DHB-Pokal

TuS Ferndorf gelingt Sensation

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Die geballte Faust als Symbol des Sieges: Thomas Rink, Mattis Michel und Marijan Basic nach dem Triumph gegen Emsdetten.

Die geballte Faust als Symbol des Sieges: Thomas Rink, Mattis Michel und Marijan Basic nach dem Triumph gegen Emsdetten.

Foto: Christian Meier

Minden.   Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte hat der TuS Ferndorf das Achtelfinale im DHB-Pokal erreicht.

Die Sensation ist perfekt! Der als krasser Außenseiter gehandelte TuS Ferndorf hat am frühen Sonntagmittag das Vierer-Pokalturnier in Minden durch einen 29:23-Sieg gegen den Zweitligisten TV Emsdetten gewonnen und sich damit erstmals für das Pokal-Achtelfinale qualifiziert, das am 17./18. Oktober ausgetragen wird. Für die größte Überraschung hatte der Drittligist bereits am Samstag mit dem völlig unerwarteten 23:22-Erfolg über Bundesligist und Turnier-Ausrichter TSV GWD Minden gesorgt und damit die Basis für einen der größten Erfolge der Handballabteilung in den vergangenen Jahren gelegt.

Finale: TuS Ferndorf - TV Emsdetten 29:23 (14:11). In gemeinsamen Zweitliga-Zeiten gehörten die Nordmünsterländer zu den Ferndorfer Lieblingsgegnern. Dennoch war erstaunlich, in welcher Souveränität die Kreuztaler das Finale vor leeren Rängen in der 4000 Zuschauer fassenden Kampa-Halle bestritten, sich auch vom schnellen 0:2-Rückstand nicht aus ihrem Konzept bringen ließen. Wie ein Wirbelsturm fegten die Ferndorfer, bei denen wie schon gegen Minden der erkrankte Julian Schneider, fehlte, in den ersten Viertelstunde über den Gegner hinweg, machte acht Tore in Folge zur 8:2-Führung (14.). Klar, dass der TuS dieses hohe Niveau nicht würde halten können. Der Vorsprung schmolz bis zur Pause auf zwei Treffer zusammen.

Kevin John mit optimaler Ausbeute

Mit erstaunlicher „Coolness und Entspanntheit“, wie es Trainer Michael Lerscht ausdrückte, blieb sein Team auch in den zweiten 30 Minuten im Vorteil, hatte auf alles die passende Antwort parat, stand die Deckung wie schon tags zuvor wie eine Wand und baute sich dahinter auch noch Lucas Puhl auf, der ein richtiges Sahne-Wochenende erwischt hatte und seinen Teil dazu beitrug, dass Ferndorf die Führung wieder ausbaute. Der Traum vom Einzug ins Achtelfinale reifte, als Jonas Faulenbach und Lucas Schneider nach Wiederbeginn auf 17:11 erhöhten und der Außenseiter auch nach der Emsdettener Dreierserie die Oberhand behielt, sich durch einen Doppelschlag auf 22:18 und später auf 25:20 absetzte – die TVE-Moral war endgültig gebrochen. Selbst die Hinausstellung gegen Branimir Koloper (53./dritte Zeitstrafe) irritierte den TuS Ferndorf nicht.

Ganz stark beim Überraschungssieger neben der gesamten Abwehrformation an diesem denkwürdigen Tag: Rechtsaußen Kevin John, der mit sechs Toren sogar zum erfolgreichsten TuS-Spieler avancierte. Bei ihm stand eine 100 %-ige Wurfausbeute in der Statistik.

Bei der Rückfahrt im Bus, als sich alle wieder gesammelt und sich diesen Erfolg bewusst gemacht hatten, sagte Michael Lerscht: „Man sollte sich mit großen Worten zurück halten, aber die Mannschaft hat heute etwas Historisches geschaffen.“

Halbfinale: TuS Ferndorf - TSV GWD Minden 23:22 (10:12). Nach 58:17 Minuten verwandelte Michel Sorg ganz cool den Siebenmeter zur 23:22-Führung. Kurz bevor sich der Drittligist wieder vervollständigt hatte, zeigte Torwart Lucas Puhl wieder eine seiner zahlreichen Paraden, verhinderte so den erneuten Mindener Ausgleich. Zwar scheiterte anschließend auch Jonas Faulenbach, aber als Christoffer Rambo für die zu siebt angreifenden Ostwestfalen aus dem rechten Rückraum den Ball über die Latte zog, war der Einzug ins Finale am Sonntag perfekt.

Bereits in den ersten 30 Minuten war vor der Geisterkulisse von 187 Zuschauern von einem Zwei-Klassen-Unterschied nichts zu sehen. Dies lag in erster Linie an einem schwachen Favoriten, der nach der 7:5-Führung neun Minuten ohne Tor blieb, aber auch an einem ohne Erwartungs- und Erfolgsdruck aufspielenden TuS, der mit seiner 6:0-Deckung das richtige taktische Mittel fand. Vorne lief es bei den Nordsiegerländern noch nicht flüssig, ging es mit einem 10:12-Rückstand in die Pause.

Michel Sorg vom „Punkt“ ganz cool

Ferndorf agierte in der zweiten Halbzeit mit einer offensiveren Deckungsvariante, hatte die Mindener „Halben“ jetzt aber zunächst nicht mehr so gut im Griff. Obwohl immer noch fehlerhaft, baute Minden die Führung auf 16:12 bzw. 19:15 aus, schien sich ins Finale zu quälen. Aber da hatte das Team von Frank Carstens die Rechnung ohne den Kampfgeist und die Entschlossenheit des TuS Ferndorf gemacht. Der witterte seine Chance, als mit Michel Sorg und Erik Irle zwei Youngster auf 20:21 verkürzten (53.).Während bei den Ostwestfalen die Nervosität unverkennbar stieg, blieb Ferndorf kühl und abgezockt und wusste einen starken Lucas Puhl zwischen die Pfosten.

Rambos finaler Wurf fliegt drüber

Thomas Rink erzielte zwei Treffer in Folge vom Kreis zur 22:21-Führung (55.). Christoffer Rambo egalisierte zum 22:22 (57.), ehe Michel Sorgs Siebenmeter zum 23:22 bereits der entscheidende Treffer war. Mit Mann, Maus und Macht stemmten sich die „Roten“ gegen den Ausgleich und die Verlängerung, durften nach Rambos finalem Fehlwurf jubeln – und brachten ganz nebenbei die Vereinsverantwortlichen in die Bredouille. Die mussten nämlich kurzfristig ein Nachtquartier in Minden und Umgebung organisieren. Ein Hotel hatte man vorab nämlich nicht gebucht, denn niemand hatte mit der Finalqualifikation gerechnet.

Trainer Michael Lerscht war voll des Lobes: „Es ist ein großer Erfolg, das Spiel gewonnen zu haben. Die Jungs haben über die gesamte Spieldauer an ihre Chance geglaubt und sind im Kopf klar geblieben. Ein großes Kompliment.“ Restlos bedient war dagegen Kollege Frank Carstens: „Wir haben alles, was man für ein Handballspiel braucht, nicht gezeigt. Ich gratuliere Michael und seinem Team zu einem konzentrierten und entschlossenen Auftritt.“

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