Formel 1

Formel 1: Heidfeld analysiert die Optionen von Vettel

Aus und vorbei: Sebastian Vettel verlässt Ferrari zum Jahresende.

Aus und vorbei: Sebastian Vettel verlässt Ferrari zum Jahresende.

Foto: AFP

Essen.  Die Zukunft von Formel-1-Pilot Sebastian Vettel ist weiter offen. Nick Heidfeld analysiert die Trennung von Ferrari und die Optionen.

Die fahrerischen Fähigkeiten von Sebastian Vettel sind nach vier WM-Titeln unbestritten. Der Heppenheimer wird eine Fahrer-Generation prägen, die nicht mit Michael Schumacher aufgewachsen ist. Was sich diese Rennsport-Generation von Vettel allerdings nicht abgucken wird: Sein Auftreten im Internet. Vettel genießt die Zurückgezogenheit, er schirmt sein Privatleben konsequent ab. Nach der beschlossenen Trennung von Ferrari zum Jahresende herrscht Funkstille.

Was macht Vettel im kommenden Jahr? Auch Nick Heidfeld kann nicht sagen, wie die Pläne des derzeit bekanntesten deutschen Rennfahrers aussehen. Der 43-jährige Mönchengladbacher kannte Vettel schon, bevor der zum ersten Mal Weltmeister wurde. Zwölf Jahre fuhr Heidfeld in der Königsklasse, die letzten fünf auf denselben Strecken wie Vettel. Für uns analysiert er die Situation des 32-Jährigen.

Die Trennung

„Es hätte mich nicht gewundert, wenn er bei Ferrari geblieben wäre. Das war aus meiner Sicht lange sehr offen“, sagt Heidfeld. Vettel selbst hatte im offiziellen Statement zur Trennung mitgeteilt, beide Seiten hätten nicht mehr den Wunsch einer Zusammenarbeit gehabt. „Pressemitteilungen sollte man immer etwas hinterfragen, sie sind teilweise wie Kopien ähnlicher Verkündigungen, voraussehbar und irgendwie inhaltslos. Diesmal aber sehe ich die Aussagen als wirklich aussagekräftig und interessant an.“ Heidfeld glaubt, Vettel habe nicht mehr das volle Vertrauen und die Rückendeckung des Teams gespürt. „Mit Charles Leclerc an seiner Seite eher das Gegenteil. Dieser rückte immer mehr in den Fokus, was unter anderem am bereits abgeschlossenen längerfristigen Vertrag sichtbar wurde.“ Der junge Franzose sei mehr die Projektionsfläche für die Wünsche von Ferrari als Vettel nach fünf Jahren ohne WM-Titel. „Bei Ferrari durchlebte er letztlich nicht die erfüllende Zeit und sieht sie dort auch nicht vor sich.“

Das Karriereende

Heidfeld kennt den Formel-1-Zirkus. Und Heidfeld kennt den Stress, den dieser verursacht. Er selbst zog mit seiner Familie nach Zürich, um dort zur Ruhe zu kommen. „Er hat sich wohl in der jetzigen Krise die Zeit genommen – oder gezwungenermaßen durch Corona die Zeit bekommen – um einmal nicht mehr in diesem ewig stressigen Mühlrad der Formel 1 zu sein“, sagt Heidfeld. Zuhause hätte Vettel jetzt Gelegenheit, über seine Lage nachzudenken. „Persönlich würde ich mich nicht wundern, wenn er nun die Familie mit seinen drei Kindern in den Vordergrund setzt.“ Das Karriereende nach 14 Jahren Königsklasse – nicht undenkbar. „Andererseits liebt er das, was er auf der Rennstrecke ausleben kann. Meiner Erfahrung nach braucht ein Rennfahrer dies bis zu einem bestimmten Grad, um glücklich sein zu können. F1 oder Familie; oder beides irgendwie unter einen Hut bringen.“

Der Team-Wechsel

Vettel-Fans wünschen sich einen Wechsel zu Mercedes. Eine Doppelspitze mit Champion Lewis Hamilton und Vettel scheint schwer vorstellbar. Auch schob Teamchef Toto Wolff den Spekulationen erst einmal einen Riegel vor: „Beachtenswert ist jedoch die etwas irritierende Tatsache, dass weder Hamilton, noch ein zweiter Fahrer und ebenso wenig Toto Wolff für nächstes Jahr bei Mercedes bestätigt sind“, sagt Heidfeld. „Was noch am meisten für diesen Weg sprechen würde, ist der passende Link aus deutschem Hersteller und deutschem Fahrer.“

Eine andere Option scheint Heidfeld interessant: ein Wechsel zu Racing Point, das in der kommenden Saison als Aston-Martin-Werksteam antreten wird und mit Mercedes-Motoren ausgestattet ist. Investor Lawrence Stroll, dessen Sohn Lance einer der Piloten ist, sei bekannt dafür „keine halben Sachen“ zu machen. „Da würde Sebastian perfekt reinpassen. Mit einem viermaligen Weltmeister würde das Team auch nach außen den Anspruch vermitteln, dass man an die Spitze will.“

Das Vettel-Erbe

Teamintern ist die Entscheidung bereits gefallen. Der 25-jährige Spanier Carlos Sainz jr. folgt auf Sebastian Vettel. Doch ein anderes Thema wird auch heiß diskutiert: Wird Mick Schumacher (21) irgendwann der Vettel-Erbe? Als „Young Driver“ machte er bereits Testfahrten für Ferrari und Alfa Romeo. „Ich glaube, wir könnten Mick früher in der Formel 1 sehen, als viele glauben“, sagt Heidfeld. Dafür müssten auf der einen Seite seine eigenen Leistungen in der diesjährigen Formel 2 herausragen und – mindestens genauso wichtig – die Performance von Antonio Giovinazzi im Alfa enttäuschen. Dann könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass er zwar nicht bei Ferrari, aber beim Schwesterteam Alfa Romeo seine ersten Formel-1-Rennen absolviert.“

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