„Wir gehen das Abenteuer ein...“

Netphen.   Am Samstag hat beim über 100 Jahre alten TV „Einigkeit“ Netphen eine neue Zeitrechnung begonnen. „Schuld“ daran sind die TVE-Handballfrauen, die mit dem Sieg in Minden den Meistertitel in der Oberliga Westfalen holten und in die zur Saison 2010/2011 gegründeten, in vier Staffeln eingeteilten 3. Liga aufsteigen dürfen. Es ist dies der größte Erfolg der Netphener Handballsparte.

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Am Samstag hat beim über 100 Jahre alten TV „Einigkeit“ Netphen eine neue Zeitrechnung begonnen. „Schuld“ daran sind die TVE-Handballfrauen, die mit dem Sieg in Minden den Meistertitel in der Oberliga Westfalen holten und in die zur Saison 2010/2011 gegründeten, in vier Staffeln eingeteilten 3. Liga aufsteigen dürfen. Es ist dies der größte Erfolg der Netphener Handballsparte.

Eine Frage des Geldes

Die Chance, in der nächsten Saison auf der dritthöchsten Ebene zu spielen und damit in die Ausläufer des Profitums vorzudringen, soll genutzt werden. „Wir werden das Abenteuer eingehen“, sagt Gavin Naeve, Leiter der Handballabteilung, auf Nachfrage – um einzuschränken: „Wenn es sich finanziell darstellen lässt.“ Klar ist: Die Netphener werden weit mehr Geld als bislang generieren müssen, um die erforderlichen Rahmenbedingungen erfüllen zu können. Das fängt bei der „Geldforderung“ des Deutschen Handball-Bundes an. 1500 Euro muss jeder Frauen-Drittligist an den DHB zahlen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen. Bis zum 31. Mai hat der TVE Netphen eine Bankbürgschaft in Höhe von 5000 Euro in der DHB-Geschäftsstelle vorzulegen.

Weniger Sorgen macht sich der achtköpfige TVE-Arbeitskreis, der sich nach Eroberung der Tabellenführung am viertletzten Spieltag gebildet hatte, für die Zeit der laufenden Saison. Bei einer Eingruppierung in die Staffel West – wovon auszugehen ist – dürften sich die Fahrtkosten zu den elf statt wie bisher 13 Auswärtsspielen in einer vergleichbaren Höhe wie in der Oberliga Westfalen bewegen.

Die Hallenproblematik

Weit mehr Gedanken kreisen dagegen um das „Thema Halle“. Gavin Naeve befürchtet: „Das könnte zu einem Problem werden.“ Und zwar aus einem Grund: In der 3. Liga gibt es Haftmittelfreigabe. Es darf also „geharzt“ werden. In der Sporthalle des Netphener Gymnasiums, wo der TVE seine Heimspiele austrägt, ist die Benutzung von Haftmitteln aber untersagt. Sollte die Stadt dies erlauben, stellt sich die Frage nach der Reinigung des Bodens, der Wände und der Bälle und die Kostenübernahme.

„Die Kosten dafür sind nicht unerheblich“, weiß Gavin Naeve, könnten dies pro Saison bei einer Auftragsvergabe an eine Reinigungsfirma bis zu 40000 Euro sein – eine Summe, die der TVE Netphen nicht aufbringen kann. Eine Reinigung in Eigenregie wäre viel preisgünstiger. Der „Arbeitskreis 3. Liga“ wird in Kürze Gespräche mit den Vertretern der Stadt Netphen führen, um das klebrige Problem im wahrsten Sinne des Wortes zu „lösen“.

Darüber hinaus wird der TVE Netphen eine Sondergenehmigung für die Austragung der Drittliga-Heimspiele in der Gymnasium-Halle beantragen müssen, weil die erforderliche Zahl von Sitzplätzen (330) mit 303 unterschritten wird und auch die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zwischen Spielfeld und Wänden zu gering ist. „Das sehe ich aber als Formalien an“, glaubt Gavin Naeve.

Profis oder Amateure?

Dass mit dem überraschenden Sprung in die – vom DHB offiziell genannte – 3. Handball-Bundesliga beim TVE Netphen die Spielerinnen plötzlich mit dem Handball hier ihr Geld verdienen, ist für Gavin Naeve völlig abwegig: „Wir sind im Amateurstatus und werden dies auch in der 3. Liga bleiben.“ Teure Neuzugänge kann und will sich der Verein nicht leisten. „Und die erfolgreichen Mädchen haben sich die 3. Liga ja auch verdient“, schmunzelt der Netphener Handballchef, wobei die eine oder andere gezielte Verstärkung nicht ausgeschlossen ist.

Glückliche Fügungen

Ein Erfolgsrezept war der unbändige Teamgeist, mit dem verloren geglaubte oder enge Spiele gewonnen und mehrwöchige Ausfälle von verletzten Spielerinnen wie Sabrina Schaffarczyk, Nicole Roddey und Elena Fiterer kompensiert wurden. Die Nerven hielten, als Netphen nach dem mehrwöchigen „Hänger“ von Konkurrent ASC Dortmund die Chance witterte, vom Jäger zum Gejagten wurde.

Eine enorme Aufwertung erfuhr der Kader von Matthias Hoffmann durch die aus privaten Gründen ins Siegerland gekommene Franziska Haupt. Die Linkshänderin aus dem schleswig-holsteinischen Bark feierte beim 29:25-Hinspielsieg in Dortmund mit elf Toren ein sagenhaftes Debüt. Die 24-Jährige, als Jugendspielerin bereits Zweitliga-Torschützenkönigin, war im rechten Rückraum der ideale Gegenpol zu TVE-Urgestein Hannah Kania auf der linken Seite. Mit Marit Vonnahme aus Stade im Alten Land bekam Hoffmann im Saisonverlauf ein weiteres Nordlicht hinzu. Die 20-Jährige stand in Abwehr und Angriff ihre Frau, passte ebenso perfekt ins Hoffmann’sche System, das jetzt mit dem erstmaligen Aufstieg in die 3. Liga eine Krönung erfuhr.

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