Serie: Unsere Aufsteiger

Volleyball: VTV Freier Grund vor Abenteuer Regionalliga

VTV-Trainer Alfred Terkowsky (rechts oben) freut sich auf das Abenteuer Regionalliga, welches er mit den Volleyball-Damen der VTV Freier Grund angeht. Per Wild Card steigt das Team aus der Oberliga auf und möchte nun Luft in der vierthöchsten Spielklasse schnuppern

VTV-Trainer Alfred Terkowsky (rechts oben) freut sich auf das Abenteuer Regionalliga, welches er mit den Volleyball-Damen der VTV Freier Grund angeht. Per Wild Card steigt das Team aus der Oberliga auf und möchte nun Luft in der vierthöchsten Spielklasse schnuppern

Foto: UK

Neunkirchen.  Im letzten Teil unserer Aufsteigerserie schauen wir auf die Volleyball-Damen der VTV Freier Grund, die per Wild Card aufsteigen.

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“. Ob es nun wirklich Wilhelm Busch war, dem diese Zeile eingefallen ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Aber sie passt wie gemalt auch für sportliche Dinge, die man sich so beim besten Willen nicht hätte ausdenken können. Wer hätte damit gerechnet, dass ein Virus das sportliche Leben für ein halbes Jahr lahm legt? Wer hätte ferner daran gedacht, dass die Folgen dieser Pandemie für manche sportliche Überraschung sorgen könnte?

Die Saison 2019/20

Eine dieser unverhofften Entscheidungen „traf“ die Volleyball-Damen der VTV Freier Grund, die als Tabellendritte der Abbruch-Saison quasi per Wildcard erstmals in den Genuss der Viertklassigkeit gelangen. „Als die Saison abgebrochen wurde“, erinnert sich Alfred Terkowsky, der Trainer, „waren wir auf Platz drei – und hatten uns vorgenommen, die Spielzeit einigermaßen passabel zu Ende zu bringen. Die Chance, noch den Relegationsplatz zu erreichen, war sehr gering. Insofern war es schon für uns alle eine unverhoffte, aber letztlich natürlich schöne Entwicklung.“

Ob man im Freiengrund – Stand heute – auch schon in dieser neuen Liga angekommen ist, darüber sind natürlich Zweifel angebracht. Auch beim langjährigen Coach: „Ich hatte bisher überhaupt nicht die Gelegenheit, mir ein Bild von dieser Regionalliga zu machen. Denn befasst hatten wir uns damit im Vorfeld nicht. Aber wir nehmen es, wie es kommt, gehen unbelastet daran und bereiten uns so gut es geht auf die neue Saison vor.“

Die neue Saison

Die startet am 5. September mit dem Auswärtsspiel beim PTSV Aachen II, eine Mannschaft, mit der es die Südsiegerländerinnen – damals noch als TV Salchendorf – auch schon in der Oberliga zu tun bekommen hatten. Wie das Niveau bei den einzelnen Gegnerinnen einzuschätzen ist, welches Team gar als Favorit einzustufen sein könnte – all‘ dies tangiert die Spielerinnen und ihren Trainer zunächst mal lediglich peripher. „Wir können uns eigentlich gar kein Bild machen“, so Alfred Terkowsky. „Und vielleicht ist das ja auch ganz gut so“, will der Coach seine Damen unbelastet an die Dinge, die da kommen, heranführen.

Zwei Mal wöchentlich wird dafür trainiert. Seit die Kontaktbeschränkungen im Teamsport so gut wie aufgehoben sind, besteht auch die Möglichkeit, das Blockspiel, die Angriff- und Abwehr-Tauglichkeit voran zu bringen. Ein Problem, das ja alle Mannschaften in allen Ligen hatten. „Insofern trifft uns das nicht härter als andere“, sieht Terkowsky hier also keine Nachteile. Im Gegenteil: „Wir sind der Gemeindeverwaltung dankbar, dass wir in Sachen Hallenbelegung auch in dieser schweren Zeit nie Probleme hatten. Das ist nicht selbstverständlich.“

Die Mannschaft

Personell ist es im südlichen Zipfel des Siegerlands immer schwierig, in Sachen Teamverstärkung fündig zu werden, sich auch kadermäßig dem Neuland Regionalliga anzunähern. „Aber wir haben unsere zwölf Spielerinnen beisammen, sind eine eingespielte Truppe“, weiß der Trainer den Zusammenhalt zu schätzen, der über Jahre gewachsen ist und durch die Fusion von TV Salchendorf und TV Neunkirchen zu den VTV Freier Grund neuen Wind erhalten hat.

Nur Tami Heide hat aus beruflichen Gründen den Weg in die Regionalliga nicht mitgehen können. Dafür aber wartet Alfred Terkowsky mit einer durchaus als „Hochkaräter“ einzuschätzenden Verstärkung auf: Die aus Olpe stammende Sarah Wolfschläger hat in den vergangenen beiden Jahren Zweitliga-Luft bei Bayer 04 Leverkusen geschnuppert, wollte und konnte sich aber dort der hohen Belastung nicht mehr aussetzen. „Sie hat mich kontaktiert und wir wurden uns schnell einig“, freut sich Alfred Terkowsky, dass diese Personalie über die Bühne gegangen ist. „Eine echte Punktspielerin“, weiß der Trainer, der die Spielerin schon vor ihrem Wechsel in die Farbenstadt auf dem Zettel hatte.

Für die erst 14-jährige Dresselndorferin Line Otto, die auch in Biedenkopf aktiv ist und darüber in der hessischen Jugendauswahl spielt, erwarben die VTV ein Zweitspielrecht. „Das wird aber wohl erst in der Rückrunde zu Einsätzen bei uns führen“, freut sich Terkowsky dennoch, das große Talent in seinen Reihen zu wissen.

Der Trainer

Werfen wir aber bei der vielen Arbeit, das „Abenteuer Regionalliga“ anzugehen, sich die Robustheit für eine lange Saison anzutrainieren, einen Blick auf den Mann, ohne den der Damen-Volleyball in diesen Sphären sicherlich im Freiengrund nicht möglich wäre. Der jetzt 65-Jährige Alfred Terkowsky ist, so kann es ohne Übertreibung gesagt werden, das Trainer-Urgestein in Salchendorf. Schon Mitte der 70er-Jahre übernahm der jetzt pensionierte Lehrer an der Herdorfer Realschule die Trainer-Tätigkeit und blieb ihr treu.

Er nahm die Mannschaft in den Achtzigern kurzzeitig mit zum TV Niederschelden, weil beim TV Salchendorf in Sachen Hallenkapazität Probleme herrschten, führte das Team dann aber auch wieder zurück über die Schränke, wo es in der Folge ein stetes Vor und Zurück zwischen Verbands- und Oberliga gab. Und jetzt wird der Weg in die Regionalliga angetreten. Und um mit Wilhelm Busch zu enden: Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.

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