TuS Ferndorf

Schneider-Brüder sind mit dem Handball groß geworden

Julian Schneider, wie ihn die Fans kennen: Durchsetzungsstark und kompromisslos, manchmal mit dem Kopf durch die Wand wollend.

Julian Schneider, wie ihn die Fans kennen: Durchsetzungsstark und kompromisslos, manchmal mit dem Kopf durch die Wand wollend.

Foto: Reinhold Becher

Am Samstag beginnt die Saison in der 2. Handball-Bundesliga. Feste Größen im Team des TuS Ferndorf sind die Brüder Julian und Lucas Schneider.

Ferndorf. Spielende Brüderpaare haben beim TuS Ferndorf mittlerweile eine kleine Tradition entwickelt. Lange Zeit stand TuS Ferndorfs Sportlicher Leiter Mirza Sijaric zusammen mit seinem Bruder Alen auf der Platte. Aktuell stehen neben Linus und dem U21-Nationalspieler Mattis Michel auch wieder die „Schneiders“ – Julian und Lucas – im Kader der Zweitligamannschaft. Mitarbeiter Julian Maletz hat sich kurz vor dem Start in die neue Saison mit den Ur-Ferndorfern unterhalten.


Die lange Vorbereitung ist endlich vorbei. Nach dem Pflichtspielauftakt am Wochenende im DHB-Pokal geht es am Samstag endlich um Punkte. Sind Sie froh, dass es endlich wieder losgeht?
Julian Schneider:
Auf jeden Fall. Man ist immer froh, wenn die intensive Vorbereitungszeit zu Ende ist. Wir hatten eine Masse an Einheiten. Die Mannschaft hat sich aber mittlerweile gefunden und ist heiß auf den kommenden Samstag.
Lucas Schneider: Für mich endet dann ja auch vor allem die lange Auszeit, nachdem ich die komplette Rückrunde verpasst habe. Ich bin froh, wieder im Mannschaftstraining zu sein und den Ball wieder fliegen zu lassen. Aus Vorsichtsgründen habe ich vergangenes Wochenende noch nicht gespielt, aber ich freue mich schon riesig auf die Atmosphäre in der Stählerwiese am Samstag.


Vergangene Saison hat das Team gerade in der Hinrunde in allen Belangen überzeugt und sicherlich auch viele überrascht. Bekanntlich ist das zweite Jahr aber immer das schwierigere. Ist die Mannschaft in der Lage, an die Leistung der vergangenen Saison anzuknüpfen beziehungsweise diese sogar zu steigern?
Julian Schneider:
Ich glaube, dass das Potenzial und die Bereitschaft dazu auf jeden Fall da sind. Wir haben einige neue Puzzleteile dazu bekommen, die uns definitiv weiterhelfen. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass wir sicherlich nicht mehr unter dem Radar fliegen werden. Wir müssen auf unsere Stärken, vor allem die Abwehr, bauen, aber eben auch neue Sachen mitreinnehmen. Der Start in die Saison wird maßgeblich dafür sein, wie es laufen wird.
Lucas Schneider: Julian hat es schon richtig gesagt, die ersten Spiele werden ganz entscheidend sein, um eben auch nicht unten reinzurutschen. Der Auftakt mit Hamburg, Essen, Aue, Emsdetten und Rimpar ist sicherlich nicht einfach. Ich sehe aber die Möglichkeit, dass wir mit 8:2 Punkten daraus gehen können. Wenn wir dann darauf aufbauen können, ist sicherlich wieder viel möglich.


Kommen wir mal etwas genauer zu euch. Ein leidiges Thema bei Ihnen sind leider die Verletzungen, mit denen Sie immer wieder zu kämpfen haben. Eine Saison ohne Verletzungen und das Sie beide mal durchspielen können, wünschen Sie sich sicherlich, oder?
Lucas Schneider:
Die vergangenen drei Spielzeiten habe ich immer nur in der Hinrunde auf dem Feld gestanden. Wir haben nicht eine Saison zusammen zu Ende gespielt. Es kam hier immer viel Pech dazu. Ich will es dieses Jahr auf jeden Fall versuchen, verletzungsfrei zu bleiben.


Es ist sicherlich auch etwas deprimierend, wenn man sieht, wie die Mannschaft in der vergangenen Saison teilweise aufgetrumpft hat, aber man selbst war an die Seitenlinie gebunden.
Julian Schneider:
Das stimmt. Ich habe in der Hinrunde ja einige Spiele verpasst. Man freut sich natürlich für die Jungs, aber es ist einfach ein anderes Gefühl, wenn man selbst auf der Platte gestanden hat und etwas zum Sieg beigetragen hat.


Fünf bis sechs Mal die Woche Training, dazu die Spiele am Wochenende. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Familie, Freunde und Co.?
Julian Schneider:
Wir haben jetzt beide unser Bachelor-Studium abgeschlossen, das hat auch viel Zeit in Anspruch genommen. Der Freundeskreis ist vor allem im Handballumfeld. Die sind es gewohnt, dass wir viel Zeit in den Sport investieren. Aber man merkt schon, dass die Abende einfach weg sind. Oft stößt man spät nach dem Training vielleicht noch in eine Runde dazu. Insgesamt bekommt man es schon ganz gut unter, was aber auch daran liegt, dass ich ja nicht Vollzeit arbeite.
Lucas Schneider: Mit dem Dualen Studium, das ich bei Kieser gemacht habe, hatte ich natürlich eine hohe Belastung mit Arbeit, Studium und Handball. Jetzt habe ich das erste Mal seit drei Jahren wieder etwas mehr Zeit, mich auf den Handball zu konzentrieren. Ich werde jetzt in Siegen ein Masterstudium im Bereich Energieversorgungs-Management anfangen, bin aber deutlich flexibler als vorher. Die Ruhe, die ich jetzt hatte, tat meinem Körper ganz gut. Ansonsten sind es Freunde und Familie einfach gewöhnt, dass wir nicht so viel Zeit haben, aber man bekommt schon alles unter einen Hut. Ich wohne auch in einer Vierer-WG, und da ist eigentlich auch immer was los. Man verlebt keine langweiligen Abende.


Um an die Frage nochmal anzuknüpfen: Wie sieht bei Ihnen ein Sonntag in der spielfreien Zeit aus?
Lucas Schneider: Die vier Wochen, die wir im Juni mal gar nichts machen, nenne ich gerne den goldenen Monat. Den nutze ich dann für Urlaub und Reisen, um einfach mal rauszukommen und nicht an Handball zu denken. Ansonsten verbringe ich die Sonntage auch gerne mal mit einer anderen Sportart. Wir treffen uns dann zum Basketball oder Tennis. Aber ich genieße die Sonntage dann auch gerne mal auf der Couch und lasse den ganzen Tag Sport im TV laufen. Da ist DAZN natürlich super.
Julian Schneider: Der trainingsfreie Monat ist schon mit die schönste Zeit im Jahr. Ich bin dann auch viel unterwegs, und es ist schön, einfach mal den Kopf frei zu kriegen. Dieses Jahr war ich in Norwegen unterwegs zum Wandern. Ansonsten kann an einem Sonntag auch einfach mal wenig gemacht werden. Vielleicht ein ausgiebiges Frühstück und rausgehen, wenn das Wetter passt, aber ich bin auch mal froh, auf der Couch zu faulenzen (lacht).


Sie haben beide das Abitur in Kreuztal gemacht. War es für Sie immer einfach, Schule und jetzt auch Studium mit dem Handball zu verknüpfen?
Julian Schneider:
Das war schon sehr gut miteinander vereinbar. Da haben uns, glaube ich, andere Dinge abgelenkt als der Handball (beide lachen). Wir hatten immer Spaß und haben ja auch viele Leute kennen gelernt und auch Freundschaften geknüpft. Der Handball ist aber sicherlich nicht an dem etwas bescheidenen Abitur schuld (lacht).
Lucas Schneider: Wir sind ja quasi mit dem Handball von Anfang an groß geworden. Natürlich wurde es dann irgendwann mehr, als wir gemerkt haben, dass Talent schon vorhanden ist. Es hat sich aber immer ganz gut verknüpfen lassen. Ich war auch sehr dankbar, dass die Schule (Anm.d.Red.: Städtisches Gymnasium Kreuztal) mir viele Zugeständnisse gemacht hat, was Lehrgänge und dergleichen betraf. Jetzt, in der Zeit des Dualen Studiums, war es deutlich anstrengender. 32 Stunden Arbeit in der Woche plus Studium und Training sind schon sehr intensiv. Jetzt, mit dem Beginn des Masterstudiums, wird es für mich wieder etwas entspannter.


Lucas, Sie haben damals im letzten A-Jugend-Jahr den Schritt zum TSV GWD Minden gewagt. Hat Sie diese Zeit als Mensch und Sportler reifen lassen und zu mehr Selbstständigkeit geführt?
Lucas Schneider:
Ich hatte auch vorher die Möglichkeit zu gehen, wollte aber auf jeden Fall mein Abitur hier in Kreuztal im gewohnten Umfeld machen. Ich würde schon sagen, dass mich dieser Schritt extrem geprägt hat. Minden war eine tolle Erfahrung. Ich kannte bereits vorher durch die Westfalenauswahl einige Jungs und bereue diesen Schritt auf keinen Fall.
Julian, Sie hätten sicherlich auch die Möglichkeit zu einer Luftveränderung gehabt. Bereuen Sie es, dies nicht gemacht zu haben beziehungsweise bewundern Sie Lucas für dessen Schritt?
Julian Schneider: Ich war schon stolz auf meinen kleinen Bruder, ohne Frage. Ich trauere dem aber nicht hinterher, es selbst nicht gemacht zu haben. Ich glaube, ich habe meinen Weg beim TuS gemacht. Darauf bin ich auch stolz. Es freut mich, dass Lucas vor einigen Jahren zurückgekommen ist.


Wenn Sie eine spezielle Eigenschaft vom anderen aussuchen könntet, welche wäre das ?
Julian Schneider: Lucas ist definitiv der organisiertere von uns beiden und auch der ordentlichere. Das wäre sicherlich das, was ich mir von ihm kaufen würde. Da hat ihm sicherlich auch die Zeit in Minden geholfen. Wir ergänzen uns insgesamt einfach sehr gut. Es darf gerne alles so bleiben, wie es jetzt ist.
Lucas Schneider: Von Julian wünsche ich mir manchmal seine Unbekümmertheit, einfach Sachen zu machen, ohne groß darüber nachzudenken. Als wir noch kleiner waren, habe ich immer zu Julian aufgeschaut und vieles so gemacht wie er. Ansonsten schweben wir sehr auf einer Wellenlänge, sind aber als Typ trotzdem unterschiedlich. Das zeichnet uns sicherlich auch aus.


Zum Abschluss zurück zum Sportlichen. Wer sind für Sie die Favoriten, wo landet der TuS am Ende und auf welche Spiele freuen Sie sich besonders?
Lucas Schneider: Bietigheim ist für mich der Favorit. Dahinter sehe ich Coburg, Hamm und Essen. Aber ich finde, dass die Liga dieses Jahr sehr ausgeglichen und vieles möglich ist. Für uns lautet das Ziel einstelliger Tabellenplatz, was meiner Meinung nach auch realistisch ist. Vor allem die Derbys gegen Gummersbach werden ein Highlight. Vor zehn Jahren hat sicherlich niemand geglaubt, dass der TuS Ferndorf mal ein Ligaspiel gegen den VfL Gummersbach spielen wird.
Julian Schneider: Lucas hat eigentlich alles gesagt. Die Favoriten sind bei mir dieselben. Gummersbach wird sich erstmal finden müssen, dann haben sie aber auch eine starke Truppe zusammen. Wenn wir gut in die Saison finden, dann ist ein einstelliger Tabellenplatz auf jeden Fall machbar. Ich freue mich vor allem auf das Weihnachtsspiel in Hamburg am 26. Dezember. Und ich möchte auf jeden Fall die Spiele gegen unsere Angstgegner Rimpar und Aue gewinnen.

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