Formel 1

Ferrari-Pilot Vettel startet wieder von der Pole Position

Startet in Baku von der Pole Position: Sebastian Vettel.

Foto: Getty Images

Startet in Baku von der Pole Position: Sebastian Vettel. Foto: Getty Images

Baku.  Beim Großen Preis von Aserbaidschan am Sonntag startet Sebastian Vettel vom ersten Platz. Sein Ferrari bleibt das beste Auto der neuen Saison.

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Reifenwechsel – ein gewohnt harmloses, bisweilen nerviges Vergnügen für jeden Autofahrer. Zum Glück nur zweimal im Jahr. In der Formel 1 aber, wo alles auf die Spitze getrieben wird, geht es um mehr als nur frische Gummis. Mindestens einmal pro Rennen muss ein Rennwagen an die Box. Ein künstliches Element, dass für mehr Dramatik sorgen soll. Daran herrscht in dieser Saison kein Mangel. Rennen werden von den Mechanikern gewonnen – oder verloren. Auch beim Großen Preis von Aserbaidschan am Sonntag (14.10 Uhr/RTL) wächst der Druck auf die schnelle Eingreiftruppe wieder gewaltig.

Unfall war Warnsignal

Die Zuschauer haben durch das Wimmelbild vor den Garagen mehr Spannung, der Automobilweltverband FIA bekommt fünfstellige Summen an Bußgeldern für in der Eile nicht richtig montierte Räder, und die Strategen haben reichlich zu tun, die richtige Taktik zu finden, gerade bei Safety-Car-Phasen. Eine prinzipiell unberechenbare, oft übersichtliche Gemengelage. Dabei können Rekordstopps in unter zwei Sekunden für alle vier Räder nur klappen, wenn alles blind ineinander greift. Aber der Unfall von Bahrain, als Kimi Räikkönen einen Ferrari-Mechaniker mit sich riss, weil er zu früh grünes Licht bekommen hatte, war ein Warnsignal, dass bei aller Perfektion eine Menge schief gehen kann. Das Haas-Team brachte beim Saisonstart das unfreiwillig komische Kunststück fertig, an beiden Autos die Räder nicht richtig fest montiert zu haben. Das Gegenteil passierte beim Rennen in China, als Red Bull beide Autos überraschend reinholte und direkt hintereinander abfertigen ließ – es war der Schlüssel zum Sieg. Bei den engen Abständen in dieser Saison wird die Choreographie der vermummten Männer immer wichtiger.

Drei Mann kümmern sich um jedes Rad, einer löst das alte Rad, einer zieht es zur Seite, einer setzt das neue auf. Die dabei benutzten Wagenheber und Schlagschrauber sind modifizierte Eigenentwicklungen, die mit herkömmlichen Gerätschaften aus dem Baumarkt wenig gemein haben, manche sind so teuer wie ein Kleinwagen. Ein Vierersatz der Schrauben von Mercedes oder Ferrari beläuft sich schnell auf 100 000 Euro.

Unabhängig von der Preisfrage ist es ein immer wieder faszinierendes Ritual, denn in Nuancen gleicht kein Boxenstopp dem anderen. Mercedes stoppte in Shanghai den Räderwechsel in 1,83 Sekunden, das Sauber-Team in 1,88 Sekunden. In der Woche nach den Rennen werden die Videos entsprechend analysiert. Der Ton ist dabei gelegentlich noch rauer als in der Jury deutscher Casting-Shows. Aber die starken Typen wissen, dass sie sich auf die Seele des Mannschaftssports Formel 1 verlassen können.

Seit 2009 ist das Nachtanken aus Sicherheitsgründen verboten, seit einem herumfliegenden Rad auf dem Nürburgring müssen alle Mechaniker Helme tragen, Kameraleute und Fotografen werden hinter Sicherheitslinien verbannt, wenn sie überhaupt zugelassen sind. Denn es ist martialisch, wie es in diesen Situationen zugeht, zugehen muss. Der ganze Fokus liegt für jeden einzelnen bei einem, maximal zwei Handgriffen. Das Limit ist erreicht, physisch wie psychisch. Renndirektor Charlie Whiting hat in Baku alle Teammanager zu einem Krisenmeeting aufgefordert. Er erwartete Vorschläge, wie man die Sicherheit verbessern kann. Aber das Thema ist zu komplex, um eine für alle gültige Lösung zu finden. Jeder Rennstall hat sein eigenes System, feste Rituale. Lieber mehr Aufpasser als Frühwarnsystem einsetzen als mit Veränderung die Routine zu gefährden.

Vettel startet von der Pole Position

Gute Boxenstopps lassen sich trainieren, tausende Male in der Winterpause, und Donnerstagnachmittags an den Renn-Wochenenden. Gefragt ist ein Mix aus Schnelligkeit, Nervenstärke und Präzision. An Schlagschraubern und Radmuttern hängt das Wohl und Wehe von zwei Wochen Arbeit. Wie Räikkönens spektakuläres Missgeschick verdeutlichte, sind bei der Rasanz der Arbeit gelegentlich sogar die Sensoren an der Radnabe überfordert. Deshalb stellen die Teams jetzt wieder Aufpasser ab, um die Freigabe nach dem Stopp zu überwachen. Der Mensch soll wieder den Unterschied machen. Das ist irgendwie dann doch beruhigend.

Die Strecke in Baku meisterte Sebastian Vettel wie ein Weltmeister, und sein Ferrari bleibt das beste Auto der neuen Formel-1-Saison: Der WM-Spitzenreiter ist im Qualifying zur Pole Position gerast und steht damit zum dritten Mal in Serie auf dem ersten Startplatz. Fast zwei Zehntelsekunden trennten ihn von seinem großen Rivalen Lewis Hamilton im Mercedes, der Titelverteidiger musste sich mit dem zweiten Rang begnügen. „Das Auto war sehr gut, ich hatte es da, wo ich es haben wollte“, sagte Vettel und fügte mit Blick auf den vierten Saisonlauf an: „Das wird ein intensives Rennen. Hier in Baku kann immer alles passieren.“

Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas (Finnland) steht auf dem dritten Startplatz gefolgt vom Red-Bull-Duo Daniel Ricciardo (Australien) und Max Verstappen (Niederlande). Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari warf indes die große Chance auf die Pole weg. Der Finne lag Sekunden vor Ende des Qualifyings klar auf Bestzeitkurs, leistete sich dann aber einen groben Fahrfehler. Renault-Pilot Nico Hülkenberg (Emmerich) holte den neunten Rang, wird aufgrund eines Getriebewechsels allerdings um fünf Startplätze nach hinten versetzt. (mit sid)

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