Wassersport

Kimo Kersting steht auf Wasser

Kimo Kersting bei der Stand-Up-Paddling-EM auf Sardinien – dort belegte er zweimal Platz 15.

Kimo Kersting bei der Stand-Up-Paddling-EM auf Sardinien – dort belegte er zweimal Platz 15.

Foto: Kersting

Witten.   Der Hevener ist einer der besten Stand-Up-Paddler Deutschlands. Er liebt die Vielseitigkeit des Sports – und den Kemnader See, wenn es kalt ist.

Dicke Schuhe aus Neopren, natürlich den Neoprenanzug, Handschuhe. Einen Schal bis über die Nase gezogen gegen den Wind, Mütze auf den Kopf – das ist die Sportausrüstung, die Kimo Kersting jetzt braucht. „Da bin ich empfindlich, besonders an den Füßen“, sagt er, „das Wasser ist wirklich kalt.“ Er geht aufs Wasser des Kemnader Sees, mit seinem Brett und seinem Paddel. Auch wenn es kalt ist, liebt er die Jahreszeit.

„Das Wasser ist im Winter glatt, es ist meistens ganz windstill – wenn es dann bei ein oder zwei Grad noch einen ganz leichten Nieselregen gibt und ich den See in der Stille ganz für mich alleine habe – das hat ganz besonderes Flair.“

Erste Erfahrung am Kemnader See

Natürlich macht Kersting das, weil es ihm Spaß macht, „sonst würde ich mich ja nicht rausquälen“, aber auch aus Trainingsgründen: Der 18-Jährige ist einer der besten Stand-Up-Paddler Deutschlands. „Ein bis zweimal pro Woche gehe ich im Winter aufs Wasser, je nachdem wie viel ich für die Schule machen muss. Dann fahre ich so sieben bis zehn Kilometer.“

Stand-Up-Paddling ist genau das, was der Name sagt – Paddeln, nur halt nicht in einem Boot im Sitzen, sondern stehend wie auf einem Surfbrett. Es ist eine junge Sportart, in der es wenig ausgebaute Wettbewerbe gibt, schon gar keine für bestimmte Altersklassen.

Kersting gehört zu den besten Deutschen, ist im Sommer internationale Turnier gefahren und startete für Deutschland bei den Europameisterschaften auf Sardinien. Aber angefangen hat alles am Kemnader See.

Kersting, der in Heven wohnt, war mit seinen Freunden am See bei einem „Testival“. „Da waren alle Hersteller, es wurden Rennen gefahren, aber das habe ich gar nicht wahrgenommen. Wir sind einfach zu fünft auf einem Brett gepaddelt.“ Einige Wochen später im Familienurlaub auf Fehmarn kam er bei einem Wettkampf vorbei – und machte spontan mit.

Viele verschiedene Disziplinen

„Es war windig, es gab Wellen, aber obwohl ich voll ohne Plan gefahren bin, war ich im oberen Mittelfeld dabei – und es hat mega Spaß gemacht.“ Es dauerte nicht lange, bis sich die Familie das erste Board kaufte. „Das war noch ein Allrounder“, sagt Kersting, der inzwischen deutlich mehr Bretter besitzt.

Besonders reizvoll an seinem Sport ist nämlich die Vielseitigkeit: Es gibt Ausdauerrennen, Sprintrennen, technische Rennen, Wildwasser- oder Wellenwettbewerbe. „Das Technical Race ist meistens auf dem Meer, mit Wind und Wellen, wo man viele enge Kurven um die Bojen fahren muss“, erklärt er. In dieser Disziplin holte er Bronze bei den Deutschen Meisterschaften. Seine Stärken sieht er vor allem im Sprint, „dafür haben die Älteren viel mehr Ausdauer als ich.“

Handball und Krafttraining als Ausgleich

Auch deshalb macht er Kilometer um Kilometer auf dem eisig kalten Kemnader See. Dazu kommt Krafttraining und er spielt Handball beim HSV Herbede. „Das ist eine gute Ergänzung, damit ich Anfang des Sommers nicht mit den Grundlagen anfangen muss.“

Auch dann will er wieder aufs Wasser und an vielen Wettkämpfen teilnehmen. „Je nachdem, wie das mit der Schule passt“, sagt er, das Abi hat in den nächsten eineinhalb Jahren Priorität. Denn auch wenn Kersting mit der Firma Mistral immerhin einen persönlichen Ausrüster hat, lässt sich Stand-Up-Paddling nicht professionell betreiben. Aber es ist mehr als ein Hobby.

„Ich möchte wieder international mitfahren und mich auf diesem Niveau steigern“, blickt er auf den kommenden Sommer. Und Ferien gibt es ja auch: „Ich baue mir einen großen Bulli zum Camper aus, so dass ich darin alle mein Boards transportieren und auch schlafen kann.“ Damit soll es im Sommer mehrere Wochen nach Portugal und Frankreich ans Wasser gehen.

Bis dahin muss er mit dem kalten Kemnader See vorlieb nehmen. Der ist im Winter schließlich eh am schönsten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben