Pass in die Gasse #230

Wo Spaß und Gemeinschaft über Ehrgeiz und Geld stehen

Foto: Sascha Kertzscher

In der Kreisliga D brennen halb erloschene Lichter des Wittgensteiner Fußballs weiter und bekommen von den Sportfreunden Edertal Gesellschaft.

Die Kreisliga D ist etwas Besonderes. Wer dort aufläuft, muss es mit der Liebe zum Fußball wirklich ernst meinen. Jedem Akteur ist völlig klar, dass er keine Bezirksliga mehr spielen oder vor 500 Zuschauern auflaufen wird. Wer hier Fußball spielt, tut es um seiner selbst willen und legt den Stellenwert von Gemeinschaftsgefühl und Spaß über den von Ehrgeiz und Geld. Der flapsige Satz, dass in der Kreisliga D eher Gläser über Theke statt Bälle über den Platz rollen würden, ist zudem Unsinn. Ginge es nämlich nur darum, ließe sich das privat weitaus einfacher gestalten.


In den letzten Saisons hatten manche Wittgensteiner Teams schwer an der Frage zu knabbern, ob eine Fortführung des Spielbetriebes noch Sinn ergibt – was nicht nur sportliche, sondern auch personelle Gründe hatte. Beim FC Weidenhausen sahen viele die Lichter ausgehen, auch bei der Reserve des FC Ebenau hätte man bei 14 von 15 verlorenen Partien (bis Spielstopp) keine rosige Zukunft vorausgesagt.


Nun haben nicht nur diese Wittgensteiner ein Lebenszeichen von sich gegeben. Ebenau II zieht sein Team nicht zurück und Weidenhausen stellt mit dem neuen Trainer Silas Böttger und drei 18-jährigen Zugängen die Weichen. Hinzu meldete auch SF Edertal eine dritte Welle, was die lokalen Duelle deutlich aufwerten wird. Nur bei Diedenshausen II ist die Frage nach einem erneuten Start eine offene. Kein schlechter Durchschnitt in einer Zeit, wo Vereine genügend Probleme zu lösen haben. Dafür braucht es Mut – und Akteure, die Fußball offenbar sehr lieben.

In der Kolumne „Pass in die Gasse“ befasst sich der freie Journalist Heiko Rothenpieler mit aktuellen Entwicklungen in der Welt des „großen“ und „kleinen“ Fußballs.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben