Der Laufartikel #1

Schlacht und Schuhverkauf – kleine Geschichte des Marathons

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Foto: Sascha Kertzscher / WP

Marathon! Woher stammt die Begeisterung und Bedeutung für die große klassische Laufdistanz, auf die fast jeder Läufer einmal schielt?

Fast alle Laufbegeisterten konfrontieren sich irgendwann mit der Herausforderung eines Marathons. Doch woher stammt diese Sogkraft? Der Ur-Marathoni Pheidippides rannte 490 v. Chr. von Marathon nach Athen, um den Sieg über die Perser zu verkünden. Statt sich über die neue Bestzeit mit einer Finisher-Medaille bei isotonischen Getränken zu freuen, soll Pheidippides im Zielbereich völlig erschöpft gestorben sein.

Nicht tödlich, aber dramatisch ging es 1908 bei den Olympischen Spielen in London zu: Der Italiener Dorando Pietri hatte mehrere Minuten Vorsprung, als er unweit des Ziels kollabierte. Von Außenstehenden gestützt, kämpfte er sich als erster ins Ziel. Nachdem der zweitplatzierte John Hayes Einspruch eingelegt hatte, wurde er zum ersten Olympiasieger über die bis heute gültige Distanz von 42,195 km.

Das Olympische Komitee zeigte sich bereits vor über 100 Jahren bei Fragen der Regelauslegung flexibel und ergänzte die klassischen 40 km zwischen Marathon und Athen um weitere 2,195 km, damit das Rennen in Sichtweite der englischen Königsfamilie in Windsor beginnen konnte.

Wenig später wurde ein direktes Duell zwischen Hayes und Pietri im New Yorker Madison Square Garden als großes Spektakel ausgetragen – der Italiener siegte. Noch aufwendiger war das Projekt eines Sportartikelherstellers, bei dem im Herbst 2019 in Wien mit Eliud Kipchoge erstmals ein Mensch – laufschuhverkaufswirksam – einen Marathon in knapp unter zwei Stunden bestritt. Durch das Prinzip wechselnder Tempomacher werden die 1:59:40 Stunden nicht als offizielles Ergebnis anerkannt.

Nun ließe sich spekulieren, ob Pheidippides in Kipchoges Schuhen weniger zerstört in Athen angekommen wäre. Andererseits wäre der Marathon damit wohl um seinen existenziellen Gründungsmythos beraubt.

Anno Dallmann (36) befasst sich in seiner Kolumne mit Themen rund um den Laufsport. Der gebürtige Rheinländer lebt und arbeitet als freier Künstler sowie Lehrer in Siegen, gehört dem TuS Deuz an, läuft gerne und lange – so lange ihn die Achillesferse trägt

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