Kolumne

Medienschelte ist bei Trainern gerade mal wieder modern

Foto: Montage/Eling

Essen.  Am vergangenen Spieltag kritisieren gleich fünf Trainer ihre Kritiker, fragende Journalisten. Ist das überempflich oder gerechtfertigt?

Bruno Labbadia hat es getan, 2012, als Trainer des VfB Stuttgart. Er hat sich den Frust von der Seele geredet und die Medien beschimpft: „Als Bundesliga-Trainer muss man sich heute die Frage stellen: Gehe ich einen schweren Weg mit, oder sage ich: am Arsch geleckt! Ich kann die Leute hier nicht verstehen, vor allem nicht die schreibende Zunft.“

Thomas Doll hat es getan, 2008, als Trainer von Borussia Dortmund. Seine Wutrede: „Noch vor 13 Monaten lag hier alles am Boden. Jetzt ist der Europapokal erreicht, und dennoch wird alles schlecht gemacht. Spieler, die von den Zeitungen bereits aus dem Verein geschrieben werden, sollen am Freitag für den Verein die Knochen hinhalten. Da lach‘ ich mir den Arsch ab.“

Und, na klar, Rudi Völler hat es auch getan, 2003, als Teamchef der Nationalmannschaft. Nach dem 0:0 auf Island bekam ARD-Studiomoderator Waldemar Hartmann Völlers Zorn über die vorherige Analyse von Günter Netzer und Gerhard Delling ab. „Tiefpunkt, noch ein Tiefpunkt, und noch ein niedrigerer Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören! Was hat denn der Günter früher für einen Scheiß gespielt. Standfußball war das doch früher.“ Als Hartmann betonte, dass er doch gar keine Schärfe reinbringe, giftete ihn Völler an: „Ja, du nicht. Du sitzt hier bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizen getrunken und bist schön locker.“

Huub Stevens wird ausfallend

Warum wir daran erinnern? Aus aktuellem Anlass. Am vergangenen Wochenende suchten gleich fünf Bundesliga-Trainer die Konfrontation mit Reportern. Niko Kovac vom FC Bayern war trotz des 5:0 gegen Borussia Dortmund nicht zu bremsen: „Wir sind diejenigen, die alles abbekommen. Es geht nur um Sensationen, nur noch um gewinnen oder verlieren. Das ist nicht in Ordnung, was hier abgeht.“ Pal Dardai von Hertha BSC machte die Medien für eine überzogene Erwartungshaltung verantwortlich: „Das ist nicht fair, das ist so genannter geplanter Mord. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass Ihr von der Schadenfreude lebt.“ Thomas Doll (wieder mal) von Hannover 96 passte eine Frage nicht: „Das musste jetzt noch kommen, die Frage, die mussten Sie jetzt noch reindrücken. Gut. Super.“ Dieter Hecking von Borussia Mönchengladbach brach ein Sky-Interview ab: „Wissen Sie, ich finde, das ist genau dieser Journalismus, den ich mag. Dass man jetzt versucht, wieder über Einzelne zu sprechen.“ Und Huub Stevens von Schalke 04 wies einen Fragesteller nicht nur zurecht, sondern beleidigte ihn auch noch: „Hör auf! Ich antworte Dir nicht mehr! Weg! Du bist lächerlich.“ Im Fall Stevens sollte das auch ein Signal für die Spieler sein: Seht her, euer Trainer kämpft für euch – gegen Journalisten wie gegen Schiedsrichter, also kämpft ihr gefälligst auch für euren Trainer.

Eine einfache Lösung

Es gäbe für diesen ständigen Konflikt eine recht einfache Lösung. Mehr Rücksichtnahme, von beiden Seiten. Normale Umgangsformen wären schon hilfreich, da hat Niko Kovac durchaus recht: „Jeder muss an sich den Anspruch haben: Was ich nicht möchte, das mir einer antut, das tue ich keinem anderen an.“ Journalisten sollten es schaffen, bei aller berechtigten Kritik nicht zu überziehen. Und Trainer müssten bei aller verständlichen Überempfindlichkeit nicht ausfallend werden.

Klingt kitschig? Ist unrealistisch? Vielleicht. Aber man könnte ja mal anfangen.

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