Leichtathletik

Gina Lückenkemper: „Elektronische Fußfessel“ wäre Lösung

Die Soesterin Gina Lückenkemper (re.) macht in Zürich ein Selfie mit Teamkollegin Lisa-Marie Kwayie.

Die Soesterin Gina Lückenkemper (re.) macht in Zürich ein Selfie mit Teamkollegin Lisa-Marie Kwayie.

Foto: Jean-Christophe Bott / dpa

Berlin.  Sprinterin Gina Lückenkemper nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Wofür die Soesterin eine „elektronische Fußfessel“ als Lösung sieht.

Deutschlands Top-Sprinterin Gina Lückenkemper hat das bei vielen Athleten unbeliebte Meldesystem für Dopingkontrollen kritisiert und sich für eine „elektronische Fußfessel“ als Alternative ausgesprochen.

„Das meine ich symbolisch - damit meine ich: Es würde uns das Ganze enorm erleichtern, wenn sie uns einfach über die Handys orten könnten. Ich persönlich wäre dafür“, sagte die 22-Jährige aus Berlin, die am Sonntag beim ISTAF ein Heimspiel hat, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Auch Weltklasse-Weitspringerin Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz sprach sich dafür aus.

System unfreundlich für Athleten

„Jetzt muss ich täglich und stündlich meinen Ort, die Adresse und meine Handynummer angeben. Damit sie mich immer finden. Das ganze System ist eben sehr unfreundlich für die Athleten“, meinte die EM-Zweite über 100 Meter Lückenkemper zur gängigen Praxis bei unangekündigten Dopingkontrollen. „Mein Leben wäre echt einfacher mit Handyortung. Wir Athleten haben das schon mehrfach angesprochen, aber das ist datenschutzrechtlich nicht machbar“, ergänzte die Soesterin. Zuletzt hatte auch Fecht-Europameister Max Hartung geäußert, er empfinde das „Meldesystem als Beschränkung meiner Freiheit“.

Top-Sportler müssen über einen längeren Zeitraum im Voraus angeben, wo sie erreichbar sind, damit jederzeit unangekündigte Dopingkontrollen durchgeführt werden können. Werden sie dann nicht angetroffen, ist von einem Missed Test die Rede. Kurzfristige Änderungen der Aufenthaltsdaten müssen über das Handy vom Athleten selbst im Anti-Doping Administration and Management System (ADAMS) vorgenommen werden - was in vielen Situationen und Regionen technisch schwierig oder sogar unmöglich ist.

Staffelsieg bei „Zürich Trophy“

Bei der „Zürich Trophy“, traditionell der krönende Abschluss von „Weltklasse Zürich“, gelang Lückenkemper mit der 4x100 m-Staffel in dieser Woche im mit knapp 25.000 Zuschauern ausverkauften Letzigrund eine Überraschung. Denn in der Besetzung Lisa Marie Kwayie (Neuköllner SF), Yasmin Kwado (TSV Bayer 04 Leverkusen), Tatjana Pinto (LC Paderborn) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) sprintete das deutsche Quartett in 42,22 Sekunden sensationell zum Sieg vor den Niederlanden (42,28 sec) und China (42,60 sec).

Um die Zeit einzuordnen: Die Weltjahresbestzeit einer US-Staffel verpasste das DLV-Quartett nur um eine Hundertstelsekunde. Gleichzeitig waren die Deutschen eine Hundertstel schneller als bei ihrem Lauf zu EM-Bronze 2018 in Berlin. Allerdings sollte man aus der tollen Vorstellung in Zürich nicht gleich Medaillenambitionen für die Weltmeisterschaften in einem Monat in Doha (Katar) ableiten. Denn in Zürich fehlten die beiden Top-Staffeln aus den USA und Großbritannien. Zudem schickte die Sprint-Nation Jamaika (Sechste in 42,93 sec) abgesehen von Doppel-Olympiasiegerin Elaine Thompson nur eine „B-Auswahl“ an den Start.

Fahrplan Richtung WM passt

Für Gina Lückenkemper wurde mit „Weltklasse Zürich“ die finale Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Doha eingeleitet. Mit einer starken Zielgeraden, bei der sie die niederländische Schlussläuferin Marije van Hunenstijn auf Distanz hielt, bewies die Vize-Europameisterin, dass der Fahrplan Richtung Doha passt. „Der Lauf hat sich gut angefühlt. Es ist natürlich entspannt, wenn man von seinen Kolleginnen in einer solch guten Position ins Rennen geschickt wird“, sagte die Soesterin.

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