Sprache des Sports #44

Splashdiving: Offene Kanonenkugel, Belly Flop und Arschbombe

So soll es aussehen beim Splashdiving: Der Springer lässt es ordentlich spritzen, die Zuschauerin geht schon in Deckung.

So soll es aussehen beim Splashdiving: Der Springer lässt es ordentlich spritzen, die Zuschauerin geht schon in Deckung.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Talent braucht man nicht unbedingt, aber Mut. Beim Splashdiving wird das Spektakel bisweilen mit Schmerzen erkauft.

Jeder hat die grazilen, fast schon zerbrechlich wirkenden Athleten vor Augen, wenn bei Olympischen Spielen Turmspringen übertragen wird. Mit Waschbrettbauch und engen Höschen steigen sie auf den Sprungturm, beweisen außergewöhnliche Körperkontrolle und tauchen (im besten Fall) nahezu geräuschlos ins Wasser ein. Der Beifall der Zuschauer ist lauter als der eigentliche Sport.

Doch es geht auch anders. Mutige, meist jedoch weniger grazile Personen haben sich eine Nische im Wassersprungsport gesucht und das „Splashdiving“ zur Kultsportart für harte Kerle gegründet. Die Idee dahinter ist einfach und unterscheidet sich entscheidend vom Grundgedanken des ästhetischen Turmspringens. Kurz formuliert: Hauptsache es knallt.

Seit 1700 wird auf Hawaii das Lele Pahu (deutsch: Trommel-Tauchen) praktiziert. Das Ziel ist es, beim Aufprall so viel Wasser wie möglich in die Luft zu spritzen.

In Mitteleuropa hat es bis ins Jahr 2004 gedauert, ehe es die ersten Weltmeisterschaften im Splashdiving gab. Schaut man sich im Internet Inspirationen für die „perfekte Arschbombe“ an, so werden einem 13 verschiedene Techniken aufgezeigt, die auf äußerst schmerzhafte Art und Weise zum Ziel führen sollen. So zum Beispiel die „offene Kanonenkugel“, bei welcher der Springer vom 10-Meter-Turm in Richtung Wasseroberfläche segelt. Er spreizt in der Luft seine Beine zu einem V und verharrt in dieser Position, bis der unausweichliche Aufschlag kommt. Spritzendes Wasser ist garantiert. Schmerzen auch. Bis zu 15 Meter in die Höhe erstrecken sich die daraus resultierenden Fontänen und lassen zumindest im heimischen Freibad die Leute staunen.

Wer kein Talent dafür mitbringt, der wagt sich an einen einfachen, aber effektiven Trick, der noch jeden Blick auf sich gezogen hat – den belly flop, bei uns bekannt als Bauchklatscher. Kinder praktizieren ihn ständig, beim Splashdiving ist er die ultimative Mutprobe. Achtung: je größer Sprunghöhe und Körpergewicht, desto eher sind ernste Verletzungen möglich.

Der „Sportler“ versucht beim belly flop mit ausgebreiteten Armen als erstes mit dem Bauch die Oberflächenspannung des Wassers unter sich zu brechen – was in der Regel in einem großen Knall endet und mit Schmerzen einher geht. Talent braucht man dafür nicht, aber Mut.

In der Rubrik „Sprache des Sports“ erläutert die WP spezifische Begriffe verschiedener Sportarten.

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