Extremsport

Doreen Glomb bezwingt den GR20 auf Korsika

Verschwindend klein wirkt Doreen Glomb vor den mächtigen Bergen.

Verschwindend klein wirkt Doreen Glomb vor den mächtigen Bergen.

Korsika/Soest.   Selbst erfahrene Trailrunner bringt der GR20-Fernwanderweg auf Korsika an die Grenzen des machbaren. Eine Soesterin bezwingt die 180 Kilometer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

180 Kilometer Strecke, mehr als 12000 Höhenmeter Differenz. Sonne, Regen, Schnee, starker Wind, Wanderwege und bröselnde Felsen- was die Soester Extremsportlerin Doreen Glomb in fünf Tagen erlebt hat, schaffen andere nicht in einem Leben. Das klingt nicht nach fünf Tage entspannten Urlaub, sondern nach einer knochenharten Herausforderung.

Vor 44 Jahren wurde auf der kleinen Insel Korsika der Sentier de Grande Randonnée, kurz GR20 eröffnet. Der Fernwanderweg ist aufgrund seiner alpinen Wegführung der extremste Weg Europas. Ihn zu bewältigen, ist für viele Extremsportler und Trailrunner ein besonderer Anreiz.

So auch für Doreen Glomb, die sich gemeinsam mit ihren Mitstreitern aus Deutschland, Italien und Österreich zum Ziel gesetzt hatte, den Weg innerhalb von 5,5 Tagen zu bewältigen. „Es war teilweise lebensgefährlich. Die Strecke war unglaublich anspruchsvoll. Ich habe meine Grenzen und die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers noch einmal ganz neu kennengelernt“, resümiert die Soesterin.

„Wir hatten erfahrene Trailrunner dabei, die schon die Zugspitze hochgelaufen sind. Selbst die sagten, dass der GR20 noch einmal eine ganz andere Hausnummer wäre“, erklärte Glomb.

Beeindruckende Kulisse

Was sie in den Bergen erlebte, war ein echtes Abenteuer. „Was Vegetation und Witterung angeht, haben wir wirklich alles erlebt“, erinnert sich die Soesterin. Besonders heikel waren die Bergpassagen, die durch den Schnee führten. „Das war der härteste Part, weil wir in den Bergen durch die Schneedecke nichts sehen konnten. Jeder Schritt musste mit Bedacht gewählt werden. Alternativ hätte man sich durch die Felsen hangeln müssen“, skizziert die Sportlerin die Schwierigkeiten des Kurses.

Auch diesen Versuch hat Glomb gestartet. Mit fast fatalen Ende. Die Felsen waren teilweise äußerst porös und hielten den Versuchen nicht stand, als Kletterfelsen benutzt zu werden. „Durch das Eis, das sich in den Felsritzen sammelt, ist der Felsen bröselig geworden. Eigentlich ja logisch, weil sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt. Als ich merkte, dass ich keinen Halt fand, musste sie einiges riskieren, um wieder sicheren Boden unter den Füßen zu bekommen. „Da kam mir meine Klettererfahrung zugute“, betont die Soesterin.

Vor Schmerzen nicht geschlafen

Physisch und auch psychisch forderte der GR20 die Teilnehmer der Runde. „Die Teilnehmer mussten über ihre Grenzen hinaus gehen. Einer musste aufgeben. Mir taten die Füße abends derart weh, dass ich in den fünf Tagen so gut wie nicht geschlafen habe. Aber die Schmerzen muss man ignorieren, du hast ja keine andere Wahl, als weiterzugehen. Man befindet sich ja mitten in den Bergen“, betont Glomb.

Geschlafen wurde meistens in Zelten, oder in den Refuges am Wegesrand. „Das waren ganz einfache Unterkünfte. Da reihte sich eine Matratze an die nächste. Die Dusche bestand meistens aus einem Wasserschlauch“, erklärt die Soesterin.

Einmal ging den Teilnehmern das Wasser aus, sodass ein Refuge unplanmäßig angesteuert werden musste. „Dort machte der Betreiber dann zweieinhalb Stunden Mittagspause. Wir mussten uns anders helfen“, schildert Glomb die Situation.

Wasser gesucht

Ein erfahrener Teilnehmer machte einen Bach aus, der neues Wasser lieferte. Doch nicht nur Durst, auch der Hunger machte den Teilnehmern zwischendurch zu schaffen. „Wir haben einen Hungerast bekommen, hatten aber nicht mehr viel Verpflegung dabei“, sagt die Soesterin. In dieser Situation entwickelte sich eine super Gruppendynamik.

„Wir haben alle unser verbliebenes Essen zusammengelegt und mit den anderen geteilt. Das war ein super Erlebnis“, erinnert sich Glomb.

Ihr Fazit nach fünf Tagen Anstrengungen ist dennoch positiv. „Ich würde es sofort wieder machen, weil man noch einmal ein ganz anderes Bewusstsein auf sein eigenes Leben Zuhause bekommt, wenn man fünf Tage nur in der Natur unterwegs ist. Man muss zurück zu den Basics und das hat mir sehr gut gefallen. Man nimmt dann die alltäglichen Dinge viel bewusster wahr“, betont Doreen Glomb.

Lake Run als Trainingslauf für WM in Griechenland

Für die Soesterin geht es nun weiter beim Lake Run. „Ein Trainingslauf“, wie es Glomb bezeichnet für die Weltmeisterschaft in Griechenland, die am 3. November auf dem Plan steht. Beim Lake Run am Möhnesee will das Team um Doreen Glomb auch wieder Geld für den guten Zweck sammeln. „Wir überlegen uns noch was.

Zum Beispiel bieten wir an Liegestütze oder Burpees zu machen gegen Geld. Wir möchten damit Spenden für eine Hilfsorganisation generieren, die neuromuskuläre Erkrankungen bei Kindern bekämpft“, sagt Glomb abschließend.

Für den nächsten Extremlauf hat sich die Soesterin bereits angemeldet. Im März geht es an den Grand Canyon. Dort müssen an 1,5 Tagen 100 Meilen zurückgelegt werden. Nach dem GR20 klingt das nach einem Klacks...

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben