DTM

DTM-Chef Gerhard Berger: "Ich saß noch nicht im E-Rennauto"

Bereit für den DTM-Start: Der frühere Formel-1-Fahrer Gerhard Berger.

Bereit für den DTM-Start: Der frühere Formel-1-Fahrer Gerhard Berger.

Foto: DPA

Essen.   Am Wochenende startet die DTM in die Saison. Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger spricht im Interview über den Abgang von Mercedes und die Formel E.

Der Vorjahreschampion der DTM steht nicht an der Startlinie in Hockenheim. Weder Gary Paffett noch Mercedes werden die Fans am Wochenende zu Gesicht bekommen. Die Marke mit dem Stern hat sich der Formel E angeschlossen, in der auch der Brite seine leisen Runden dreht. Gerhard Berger (59) ist dennoch frohen Mutes. Der DTM-Chef hat mit der britischen Marke Aston Martin einen Nachfolger gefunden, dazu präsentiert sich die Rennserie rasanter. Vor den ersten Rennen am Samstag und Sonntag (jeweils 13.30 Uhr/Sat.1) spricht die Formel-1-Legende über den Ausstieg von Mercedes, die elektrische Konkurrenz und Mick Schumacher.

Herr Berger, kribbelt es bei Ihnen schon?

Gerhard Berger: Och, nach all den Jahren bin ich da schon etwas relaxeder, wenn es Richtung Saisonstart geht. Die Vorbereitungen sind nach wie vor sehr interessant, aber das Schönste ist, wenn es losgeht und man sieht, wer der Schnellste ist.

Als relaxed kann man die Vorbereitung wohl nicht bezeichnen. Es wurde ziemlich viel getan. Die DTM präsentiert sich in einem neuen Look, die Wagen sind schneller, es gibt eine Kooperation mit Japan. Warum war das alles nötig?

Berger: Es war meine Aufgabe: Die DTM Schritt für Schritt zu internationalisieren. Da sind wir mit der neuen Marke Aston Martin, mit internationalen Fahrern, europäischen Rennen und dem gemeinsamen Event mit der japanischen Super-GT-Serie auf einem guten Weg. Das läuft in die richtige Richtung. Das andere Thema war die DTM für die Fans und für die Teilnehmer attraktiver zu machen. Dafür haben wir einige Veränderungen vorgenommen, und die wurden zumindest von den Fans bislang gut angenommen. Die DTM hat heuer den besten Kartenvorverkauf sei Jahren.

Woran liegt das?

Zäsur und Neuanfang: DTM fährt um die Zukunft Berger: Wir haben die letzten Jahre ein gutes Produkt abgeliefert, und das merken die Fans. Und man muss sagen: Der Kartenvorverkauf war trotz des Abgangs von Mercedes so gut. Der Hersteller war immer ein großer Publikumsmagnet und hat selbst viele Karten für Aktionen mit Kunden oder Mitarbeitern gekauft. Das ist schon ein gutes Zeichen.

Waren Sie von Mercedes enttäuscht, als der Rennstall seinen Abgang verkündete?

Berger: Ja, war ich. Aber ich hab immer gesagt: Ich nehme es sportlich. Ich bin kurz vorher an Bord gekommen, da hat sich das ganz anders dargestellt. Da waren wir uns einig, dass wir die Serie gemeinsam nach vorne bringen wollen. Über die Meldung war ich deshalb schon sehr überrascht.

Wie sehr stand damals die Zukunft der DTM auf dem Spiel?

Berger: Eigentlich nicht so sehr, weil die zwei Hersteller Audi und BMW sich darauf verständigt haben, eine Saison 2019 auch zu zweit durchzuziehen. Aber wir haben es geschafft, mit Aston Martin einen sehr guten Nachfolger zu bekommen, der vor allem im Premiumsegment sehr stark vertreten ist. Das passt zu uns.

Gab es noch andere Kandidaten?

Berger: Es hat schon ein paar gegeben, aber du weißt nie, ob das nur Gerede ist. Am Ende des Tages waren das sehr engagierte Team R-Motorsport und Aston Martin diejenigen, die das Thema konsequent diskutiert und umgesetzt haben.

Die Marke hat ihre Wurzeln bekanntlich in England. Dazu kommt die Kooperation mit der japanischen Super-GT-Serie. Warum muss die DTM internationaler werden?

Berger: Ich glaube, dass die Hersteller für einen lohnenden Return ihres Investments Internationalität brauchen. Sie verkaufen ihre Produkte weltweit und versuchen, mit solch einer Rennserie in mehreren Ländern präsent zu sein. Die DTM muss deshalb international sein, obwohl man ganz klar sagen muss: Der Kern liegt weiterhin in Deutschland.

Wird die DTM noch internationaler?

Berger: Das ist schon das Ziel, aber wir gehen es sehr vorsichtig an, weil es darauf ankommt, welche Vorarbeit geleistet wird. Sonst finden die Rennen vor leeren Rängen statt. Die Marke DTM muss in einigen Ländern noch bekannter gemacht werden. Wir gehen gezielt dorthin, wo es eine Basisfangruppe gibt.

Immer populärer wird derzeit die Formel E. Wie definieren Sie den Unterschied zur DTM?

Berger: Es sind zwei komplett unterschiedliche Plattformen. Die Formel E ist marketinggetrieben, sie ist eine Plattform für die Entwicklung und Kommunikation der Elektromobilität. Die DTM ist traditionelles Rad-an-Rad-Rennen, das einfach einen harten Motorsport bietet -- mit neuen, effizienten Vierzylinder-Turbomotoren.

Saßen Sie schon mal in einem E-Rennauto?

Berger: Nein.

Können Sie sich vorstellen, dass Sie als junger Rennfahrer so etwas ausprobiert hätten?

Berger: Na ja, als junger Rennfahrer fährt man alles, was man irgendwie zwischen die Hände kriegt. Aber ich selbst bin schon eher im klassischen Motorsport Zuhause. Ich habe Verständnis für Hersteller, die ihre E-Technologie präsentieren, bin aber trotzdem ein Verfechter des klassischen Motors.

Was glauben Sie, wie lange die DTM-Autos noch mit einem Verbrennungsmotor fahren werden?

Berger: So lange die Automobilindustrie noch von Autos mit Verbrennungsmotoren abhängt. Heute bekommt man leicht ein falsches Bild, man glaubt, dass in naher Zukunft nur noch E-Autos auf den Straßen unterwegs sind. Ich glaube aber, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, weil etwa auch die Hybridtechnologie eine starke Rolle spielen wird. Der vollelektrische Bereich vielleicht im Stadtbereich, das mag sein. Ich glaube, dass der Verbrennungsmotor im Automobilbau noch lange die entscheidende Technologie sein wird. Aber wir verschließen vor Zukunftstechnologien natürlich nicht die Augen. Gemeinsam mit den Herstellern machen wir uns Gedanken über die zukünftige Antriebskonzepte für unsere Rennfahrzeuge.

Im Motorsport womöglich auch aufgrund der Tradition.

Berger: Ich würde es gar nicht mal an der Tradition festmachen. Wenn der Zeitpunkt da ist, dass man über E-Motoren auch im Motorsport einen Vorteil generieren kann, dann wird es sich automatisch dorthin entwickeln. Die Autos sind wegen der Batterien sehr schwer, haben eine begrenzte Reichweite, insbesondere bei höherer Leistung. Sicher könnte es eine Technologie sein, die uns bei der Reduzierung von Umweltbelastungen hilft, aber auch nicht uneingeschränkt. Man denke nur an die Belastungen durch Produktion und Entsorgung von Batterien. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht andere Techniken gibt, die zukunftsträchtiger sind – wie etwa die Brennstoffzelle.

Also ist die Formel E im Moment noch keine Konkurrenz für die DTM?

Berger. Sie ist weniger ein Konkurrent in den Augen der Fans, sehr wohl aber auf Seiten von Herstellern und Sponsoren. Dort wird viel Budget und Aufmerksamkeit für die Formel E investiert, was zu Lasten anderer Motorsportprojekte gehen kann.

Motorsport: Schumacher junior ist auf dem Weg nach oben Der Name, der im deutschen Rennsport in aller Munde ist, ist der von Mick Schumacher. Haben Sie eigentlich mal darüber nachgedacht, ihn für die DTM zu gewinnen?

Berger: Nein, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich weiß genau, was Micks Ziel ist: Die Formel 1. Darüber habe ich mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass dies der schnellste Weg ist: Formel 3, Formel 2 und dann die Formel 1. Den Weg geht er und das ist der richtige.

Obwohl Mick Schumacher in der DTM sicher gut ankommen würde.

Berger: Er hat im vergangenen Jahr auch schon mal getestet und es hat ihm Spaß gemacht. Aber ich selbst würde ihn gerne in der Formel 1 sehen, daher glaube ich, dass sein Weg der richtige ist.

In diesem Jahr fahren die Teams mit einem Vierzylinder-Turbomotor. Es wurde viel über die Zuverlässigkeit diskutiert. Wird es zu häufigeren Ausfällen kommen?

Berger: In der ersten Phase vielleicht, aber dann wird sich das einspielen. Davon ab: Die Unberechenbarkeit tut allen gut. Die Rennen werden spannender. Die Frage ist aber auch, wer seine Hausaufgaben gut gemacht hat. Es ist das Ideal, das alle Motoren ähnliche Leistung haben. Für das sportliche Bild wäre es nicht gut, wenn jemand eine dominierende Stellung einnimmt. Hoffentlich haben alle ihre Hausaufgaben gleichgut gemacht.

Welche Chancen rechnen Sie dem Mindener René Rast, Champion 2017, zu?

Berger: René ist ein Spitzenmann, er hat letztes Jahr auch wieder ein einwandfreies Bild abgegeben. Er ist in diesem Jahr auch wieder einer der stärksten im Feld.

Und würde ein deutscher Champion sein.

Berger: Ehrlich gesagt: Ich bin mit jedem Champion zufrieden, es könnte ein Franzose, Deutscher oder Brasilianer sein. Champion wird der, der am besten ist.

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