Fußball

TuS-Legende wird Duelle gegen WM-Held nie vergessen

Foto: WP

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Warstein. „Der Fußball hat mein Leben geprägt“, erzählt Willi Ostermann und blickt auf eine ungewöhnliche Karriere zurück. Der bekannte Kicker und seit fast vier Generationen Mitglied des TuS Warstein feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag.

Ganz im Kreise der Familie wird das Warsteiner Urgestein den beachtlichen Ehrentag feiern. „90 Jahre sind schnell vergangen“, sagt Willi Ostermann und freut sich schon auf den Besuch seines Sohnes samt Schwiegertochter und Enkelkinder. Der gebürtige Wästerstädter kann auf eine ereignisreiche, sportliche Vergangenheit zurückschauen. Es war im Jahr 1933, als Ostermann die Fußballstiefel für die Jugend-Mannschaft des TuS schnürte und im jungen Alter von 13 Jahren dem runden Leder hinterher eilte. „Das war mein Sport. Ich bin mit Fußball groß geworden“, erinnert er sich und wird die ununterbrochene, aktive TuS-Zeit bis 1940 nie vergessen.

Einen gewaltigen Einschnitt fand sein Leben, und auch seine sportliche Laufbahn, allerdings im Jahr 1941, als Ostermann mit 21 Jahren sich der Wehrmacht anschließen musste und als Frontkämpfer den Einmarsch nach Russland miterlebte. Ein Bauchsteckschuss verwundete den Soldaten am 13. März 1942 vor Moskau aber schwer. Der Lazarett-Arzt brachte Ostermann nach mehreren Monaten wieder auf die Beine, bevor er im Mai 1945 im italienischen Rimini in amerikanische und danach in englische Gefangenschaft geriet. „Geprägt von den schrecklichen Erlebnissen im Krieg“, wie Ostermann berichtet, kehrte er Ende Oktober 1945 zurück in seine geliebte Heimat Warstein. „Ich war froh, lebend wieder zu Hause angekommen zu sein. Mit dabei habe ich aber auch einen Gedanken gehabt: endlich wieder Fußball spielen“, schmunzelt Willi Ostermann.

Am 16. Juni 1946 vertritt Ostermann zusammen mit Jakob Giesbers die TuS-Farben gegen RW Oberhausen in der Stadtauswahl. Und auch sein ein Monat zuvor begonnenes Jura-Studium in Bonn ist für ihn kein Grund, den Fußball vollkommen zu vernachlässigen, geschweige denn, ihm den Laufpass zu geben. Sowohl im Hochschulsport als auch im Bonner Fußballverein, dem sich Ostermann rasch anschließt, wird sein Talent schnell bemerkt. 1949 erhält der 29-Jährige schließlich ein Angebot, welches er keinesfalls abschlagen kann: einen Kontrakt als Vertragsspieler beim dortigen Oberligisten. Das Ende der Karriereleiter sollte damit aber noch längst nicht erreicht sein. Studienkollege Hansi Krämer, einst B-Nationalspieler, lockt ihn 1950 zum Meidericher SV - heute besser bekannt als MSV Duisburg.

„Der Wechsel dorthin war für mich eine Sensation“, erzählt Ostermann. „3000 Mark“, wie er berichtet, betrug damals die Ablösesumme, die Meiderich für ihn an den Bonner FV überwies - zur damaligen Zeit eine Menge Geld. „180 Mark im Monat habe ich da verdient. Und für jedes Tor gab es fünf Mark mehr“, erklärt Willi Ostermann mit erhobenem Zeigefinger. Der quirlige Linksverteidiger wird die bis 1953 aktive Profi-Zeit in der vielbesagten Oberliga - Deutschlands einst höchster Spielklasse - immer in bester Erinnerung behalten. Vergessen wird er vor allem nicht die Duelle gegen die deutschen Fußball-Legenden Helmut Rahn, der bei RW Essen spielte oder gegen Schalke-Star Berni Klodt. Den TuS verstärkt der Abgewanderte 1949/50 nochmals beim legendären Spiel am Kupferhammer gegen Borussia Dortmund. Unter Dettmar Cramer und Hennes Weisweiler erwirbt Willi Ostermann 1957 zudem den Trainer-A-Schein, avanciert bis 1962 als Spielertrainer beim Bonner FV und arbeitet danach bis 1980 als Chef-Trainer bei diversen Amateurvereinen im Bonner Raum.

1983 kehrt Ostermann wieder zurück nach Warstein. Der Herrenberg bleibt dabei noch eine ganze Zeit lang ein Ort, an dem er sich als Zuschauer tummelt. Heute geht der werdende stolze 90-Jährige aber nicht mehr zum Fußballplatz. „Ich verfolge in der Zeitung, wie der TuS spielt“, sagt er und schaut sich nebenbei gern die Bundesliga am Bildschirm an. Klar, dass ihm auch die Partien des Zweitligisten MSV Duisburg „sehr am Herzen“ liegen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben