Kunstturnen

Siegerländer KV: Eine zwangsläufige Rückkehr

Das Kunstturn-Landesleistungszentrum in Dreis-Tiefenbach erlebt am 3. und 10. Oktober eine Renaissance. Nach vielen Jahren Abstinenz finden dort wieder Bundesliga-Wettkämpfe statt – notgedrungen ohne Zuschauer, mit teils neuen Geräten und unter besonderen Bedingungen.​

Das Kunstturn-Landesleistungszentrum in Dreis-Tiefenbach erlebt am 3. und 10. Oktober eine Renaissance. Nach vielen Jahren Abstinenz finden dort wieder Bundesliga-Wettkämpfe statt – notgedrungen ohne Zuschauer, mit teils neuen Geräten und unter besonderen Bedingungen.​

Foto: daniel uhlig

Kunstturn-Bundesligist Siegerländer KV kehrt mit den Heimwettkämpfen an ihre Wurzeln zurück. Das sind die Gründe.

Dreis-Tiefenbach. Der Countdown läuft! Am übernächsten Samstag, 3. Oktober, beginnt für die Kunstturnriege der Siegerländer KV (SKV) eine Bundesliga-Saison, die es in mehr als 50 Jahren Deutsche Turn-Liga (DTL) so noch nicht gegeben hat. Sie wird in einem völlig neuen Modus ausgetragen und es wird keine Absteiger geben. Das für die meisten Vereine aber viel größere Problem ist die „corona-gerechte“ Durchführung der Heimwettkämpfe, von denen es in der Gruppenphase für alle zwei geben wird.

Die SKV turnt am 3. Oktober gegen den mehrfachen Deutschen Meister KTV Straubenhardt und am 10. Oktober gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt im Landesleistungszentrum in Dreis-Tiefenbach. Der letzte Gruppenwettkampf ist am 17. Oktober beim SC Cottbus, bevor es im November in die K.o.-Phase geht.

Die Gründe

Aus SKV-Sicht gibt es für den Verzicht auf Heimwettkämpfe vor großer Kulisse in der Sporthalle Stählerwiese in Kreuztal oder den Siegener Sporthallen am Giers- bzw. Schießberg zwei triftige Gründe. Für einen externen Heimwettkampf muss die SKV den Gerätepark bei Spezialfirmen anmieten. Die Geräte werden am Wettkampftag von einem rund 40 Personen starken und bewährten SKV-Team auf- und abgebaut. „Wir wollen es unseren Leuten nicht zumuten, diese schwere Arbeit mit einem Mund-Nase-Schutz machen zu müssen“, sagt SKV-Präsident Reimund Spies.

Zum zweiten gab es für alle Bundesligisten erst sehr spät terminliche Planungssicherheit, stand lange auf der Kippe, ob es überhaupt eine DTL-Saison geben würde. „Der Deutsche Turnerbund und die DTL haben uns lange im Ungewissen gelassen“, kritisiert Spies. Deshalb war auch eine frühzeitige Hallenbelegung nicht umsetzbar, reifte der Plan von der Wettkampf-Durchführung in Dreis-Tiefenbach.

Der Gerätepark

Für Reimund Spies und das Orga-Team war es von großer Bedeutung, dass es die Stadt Netphen, die zusammen mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein der Träger des Turnzentrums ist, erlaubte, dass die Geräte bis zum 11. Oktober in der Halle bleiben dürfen. Man muss wissen: Der hintere Teil wird von anderen Gruppen genutzt, die in dieser Zeit zurückstehen müssen.

Die Geräte müssen aus Sicherheitsgründen der von der DTL vorgeschriebenen Norm entsprechen und werden deshalb im Vorfeld gewartet und geprüft. Das letzte Wort hat aber das Kampfgericht. Um den Turnern optimale Bedingungen bieten zu können und die Zertifizierung zu erhalten, haben die SKV-Verantwortlichen die Auflage am Pferdsprung und Verstrebungen an der Anlaufbahn erneuert. Richtig „ins Geld“ ging allerdings die Anschaffung eines neuen Sprungtisches und eines neuen Recks. Die Kosten für die neuen Geräte, die Instandsetzung und die fachgerechte Prüfung summieren sich auf einen kleinen fünfstelligen Betrag – Geld, das zunächst einmal die Siegerländer KV aufbringen muss.

„Letztlich profitieren wir als Verein und unsere Turner, Spitzen- wie Nachwuchskräfte, natürlich von hochmodernen Sportgeräten, im Wettkampf wie im Training“, sieht Reimund Spies auch einen positiven und perspektivischen Aspekt dieser Investition.

Die Rahmenbedingungen

Beim „Revival in Dreis-Tiefenbach“ sind Zuschauer nicht zugelassen – ganz im Gegensatz übrigens zu früheren Zeiten, als die SKV noch nicht in große Hallen auswich. Damals gab es Platz für 80 bis 100 Besucher, die dicht an dicht saßen und auf Tuchfühlung mit den Athleten für eine ganz besonders „enge“ Atmosphäre sorgten. „Das ist in Corona-Zeiten nicht möglich“, verdeutlicht Reimund Spies und hofft auf das Verständnis der Turnfans.

Zwischen 80 und 100 Personen werden sich an den Heimwettkämpfen in der in verschiedene Zonen eingeteilten Halle aufhalten. Das Gros bilden die beiden Riegen plus Trainer und Physiotherapeuten (jeweils 21). Bei diesen Delegation wird im übrigen vor dem Wettkampf die Temperatur gemessen. Dazu kommen das Kampfgericht, das von der SKV gestellte Gerätepark-Team, medizinisches Personal und eine kleine Zahl an Vertretern verschiedener Medien. Damit die Corona-Schutzmaßnahmen und weitere DTL-Auflagen eingehalten werden, wird SKV-Vorstandsmitglied Horst-Walter Eckhardt als Organisationsleiter eingesetzt.

Das Bonbon

Die SKV-Heimwettkämpfe in Dreis-Tiefenbach werden mit Hilfe von zwei Kameras auf sportdeutschland.tv live übertragen. Dafür wurde eine heimische Produktionsfirma beauftragt. „Das ist ein besonderer Service für unsere Fans“, so Reimund Spies.

Weil es auch Fachkommentare von Experte Sebastian Spies und Moderator Christian Klein und ein Live-Scoreboard geben wird, dürften sich zumindest einige Kunstturnfreunde ein bisschen an das „Original“ erinnert fühlen.

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