Saisonvorbereitung

Fußball mit Thamm-Thamm

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Oer-Erkenschwick.Spiele wie dieses haben früher die Massen elektrisiert: Spvgg. Erkenschwick gegen Rot-Weiß Essen. 12 000 Zuschauer strömten am 27. Januar 1952 zur Essener Hafenstraße.

Sie sahen ein fulminantes 6:4 der Spielvereinigung in die Oberliga West gegen ein Revier-Rivalen, bei dem auch „Boss“ Helmut Rahn, der spätere Weltmeister und Schütze des entscheidenden 3:2 im 54er-Finale gegen Ungarn, die Niederlage nicht abwenden konnte. Ein Stück Fußball-Geschichte, die Ernst Kuzorra als Erkenschwicker Trainer mit seiner Mannschaft schrieb. Das Erfolgsgeheimnis damals: Kuzorra hatte seinen Jungs Petroleum unter die Fußballstiefel schmieren lassen; ein probates Mittel, um auf dem glitschigen Boden pass- und trittsicher zu agieren.

Wenn die beiden Traditionsvereine an diesem Samstag am Stimberg aufeinandertreffen, dann ist alles mehrere Nummern kleiner. Es geht nicht um ein Pflichtspiel in der höchsten deutschen Spielklasse, denn das war die Oberliga damals, sondern um Testspiel zweier Fünftligisten. Keine Nationalspieler laufen auf, keine Massen strömen ins Stadion. Und doch ist die Begegnung keines wie jedes andere.

Zwei Klubs mit wechselvoller Geschichte und nibelungentreuer Anhängerschar treffen aufeinander. Zwei Seelenverwandte möglicherweise, zwei Weggefährten im Lauf bundesdeutscher Fußball-Historie. Sie treffen sich in der nächsten Saison in der NRW-Liga, kommen allerdings aus unterschiedlichen Richtungen: Erkenschwick als Meister der Westfalenliga von unten, Essen als Zwangsabsteiger der Regionalliga von oben. Treffpunkt Stimberg.

Zeit für Nostalgie hat Jürgen Wielert dabei allerdings nicht. „Ich sehe das Spiel ganz leidenschaftslos“, sagt der Erkenschwicker Trainer. Für ihn ist die Partie ein guter Vergleich, um zu sehen, „was in der NRW-Liga los ist“. Die Bescheidenheit seines Kollegen Waldemar Wrobel, der RWE nicht im Kreis der Titelanwärter sieht, teilt Wielert nicht. „Essen hat eine starke Mannschaft, die zu den Meisterschaftsfavoriten gehört.“

Auch deshalb will er allen Akteuren die Chance geben, sich zu zeigen. Eine Veränderung wird es vor allem zwischen den Pfosten geben, wo Christian Götz in den vergangenen Begegnungen keine gute Figur gemacht hat. „Darüber müssen wir nicht diskutieren. Christian ist im Moment nicht gut drauf. Er weiß das, bekommt jetzt ein Pause, arbeitet aber hart daran, aus dem Loch herauszukommen.“

Bis es ernst wird, am 8. August steht das Westfalenpokal-Spiel beim BV Brambauer an, gebe es noch genügend Möglichkeiten für alle Schlussleute, sich zu beweisen. Mindestens vier, möglicherweise sechs Testspiele sind beim Crange-Cup in Herne drin für den NRW-Liga-Aufsteiger.

Bei dem immerhin ein Akteur vielleicht doch einen Anflug von Nostalgie haben könnte: Kapitän Thomas Falkowski. Der nämlich ist als einziger aus der Erkenschwicker Mannschaft von 2007/08 übrig geblieben, in der auch ein Essener Akteur stand: Alexander Thamm, der vom Regionalligisten SF Lotte kam, vorher beim VfL Bochum, Preußen Münster, Erkenschwick und FC Schalke 04 II spielte. Der Allrounder, in der Offensive ebenso einsetzbar wie als Kopf einer Viererkette, dürfte bei den Essenern eine der, wenn nicht sogar die Führungsfigur schlechthin sein. Fußball mit Thamm-Thamm.

24 Pflichtspiele haben die Spvgg. Erkenschwick und RW Essen in 40 Jahren gegeneinander ausgetragen. Im ersten Vergleich trennten sie sich am 21. November 1948 vor 12 000 Zuschauern in Essen mit 2:2. Das bis dato letzte Spiel trugen sie am 17. Mai 1998 in der Regionalliga aus. Essen gewann mit 4:2 – vor 1717 Besuchern.

Vor allem die Spiele in Essen waren fast immer gut besucht. Am 7. April 1950 sahen 15 000 Zuschauer einen 3:0-Sieg von RWE in der Oberliga West. Die meisten Tore fielen beim Erkenschwicker 6:4-Sieg an der Hafenstraße zwei Jahre später. Den höchsten Sieg feierte RWE nur ein Jahr darauf beim 9:0. Knapp 20 Jahre später sollte in der Regionalliga West ein 8:1-Sieg gegen die Erkenschwicker folgen. Auch am Stimberg zog RWE die Massen an. 11 000 Besucher kamen am 11. März 1973 und sahen ein 1:1 beider Mannschaften. Die Bilanz beider Klubs ist eindeutig: Von 24 Pflichtspielen gewann Erkenschwick nur drei. Neun Begegnungen endeten Unentschieden, zwölf gewann RWE. Die Torbilanz aus Erkenschwicker Sicht: 26:59.

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