischen Spielball. Das Intuitive sei bei ihm laut Trainer Stefan Kuntz nämlich „extrem ausgeprägt.“ Nur eine Bolzer-Grätsche später schreibt die WELT: „U21-Matchwinner passt ideal ins neue Anforderungsprofil der DFB-Chefs“.

Um das nochmal klarzustellen: Da fordern diejenigen, die über Jahre hinweg Ballbesitzfußball und ein System predigten, in dem jeder Spieler jeden ersetzen konnte und musste, plötzlich individuelle Ausbrüche von Freigeistern?! Mache das, was du versäumt hast, zu deinem eigenen Programm und werde über Nacht vom Saulus zum Paulus – ein Klassiker der Politikgeschichte. Doch geht es hier leider um mindestens zehn Jahrgänge Kinder und Jugendliche, die Dank DFB von Viererketten und Tikitaka nahezu traumatisiert sind und nun als ideenlose, eintönige Kicker dargestellt werden. So etwas Hinterhältiges würde es am Bolzplatz nicht geben.

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