Leichtathletik

Nach Halbfinal-Aus bei der WM ist Gina Lückenkemper ratlos

WM-Aus im Halbfinale: Die aus Soest stammende Sprinterin Gina Lückenkemper reagiert nach dem Rennen.

WM-Aus im Halbfinale: Die aus Soest stammende Sprinterin Gina Lückenkemper reagiert nach dem Rennen.

Foto: Oliver Weiken / dpa

Doha/Soest.  WM-Aus im Halbfinale: So hatte sich Sprinterin Gina Lückenkemper aus Soest den Auftakt in Katar nicht vorgestellt. Worauf sie jetzt hofft.

Gina Lückenkemper zitterte nach ihrem verkorksten Lauf noch bei Tatjana Pinto mit, doch alles Daumendrücken half nicht: Die Final-Träume der deutschen Sprinterinnen sind bei der Leichtathletik-WM in Doha jäh geplatzt, in der Vorschlussrunde bekam das chancenlose DLV-Duo deutlich die Grenzen aufgezeigt. Vize-Europameisterin Lückenkemper und die deutsche Meisterin Pinto waren nach ihrem Halbfinal-Aus die Ratlosigkeit in Person.

„Natürlich war das scheiße, da kann man nichts anderes sagen. Ich wäre gerne viel schneller gerannt. Ich hatte heute irgendwie schmerzende Beine, dann sind 100 m verdammt lang“, sagte die 22 Jahre alte Lückenkemper. Die Soesterin, die für den SSC Berlin startet, wurde in schwachen 11,30 Sekunden Achte und Letzte in ihrem Rennen, die Frische und Lockerheit ihrer beiden starken Vorjahre sind ihr völlig abhanden gekommen.

Lückenkemper: „Irgendwas stimmt nicht“

„Ich habe gestern Abend Rückenprobleme bekommen, kann sein, dass die sich durchgezogen haben und es deshalb nicht funktioniert hat. Irgendwas stimmt nicht, jetzt müssen wir gucken, dass der Körper wieder vernünftig läuft“, meinte Lückenkemper.

Pinto lief im letzten Halbfinale gerade einmal eine Hundertstel schneller, als Fünfte mit 11,29 war damit ebenfalls Endstation. „Als ich mich aufgerichtet habe, konnte ich meine Beine irgendwie nicht spüren. Das war total komisch. Ich bin ein bisschen enttäuscht“, sagte die 27-Jährige: „So schnell sind ein paar Zehntel drauf, wenn man nicht locker bleibt.“

Der Einzug ins Finale der besten Acht, der als letzter Deutschen Melanie Paschke 1997 in Athen (Platz sechs) gelungen war, wäre für beide deutschen Sprinterinnen in Bestform durchaus machbar gewesen: 11,10 Sekunden reichten in Doha für den Sprung in den elitären Kreis, Lückenkemper (10,95) und Pinto (11,00) sind in ihrer Karriere schon deutlich schneller gelaufen. Doch irgendwie wollte in Katar nichts zusammenpassen.

Lückenkemper hatte nach schwachem Start im Vorlauf in 11,29 nur mit Mühe die nächste Runde erreicht. Zwei Jahre zuvor war sie bei der WM in London noch als Schnellste aller Vorläufe in ihrer immer noch aktuellen Bestzeit von 10,95 Sekunden ins Halbfinale eingezogen, auch damals war in der Vorschlussrunde Endstation. In der laufenden Saison fehlte Lückenkemper aber nach einigen Problemen die Form für Zeiten unter elf Sekunden. „Dass es mal ein Jahr gibt, in dem es nicht so läuft, wie ich es gerne hätte, so ist der Sport. Das muss ich akzeptieren“, erklärte sie.

Pinto hatte bei ihrer zweiten Teilnahme an einem WM-Halbfinale über 100 m nach Moskau 2013, wo sie ebenfalls ausgeschieden war, große Ziele gehabt, kam aber nicht an ihre Vorlaufzeit (11,19) heran.

Hoffnung auf die Staffel

Mit der 4x100-m-Staffel (Vorläufe am Freitag, Finale am Samstag) dürften sich Lückenkemper und Pinto gemeinsam mit Lisa-Marie Kwayie und Yasmin Kwadwo durchaus Hoffnungen auf eine Medaille machen - auch wenn das Einzel-Aus nun erstmal zu verdauen ist. Mit beim ISTAF in Berlin Anfang September in dieser Besetzung erzielten 41,67 Sekunden führt das DLV-Quartett die Jahresweltbestenliste an - auch weil die USA und Jamaika noch kein Rennen mit ihrer Topmannschaft bestritten haben.

„Da kommt man momentan ein bisschen ins Träumen. Wir haben gezeigt, was wir draufhaben. Sollten wir das in Doha hinkriegen, dann kann das Ganze auch wirklich großartig werden“, hatte Lückenkemper gesagt und auf das „extrem krasse Niveau“ im deutschen Frauensprint verwiesen: „Das macht Bock auf die nächsten Jahre.“ Der WM-Auftakt machte das weniger.

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