Tennis

„Offen für Veränderungen sein“

Für seinen Aufschlag hätte Jan-Lennard Struff nach den neuen Regeln nur noch maximal 25 Sekunden Zeit.

Für seinen Aufschlag hätte Jan-Lennard Struff nach den neuen Regeln nur noch maximal 25 Sekunden Zeit.

Foto: Tim Cordes

Warstein.   Die Profis auf der ATP-Tour werden sich künftig wohl mit neuen Regeln auseinandersetzen müssen. Der Tennis-Weltverband hat ein Pilot-Projekt, das sich „Next Gen“ nennt, ins Leben gerufen. Mit gemischten Gefühlen sieht der Warsteiner Jan-Lennard Struff den Neuerungen entgegen.

Zum ersten Mal veranstaltet der Tennis-Weltverband ATP ein Kräftemessen der besten Spieler unter 21 Jahren. „Next Gen“ heißt der Wettbewerb, der auch zum Experimentierfeld wird.

Neue Regeln sollen das Spiel künftig moderner und für die Zuschauer attraktiver machen. Ob sich das in der Praxis alles so umsetzen lässt, wie es sich die ATP vorstellt, wird seit gestern getestet.

Aber was halten die Aktiven selbst von den Veränderungen? Der Warsteiner Tennisprofi Jan-Lennard Struff (27) gibt im Gespräch mit der WESTFALENPOST Einblicke, welche Änderungen er für sinnvoll hält und welche nicht. „Man muss Veränderungen gegenüber immer offen sein“, sagt Struff, schränkt aber ein, „dass der Charakter einer so traditionsreichen Sportart nicht komplett verloren gehen darf. Im Fußball geht man ja gerade mit dem Videobeweis auch neue Wege.“

Sätze bis 4

Die wohl weitreichendste Änderung ist, dass die Sätze nicht mehr bis sechs, sondern nur noch bis vier gespielt werden. Beim Stand von 3:3 geht es in den Tie-Break. Dafür wird im Modus „Best of Five“ gespielt. Struff: „Diese Änderung finde ich aus Spielersicht schwierig, weil die Sätze dadurch schon sehr kurz werden. Für die Zuschauer wird es so natürlich spektakulärer.“

Coaching

Eine zweite wichtige Änderung ist die Kommunikation mit dem Trainer. Was bislang absolut verboten war, soll demnächst erlaubt sein. „Wenn das einmal im Satz erlaubt wird, dann finde ich das super und kann dir als Spieler wirklich helfen. Mehrfach pro Satz sollte man es nicht erlauben, weil man als Spieler in diesen Pausen auch Ruhe haben muss“, erklärt Struff.

Keine Linienrichter

Der Wegfall der Linienrichter ist die dritte weitreichende Konsequenz. Ab sofort soll das Hawk Eye in Echtzeit zum Einsatz kommen, um zu entscheiden, ob ein Ball drin war oder nicht. „Das halte ich für eine gute Änderung“, sagt Struff kurz und bündig.

Zuschauerverhalten

Wer einmal bei einem Tennis-Match war, weiß, dass sich die Zuschauer während der Sätze nicht von ihren Plätzen bewegen dürfen. Das soll sich ändern – die Zuschauer sollen kommen und gehen dürfen, wann sie möchten. „Es hat mich noch nie gestört, ob sich Zuschauer bewegen oder nicht. Ich finde es immer ganz amüsant, wenn sich Spieler über solche Dinge aufregen“, sagt Struff.

Shot Clock

„Das finde ich sehr gut, weil sich manche Spieler schon sehr viel Zeit lassen. Beim Masters in Paris hatte Sky die Zeit bei einigen Spielern gemessen, und da kamen Werte zustande, die an die 30 Sekunden gingen. Wenn man das beschleunigt und Vergehen bestraft, dann finde ich das sehr gut“, gefällt Struff die Idee einer „Shot Clock“, die dafür sorgen soll, dass die Spieler schnell(er) aufschlagen. Bei Grand Slams und auf der Damentour haben die Spieler und Spielerinnen ohnehin nur 20 Sekunden Zeit zwischen zwei Ballwechseln, auf der Männertour 25 Sekunden – eigentlich. Denn genau kontrolliert wird dies nur in den seltensten Fällen.

Verletzungspause

Nur noch eine Verletzungspause soll pro Match erlaubt sein. Diese darf eine Zeit von fünf Minuten nicht überschreiten. Struff: „Das ist eine schwierige Sache. Wir Spieler dürfen uns ja nicht wegen Krämpfen behandeln lassen, insofern gibt es ja selten Behandlungspausen. Gut ist die Regel, um Missbrauch zu verhindern. Zum Beispiel, wenn sich ein Spieler aus taktischen Gründen behandeln lässt, um seinen Gegner aus dem Rhythmus zu bringen.“

No-Let-Regel

Keine gute Idee ist aus Struffs Sicht die No-Let-Regel (konkret bedeutet das: Berührt der Ball beim Service das Netz und fällt danach nicht ins Aus, wird weitergespielt). „Im College-Tennis in den USA wird diese Regel ja schon angewendet. Für die Spieler, die dort Erfahrungen gesammelt haben, ist das dann schon ein Vorteil. Die praktische Umsetzung ist aber in meinen Augen nicht so einfach. Das hängt mit der unterschiedlichen Spannung der Netze zusammen. Manch mal fallen Bälle hoch ins Ziel; ist ein Netz zu schwach gespannt, dann fällt der Ball tot runter. Da fände ich eine No-Let-Regel schon schwierig“, betont der Suttroper.

Fazit

Welche der neuen Regeln dann wirklich Einzug in den Tour-Alltag finden, werden die Verantwortlichen der ATP nach dem „Next Gen“ entscheiden. „Die Spieler werden ein Feedback geben, welche Regeln gut und welche nicht so gut sind. Man sollte aber großen Wert darauf legen, dass die Einzigartigkeit dieser Sportart nicht verloren geht. Manche Ideen sind halt sehr fragwürdig“, fasst Struff abschließend zusammen.

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