Leichtathletik

Gina Lückenkemper vor der WM: „Habe die Saison unterschätzt“

Dort, wo alles begann, bereitete sich Gina Lückenkemper auch auf die WM vor: Auf der Bahn am Schulzentrum in Soest.

Dort, wo alles begann, bereitete sich Gina Lückenkemper auch auf die WM vor: Auf der Bahn am Schulzentrum in Soest.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Doha/Soest.  Bei der WM will Sprinterin Gina Lückenkemper aus Soest nochmal angreifen. Doch die erst 22-Jährige hat in dieser Saison wieder etwas dazugelernt.

Gina Lückenkemper hat auf die Bremse getreten. Bewusst und aus Eigenschutz. Der dauerplappernde Wirbelwind aus Soest, der bei der WM 2017 fulminant ins Rampenlicht gesprintet war, ist nach außen hin ruhiger geworden, nachdenklicher. Nur Vollgas-Modus, das funktionierte nicht mehr. Der Sport ist noch mehr in den Vordergrund getreten - und das will Lückenkemper bei den Weltmeisterschaften in Doha zeigen.

Lückenkemper am Samstag im Vorlauf

„Ich habe mich mehr rausgehalten, weil ich ein bisschen Ruhe und Luft brauchte. Ich habe gelernt, mir diese Phasen auch wirklich herauszunehmen“, sagte Lückenkemper. Am Samstag (15.30 Uhr/MESZ) startet die Vize-Europameisterin des Vorjahres im 100-m-Vorlauf mit gerade 22 Jahren in ihre dritte WM - diese soll ein schwieriges Sprinterjahr zum freudigen Abschluss bringen.

„Ich habe diese lange Saison ein bisschen unterschätzt, weil ich im Mai bei den World Relays in Japan schon richtig performen musste“, sagt die Athletin des SSC Berlin: „Jetzt merke ich langsam, dass der Kopf nicht mehr ganz so will, dass man müde und erschöpft ist.“

Lückenkempers Wettkampfjahr war auch deshalb kräftezehrend, weil sie durchgehend mit technischen Fehlern zu kämpfen hatte. Ihre Saisonbestzeit von 11,14 Sekunden ist weit von dem entfernt, was Lückenkemper kann. Beim Diamond-League-Finale Anfang September in Brüssel, als sie sich in 11,45 ins Ziel quälte, war ein Tiefpunkt erreicht. „Wir haben ordentlich Probleme gehabt, aber einige von den Fehlern im Startbereich mehr oder weniger beseitigen können. Ich hoffe, dass wir das komplett in den Griff bekommen“, sagt Lückenkemper.

Zu was sie in der Lage ist, hatte Lückenkemper bei den zurückliegenden Großereignissen gezeigt. Bei der 2017er-WM war sie als erste Deutsche seit Katrin Krabbe ein Vierteljahrhundert zuvor die 100 m unter 11 Sekunden gesprintet, mit 10,95 - bis heute persönliche Bestzeit - ins Halbfinale eingezogen. „An diesen 10,95 werde ich seitdem immer und ständig gemessen“, sagt Lückenkemper. Bei der rauschenden Heim-EM in Berlin sprintete sie zu Silber über 100 m (10,98) und Bronze mit der Staffel.

Lückenkemper rudert verbal etwas zurück

Damit war dann aber auch der Welpenschutz hinfällig. „Die Forderungen sind extremer geworden. Überall wird erwartet, dass du funktionierst. Wenn ich nicht unter elf Sekunden laufe, ist es sofort schlecht. Das schlaucht ungemein“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung: „Es wird oft vergessen, dass ich noch eine junge Athletin bin.“

Nach der EM in Berlin fand das öffentliche Interesse einen Höhepunkt, Lückenkemper absolvierte einen Medien-Marathon, auch weil sie damit kokettierte, nach dem Abgang von Lautsprecher Robert Harting dessen Rolle ein wenig zu übernehmen. „Ich habe aber da schon gesagt, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich das so umfänglich machen kann wie der Robert, weil es eine wahnsinnige mentale Belastung ist“, sagt Lückenkemper nun: „Ich habe mich dieses Jahr ein bisschen mehr rausgehalten, einfach, weil ich das für meinen Kopf brauchte.“

Lückenkemper freut sich auf die Staffel

Der soll nun frei für große Aufgaben sein, besonders mit der deutschen Staffel, die in Doha als Jahresweltschnellste antritt, ist Lückenkemper einiges zuzutrauen. „Wir haben gezeigt, was wir draufhaben“, sagt Lückenkemper: „Sollten wir das in Doha hinkriegen, dann kann das Ganze auch wirklich großartig werden.“

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