Formel E

Fahren am Limit - Die neue Härte in der Formel E

Die Formel E beim Start in Rom.

Die Formel E beim Start in Rom.

Foto: Getty

Monte Carlo.  Keines der letzten sechs Rennen ging ohne besondere Vorkommnisse über die Strecke. Der Vorwurf: Die Formel E könnte zum Demolition Derby werden.

Santiago, New York, Rom, Paris - Rennen mitten in den Städten gehören zur DNA der Formel E. Das unterscheidet sich die vollelektrische Serie grundlegend von der Formel 1. Mit einer Ausnahme. Monte Carlo. Bei der Jagd durch die Häuserschluchten des Fürstentums Monaco an der Cote d'Azur nutzen beide Serien dieselbe Strecke. Zumindest zu großen Teilen. Während die Rennwagen mit dem Hybridantrieb bei ihrem Auftritt in zwei Wochen auf dem traditionellen, 3,337 Kilometer langen Kurs hoch am Casino vorbeifahren, bleiben die E-Rennen an diesem Samstag (16.30 Uhr/ARD) auf ihrem 1,765 Kilometer langen Piste immer auf Meereshöhe.

Mit einem Hubschrauber-Flug im Wohnzimmer hat der dreifache Formel-1-Weltmeister Nelson Piquet die Hetzjagden durch den Leitplankenkanal verglichen. Die gerne auch mal mit einem Crash endete. Im vergangenen Jahr demolierte Jungstar Max Verstappen seinen Red Bull nach einem Fahrfehler. Berühmt wurde auch Michael Schumacher, als er 2006 seinen Ferrari im Qualifying in der Rascasse-Kurve so abstellte, dass Konkurrent Fernando Alonso seine schnelle Runde nicht beenden konnte.

Mehrere Faktoren für gesteigerte Härte

Doch während die Formel-1-Fahrer nur selten mit den Tücken der engen Kurse zu kämpfen haben, gehört es für die Elektro-Piloten seit dem Start der Serie vor fünf Jahren zum Alltag. Doch so wild wie in dieser Saison haben sie es noch nie getrieben. Keines der letzten sechs Rennen ging ohne besondere Vorkommnisse über die Strecke. Fünfmal musste die Hetz sogar unterbrochen werden, weil es nach Kollisionen kein Durchkommen gab. Bei der letzten Wettfahrt in Paris gab es wegen Unfällen und wegen starken Regens insgesamt drei Full-Course-Yellow. Dann müssen alle Fahrer mit maximal Tempo 50 um den Kurs kreiseln. "Der Kampf ist hart", sagt Techeetah-Pilot Andre Lotterer, "es soll schon spektakulär sein. Aber wenn es zu extrem wird, haben wir ein Problem."

Für das Mehr an Härte sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Zum einen nutzen die Fahrer aus, dass ihre Fahrzeuge der zweiten Generation deutlich stabiler geworden sind. Ein Beispiel. Der Brite Sam Bird ist in Hongkong dem in Führung liegenden Lotterer auf den Reifen gefahren. Während der Duisburger wegen eines Schadens am Pneu seinen greifbar nahen ersten Sieg verlor, konnte der Virgin-Pilot weiterfahren. Trotz Strafe wurde er noch Sechster.

Vorwurf: Formel E könnte zum Demolition Derby werden

Der Strafenkatalog und seine Auslegung ist ein anderer Grund für die zunehmende Härte. "Wenn die Strafen härter wären, dann würde man sich manche Aktion vorher zweimal überlegen", gibt Robin Frijns zu. Birds Teamkollege wurde in Sanya Opfer von Sebastien Buemi. Der Ex-Weltmeister torpedierte den vor ihm auf Platz sieben fahrenden Frijns, der dadurch auf Lucas di Grassi geschoben wurde. Während Frijns und di Grassi ihre Fahrzeuge abstellen mussten, konnte Buemi weiterfahren und kam als Sechster ins Ziel. Durch die folgende Zehn-Sekunden-Strafe fiel er auf Platz acht zurück. Genau die Platzierung, die er vor dem Unfall hatte. "Wo ist da die Strafe?", fragte Dieter Gass zurecht. Auf Facebook legte der Audi-Motorsportchef nach: "Die Formel E muss aufpassen, dass sie nicht zu einem Demolition-Derby wird."

Als Folge der vielen Unterbrechungen verändert sich auch der Charakter der Rennen. Generell sollte es in der Formel E um eine möglichst effiziente Nutzung der vorhandenen Energie samt Rückgewinnung gehen, aber durch die vielen Phasen, in denen die Batterien kaum entleert werden, kann fast von Anfang bis Ende Vollgas gefahren werden. Dadurch werden Überholvorgänge unheimlich schwierig. "In diesem Bereich müssen wir etwas anpassen", sagte ein Rennkommissar dieser Zeitung in Paris. Eine Möglichkeit wäre das Verlängern der Renndistanz von momentan 45 auf 50 Minuten. Das würde an der DNA der Formel E nichts verändern, aber der Sicherheit nützen.

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