Sprache des Sports #45

Wenn der schwarze Punkt der Anfang vom Ende ist

Dieter Hecking, Ex-Trainer des Hamburger SV, ist das jüngste Opfer des sprichwörtlichen schwarzen Punktes.

Dieter Hecking, Ex-Trainer des Hamburger SV, ist das jüngste Opfer des sprichwörtlichen schwarzen Punktes.

Foto: Christian Charisius / dpa

Sehen Verein und Sportler keine Bereicherung mehr im Trainer, wird er mit dem schwarzen Punkt markiert – der Abschied ist dann vorprogrammiert.

Das Bekleiden einer Trainerposition erfordert einige Kompetenzen. Neben Fachwissen, Empathie und Disziplin wird ein Übungsleiter vor allem am Erfolg gemessen. Dadurch wird von Beginn an ein enormer Druck auf diese Person ausgeübt.

Werden die gesetzten Ziele erreicht, wird die Welt meist durch eine rosarote Brille gesehen und nicht selten auch eine Form von Hochmut ausgelebt. Doch bleibt ein Trainer hinter den Erwartungen des Vereinsvorstands oder der ihm unterstellten Athleten zurück, kippt die Stimmung gerne mal vom einen auf den anderen Tag. In diesem Fall wird das sinnbildliche Bein des Trainerstuhls angesägt oder der Coach ist mit einem ominösen schwarzen Punkt versehen.

Die Farbe schwarz steht dabei – dies ist offensichtlich – für den Misserfolg, also etwas schlechtes. Auch in vielen anderen Kontexten ist das der Fall, man denke nur an den Schwarzen Peter oder eine schwarze Katze. Der Punkt an sich ist dabei die Markierung des Trainers als Motiv von eben jenem Misserfolg.

Der Ursprung des fiktiven Symbols liegt in der Literatur und wurde im 19. Jahrhundert von Robert Louis Stevenson für dessen Roman „Die Schatzinsel“ erfunden. Wenn dort einem Piraten ein schwarzer Punkt gezeigt wird, gilt dies als Botschaft seines baldigen Todes – etwas, das in der Popkultur in Videospielen (Skies of Arcadia) bis hin zu Filmen (Fluch der Karibik II) übernommen wurde.

Wurde ein Übungsleiter in der Sprache des Sports erst einmal mit diesem Symbol versehen, ist der Abschied von ihm besiegelt. Man sieht in seiner Person keine Bereicherung mehr für den Verein und die Sportler – und trennt sich von ihm.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich der schwarze Punkt in den Vereinen der Sportarten Handball, Volleyball und Fußball. Diese Metapher ist jedoch auch in vielen anderen Disziplinen wie in der Leichtathletik, dem Tennis oder auch dem Sportschießen ein gängiger Begriff.

Vor diesem Hintergrund wünschen wir allen Trainern eine erfolgreiche und vom schwarzen Punkt befreite Zukunft.

In der Rubrik „Sprache des Sports“ erläutert die WP spezifische Begriffe verschiedener Sportarten.

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