Sprache des Sports #39

Spott beim Sport: Luschen und Touris, Pillefüße und Blåbärar

Leichtfüßig geht anders: Eine Gruppe Pillefüßer beim Rennsteiglauf in Thüringen.

Leichtfüßig geht anders: Eine Gruppe Pillefüßer beim Rennsteiglauf in Thüringen.

Foto: Sascha Fromm

Bad Berleburg.  Der Spott für Hinterherlaufende kennt viele Begriffe – manche mehr, manche weniger boshaft. Einige verschwinden mit der Zeit aus dem Wortschatz.

Das „Ballern“ fristete lange ein Schattendasein, ist nun aber in Mode – dass dieser Begriff im Jargon der Lauf-Szene in aller Munde ist, haben wir vor zwei Wochen an dieser Stelle festgestellt. Da Sprache einem steten Wandel unterliegt, gibt es auch den umgekehrten Fall: Wörter verschwinden aus dem Sprachgebrauch. „Von Großkeulern und Pillefüßen“ heißt ein 2005 von Peter Gehrmann herausgebrachtes Buch.

Pille-was? Geht es um Fußball? Oder Pillepalle? Mitnichten.

„Pillefüße, das sind die, die hinterherlaufen und bei den Stadtmarathons vom Allgemeinbeifall der Zuschauer leben, die sich beim Langlaufrennen gegenseitig auf die Skispitzen latschen oder die man beim Orientierungslauf mehr stehend als laufend im Wald sieht“, erklärt Gehrmann, der als einer der Schöpfer des Hermannslaufs Großes in seinem Sport bewegt hat. Eine Blitzumfrage unserer Redaktion offenbart jedoch: Mit diesem Begriff weiß, auch bei den älteren Semestern, niemand etwas anzufangen. Denkbar ist, dass der Pillefuß nur regionale Bedeutung erlangte.

Wanzen und Schlurfsäcke

Macht aber nichts: Die Sportsprache kennt viele Begriffe des Spotts für die, die nicht vorne dabei sind. Manche sind mehr, manche gar nicht boshaft. Es Touristen oder Touris – beim Radfahren gerne mit dem Ketten-Abdruck an der Wade. Ferner gibt es Landschaftsläufer, Wanzen, Graupen, Luschen, Nieten, Schlurfsäcke und Sackhüpfer.

Aber Pillefuß? „Nie gehört“, sagt auch Detlef Buchwald, Vorsitzender des Skiclubs Girkhausen. Er kennt aber ein schönes Synonym aus dem Skilanglauf: „Blåbärar“ (Blaubeeren) werden beim Wasalauf die genannt, die nicht zum Vorderfeld zählen und sich am Verpflegungsstand die Startnummer mit Blaubeersuppe vollkleckern. Buchwald hat kein Problem damit, ein „Blåbärar“ zu sein – einerseits, weil Finisher des Wasalaufs grundsätzlich keine Nieten sind, andererseits, weil er bei seinen Teilnahmen gerne am Blaubeerstand verweilt hat: „Die Suppe ist lecker und macht dir den Akku wunderbar wieder voll.“

Gehrmanns „Pillefüße“ kennt Buchwald zwar nicht, wohl aber die „Keuler“. So weiß er, dass diese nichts mit Tierschlachtungen oder Masturbation zu tun haben. „Keuler sind die, die richtig Stoff geben.“ Wer stetig um den Sieg mitrennt, der kann sogar zum Großkeuler aufsteigen

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In der Rubrik „Sprache des Sports“ erläutert die WP spezifische Begriffe verschiedener Sportarten.

wenn die loipe schleimig wird, kommt es auf die technik an

auf der „schweinestrecke“ braucht es tierisches stehvermögen

wenn die loipe schleimig wird, kommt es auf die technik an

wenn schlechtes „baggern“ zur niederlage führt

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